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Kleider machen Kunst

Sandra Heinz ist die neue Stadtdruckerin der Stadt Mainz und wird ab Oktober 2012 mit einer Einzelausstellung im Gutenberg-Museum zu sehen sein. Im Interview verrät die Künstlerin mehr über ihre ganz spezielle Vorliebe für Klamotten.

 

STUZ: Sie arbeiten mit alltäglichen Materialien wie alten Zeitungen oder getragenen Kleidungsstücken. Wie sind Sie auf diese Art von Material gekommen und was wollen Sie mit Ihren Werken ausdrücken?

Sandra Heinz: Zuerst habe ich mich mit dem Scannen von Kleidungsstücken beschäftigt. In meiner „Kleidersammlung“ habe ich Bilder auf einem zeitgenössischen Drucker, also einem Scanner, hergestellt. Ich war begeistert von der Stofflichkeit, die die Drucke aufgewiesen haben. Und von der damit verbundenen Wirkung. Irgendwann habe ich dann angefangen, die getragenen Kleidungsstücke selbst als Druckobjekt zu verwenden.

 

Als Ausstellerin sind Sie viel auf Reisen, New York, Paris, Mexiko oder Australien. Lassen Sie sich denn auch von der fremden Kultur eines Landes inspirieren?

Ja, natürlich. Jedes Land hat eigene Textilien und spezifische Farben. In Lateinamerika finde ich zum Beispiel die Stickereien toll. Es ist pure Handarbeit, und eine genähte Linie sieht quasi aus wie ein Bild. Und in Asien fasziniert mich die ästhetische Anordnung der Opfergaben.

 

Wie gehen Sie beim Drucken und Konservieren von Kleidungsstücken vor? Und wie lange dauert es, bis ein Bild vollendet ist?

Es ist ein steter Entwicklungsprozess. Ein Bild fällt ja nicht einfach vom Himmel. Die Druckvorbereitung nimmt tatsächlich einige Zeit in Anspruch, zum Beispiel müssen die Unterlagen eine bestimmte Feuchtigkeit haben. Sobald das Kleidungsstück allerdings eingefärbt ist, muss das Drucken sehr schnell gehen. Wenn die Farbe angetrocknet ist, dann geht die spezifische Stofflichkeit verloren.

 

In Ihrer Installation „Stille ist lauter als jeder Schrei“ arbeiteten Sie mit den Aufzeichnungen der italienischen Korrespondentin Guiliana Sgrena, die bezeichnenderweise für die ZEIT von ihren Erlebnissen im Irak-Krieg spricht. Wie kamen Sie auf die Idee, mit diesem emotionalen und schonungslos offenen Kriegsbericht zu arbeiten?

Ein Bekannter organisiert überregionale Kunstaktionen. Für eine Installation hat er ein ursprüngliches Munitionsdepot der Amerikaner ausgesucht. Ich wollte etwas mit Berichterstattung machen und der Raum hat mich zusätzlich inspiriert. Der Bericht von Guiliana Sgrena hat mich sehr berührt. Sie hat nicht die Fakten beschrieben, sondern sich auf die Menschen im Krieg konzentriert.

 

Sie haben eine Affinität für das Arbeiten in Serie, zum Beispiel haben Sie die Zeitungen eines ganzen Jahres archiviert. Was ist für Sie das Besondere an einer Serie?

Ich möchte mit jedem Druck ein neues Bild schaffen, die Materialität und Stofflichkeit eines Objektes ausreizen. Nachdem ich einige Bilder angefertigt habe, ordne ich sie an. Dabei geht es immer um die Frage: Was will ich aussagen?

 

Sie haben Bildende Kunst und Theologie studiert. Welche Bedeutung hat Religion für Ihre Kunst?

Wahrscheinlich die Frage nach der Existenz. Auch die Theologie ruft Emotionen hervor, die man selten in Worte fassen kann. Und genau diese überwältigende Sprachlosigkeit vermag auch die Kunst auszulösen. Die getragenen Kleidungsstücke sind immer Erinnerungen an persönliche Ereignisse. Mit Reliquien aus der Religion vergleichbar. Beides bewahrt einen Moment, ein Gefühl. Außerdem kann ich meine Kunst nicht von dem trennen, was mich interessiert. Ich nehme religiöse Phänomene deutlich wahr und lasse mich inspirieren.

 

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Autor: 
Laura Brechmann
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Sandra Heinz, Foto: privat
Foto: privat
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