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Kinder, kommt kochen!

Malte Evers ist Lehramtsstudent und Koch, aber vor allem Menschenkenner. So lädt der 26-jährige Wiesbadener für die Vorstellung seiner Kochbücher in die WG einer Freundin ein.

 

Wer kann schon gutem Essen widerstehen und sich davon nicht die Sinne betören lassen? Niemand, wenn man Malte glaubt, vor allem Studenten nicht.

 

Rezepte von banal bis einfach

Die Ausrichtung des Kochbuchs „Lass doch mal kochen!“ speziell auf Studenten baut auf der Idee auf, dass Studenten zwar „sehr gerne und hochwertig essen“, sie sich aber, laut Malte, ihre Speisen nicht selbst zubereiten. Das Buch soll hier Abhilfe schaffen: Mit klassischen Rezepten, sehr groben Mengenangaben und variablen Zutaten wie Gemüse nach eigenem Geschmack für Wraps und Suppen, könne der Leser Kochprozesse verinnerlichen und dann abwandeln. Es sei ein bewusster Gegenentwurf zu vielen erhältlichen Kochbüchern, deren Rezepte grammgenaue Mengen fordern und mit mehr Aufwand zu kochen seien. „Nach Rezepten zu kochen, ist wie Malen nach Zahlen. Total doof.“ Malte lässt den Leser die ersten Striche auf weißer Leinwand nach Vorlage des Buches durchführen, Abweichungen sind willkommen.

 

Er will beweisen, dass seine Rezepte wirklich in jeder Küche zuzubereiten sind: Daher kocht er am Herd einer Freundin. „Zur Sicherheit“ hat Malte aber trotzdem eine große Messertasche und seinen Pürierstab mitgebracht. Auf Wunsch der Gast-WG kocht er ein Drei-Gänge-Menü bestehend aus Currysuppe mit Kokosmilch, Wraps und Roter Grütze. Alle Rezeptesind seinem Buch entnommen. Dass sie gelingen und gut schmecken, kann man von jemandem auch erwarten, der in der Küche des Maritim Hotels in Frankfurt zum Koch ausgebildet wurde und neben dem Studium weiterhin in Teilzeit in diversen Küchen arbeitet. Einfach sind die Rezepte auch: Wenn man nach Maltes groben Vorgaben einkauft, findet man die Zutaten in jedem Supermarkt. Manche der Rezepte sind sogar banal: Die Frühstückssektion besteht zu siebzig Prozent aus Rezepten für Eier, darunter Spiegelei, Rührei und gekochtes Ei. Malte übernahm diese Rezepte „der Vollständigkeit halber“ in das Buch, aber auch, weil sie vielfältig verwendbar seien. Tatsächlich schlägt Malte am Ende fast immer weitere Verwertungsmöglichkeiten vor.

 

Auswahlkriterium: spektakuläre Tiertode
Sein zweites Buch, das „Kochbuch des Todes“, ist hierzu der komplette Gegenentwurf. Hier werden konkrete Mengenangaben genannt und teilweise exotische Zutaten gefordert. Daraus ergeben sich Gerichte wie „in Buttermilch pochierter Lachs mit Erbsen-Minz-Püree und gebackenen Karto elscheiben“. Eier kommen in dem Rezept nicht vor. Wirklich interessant an Maltes zweitem Buch ist, dass es in Kollaboration mit Joscha Sauer, dem Zeichner der „Nichtlustig“-Cartoons, entstanden ist. Sauer fragte via Twitter nach Tipps zum Einkochen von Bolognese, Evers gab ihm welche. Sauer wollte anscheinend schon länger ein Kochbuch für „Nichtlustig“ machen. Also fragte er Evers, Evers wollte. Er steuerte die Rezepte für das Kochbuch bei, allerdings nicht ohne Vorgaben vom Zeichner: „Wir suchten witzige Tiere, die wir töten können.“ Natürlich nur auf dem Papier: Jedes Rezept wird von einem Cartoon des verwendeten Fleisches oder Fischs eingeleitet.

 

Wie es für Malte genau weitergeht, scheint ungewiss. Zum ersten Buch richtet er gerade ein Blog ein, auf dem regelmäßig neue Rezepte angeboten werden, weil ihm das Buch zu statisch sei. Weiteres Material für neue Bücher sprudelt aus Malte nur so heraus – so erwähnt er etwa ein Kochbuch mit Tipps für erotisches Essen vom Körper des Partners. Aber auch der Beruf des Lehrers scheint wie für ihn gescha en: Malte erklärt gern, lobt, nimmt seine Zuhörer für voll und schafft es, sich und andere für die verschiedensten Dinge zu begeistern. Wie er sich auch in seiner Karriere entscheidet: In jedem Fall braucht er Eier.

Autor: 
Maximilian Kloes
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Es wird angerichtet. Wraps zur Hauptspeise.
Mit seinen Kochbüchern möchte Malte Evers für das Kochen begeistern. Sein Mantra: Jeder k
Mit seinen Kochbüchern möchte Malte Evers für das Kochen begeistern. Sein Mantra: Jeder k