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Kilometer 504

Wiesbadens Stadtteil Biebrich liegt smack bang zwischen den beiden Landeshauptstädten – und dennoch verirrt man sich eher selten dorthin. Dass sich das aber lohnt, liegt auch an einer wachsenden Kulturszene.

 

Fährt man mit der S-Bahn von Mainz nach Wiesbaden, lassen die meisten Biebrich einfach links liegen. Dabei hat der mit seinen knapp 37.000 Einwohnern größte Mainz-Wiesbadener Stadtteil einen ganz eigenen Charakter – und eine lebendige Kulturszene.

 

„In Biebrich gibt‘s eine gewachsene Urbanität jenseits der Stadtmitte“, findet jedenfalls Clemens Würkner, Mitbegründer des Kulturclubs Biebrich. 2005 erschuf der Friseur zusammen mit seinen Freunden Sabine Gramenz und Daniel Oschatz den Club, der sich seitdem mit engagiertem Kulturprogramm einen Namen gemacht hat. „Als Außenstehender braucht man normalerweise einen Grund, um nach Biebrich zu fahren“, sagt Clemens – und sein Club liefert durchaus einen solchen. Zwar entstand schon ein paar Jahre früher das Biebricher Höfefest, für das einmal im Jahr die Innenhöfe der früheren Kleinstadt geöffnet und mit Kultur gefüllt werden. Doch einen ganzjährigen Bezugspunkt im kulturellen Bereich lieferte erst der KCB. „Und seitdem hat sich durchaus was getan“, attestiert Clemens seinem Stadtteil und seiner Kulturarbeit. Die vergleichsweise günstigen Mieten tragen zudem dazu bei, dass sich auch immer mehr Studenten im multikulturellen Biebrich niederlassen. Dabei sind es neben Mietpreisen und Bewohnern aus aller Welt auch der riesige Schlosspark und die Nähe zum Rhein, die Biebrich reizvoll machen.

 

Doch das haben mittlerweile auch zahlungskräftigere Schichten gemerkt, die nun ebenfalls verstärkt in den Stadtteil drängen. So musste kürzlich der alte Zollspeicher schließen, der in den letzten Jahren zahlreichen Künstlern eine Heimat geboten hatte. Ein privater Investor hat das Gebäude gekauft und will es zu (vermutlich hochpreisigen) Wohnungen umbauen. Einen Raum für Ausstellungen soll es zwar auch weiterhin darin geben – doch Theater und Musik sind in dem alten Gemäuer dann wohl passé.

 

Doch davon einmal abgesehen scheint die Stadt Wiesbaden Biebrich durchaus auch kulturell zu fördern. Würkner spricht von einer guten Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt, welches den KCB auch schon mal finanziell unter die Arme gegriffen hat. Ein weiteres – mittlerweile von der Caritas betriebenes – städtisches Projekt ist das Stadtteilbüro „BauHof“, das im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Stadt“ als Treffpunkt für die Bewohner des Quartiers eingerichtet wurde. Das Konzept ging auf: Heute findet sich im alten Bauhof von der Kinderkulturarbeit über eine Quartiersküche bis hin zu Integrationsprojekten viel Gutes. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch das dort angesiedelte Ausstellungsprojekt „Kunstsplitter“, das es jungen Leuten ermöglicht, ihre Werke auszustellen, und ihnen somit kreativen Freiraum und künstlerischen Austausch bietet. Von einer richtigen Biebricher Kulturszene zu sprechen, ist zwar auch Würkner zufolge wohl noch etwas zu viel gesagt – doch ganz eindeutig regt sich die Kultur zwischen Wiesbaden und Mainz.

 

Und als ob sie es allen beweisen wollten, haben Würkner, Gramenz und Oschatz in ihrem sechsten Jahr nun satte 27 Veranstaltungen für den Rest des Jahres eingeplant. Den Startschuss liefert dabei die „Open Air Rock Night“, die kernig und kraftvoll im Hof der alten Rheingaukaserne die Ambitionen eines Stadtteils in die Stadtzentren hinausposaunt.

 

 

Autor: 
Fabian Scheuermann
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