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Ich will nicht getröstet werden, ich bin nicht traurig

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Ein Konzertabend mit Die Höchste Eisenbahn im Zoom Frankfurt. Ein Versöhnungsakt

 

November: Der Nebel legt sich über die Landstraßen, die Straßenbahnen sind von Menschen überfüllt, Cafémitarbeiter holen Tische und Stühle von draußen rein, um sie im Keller zu verstauen. Es könnte keinen stilvolleren Rahmen für die Tour von Die Höchste Eisenbahn geben. Mit ihrem zweiten Langspieler „Wer bringt mich jetzt zu den Anderen“ veröffentlicht die Berliner Band im vergangenen August erneut eine Sammlung über brüchige Alltagssituationen voller Zuneigung, Zweifel und Zuversicht, ganz ohne im Kitsch zu versinken.

 

Moritz Krämers und Francesco Wilkings Geschichten von der kleinen Liebe in der viel zu großen Stadt, von den Momenten, in denen die Decke der einzige Freund ist, von dem Wegfahren und dem ständigen Wiederkommen treten mit der Leichtigkeit eines Spaziergangs am Sonntagnachmittag auf. Ständig bewusst, dass es bald kalt werden wird und trotzdem im Genuss der letzten Sonnenstrahlen versinkend.

 

Die Band ist ein musikalisches Fahrgeschäft auf der Bühne, mal mit vielen Gitarren, mal minimalistisch am Tasteninstrument. Neben Wilking und Krämer fahren noch Marcus Wiebusch, Max Schröder (Tomte, Der Hund Marie) und Felix Weigt (ebenfalls szenenbekannt durch Zusammenarbeit mit Kid Kopphausen) mit. Und die Fahrt dauert. Über zwei Stunden lässt die Eisenbahn ihren Dampf ab. Ungeniert und ohne Eitel, als würden auf der Bühne gute Bekannte stehen, die ein paar Geschichten erzählen wollen. Als hätte man sich an einem Dienstagabend getroffen, um sich vor der Kälte draußen zu schützen.

 

Der Abend ist eine wohltuende Umarmung an das Publikum. Ein festes Zudrücken mit dem Mund am Ohr aus dem es flüstert: „Mach dir keine Sorgen. Wird schon alles.“ Dann ist man noch kurz bedrückt, fängt aber schon bald an zu lachen. Diese Bedrücktheit könnte man nun sehr leicht mit Traurigkeit verwechseln, aber aus ihren Songs spricht mehr als nur Melancholie und großes Grauen. Schließlich, das sagen sie selbst, machen sie Lieder für Menschen von sechs bis 99 Jahren. Songs, in denen eine Art Versöhnung liegt.

 

Und ich, ich versöhne mich mit dem Mann, der zu schnell in Reihe Drei tanzt, mit den lauten Klatschern in den leisen Songs, mit der Frau, die sich ungeschickt durch die Menge drängt, mit der fröhlichen Gruppe vor der Bühne, die Fotos mit ihren Handys schießen, mit der leeren Bierflasche in meiner Hosentasche. Mit allem. Nur für diesen einen Abend.

 

 

Autor: 
Tobias Siebert
Ressort:
Musik / Live
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Die Höchste Eisenbahn – Blume