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Koons kunterbunte Kunst

Was passiert, wenn man eine pinkfarbene Luftballonfigur in eine antike Skulpturensammlung stellt? Die Kunstwelt überschlägt sich; einerseits vor Begeisterung über die gelungene Präsentation des Werks, andererseits ob der Neuartigkeit dieser Figur.

 

Der Koons-Sommer in Frankfurt, ausgerufen von der Schirn Kunsthalle und dem Liebieghaus, präsentiert in einer zweiteiligen Schau 45 Gemälde und 44 Skulpturen des New Yorker Künstlers Jeff Koons; darunter auch sechs bisher unveröffentlichte, wie die pinke Balloon Venus. In der bisher größten Koons-Schau werden in der Schirn großformatige, poppig bunte Gemälde in den weitläufigen Räumen des Dachgeschosses gezeigt. Die fotorealistischen Motive reichen von Popeye, Hulk, einem aufblasbaren Hummer und dem berühmten Herz aus Geschenkpapierfolie hin zu Pin-up-Girls, die in der Antiquity-Serie mit Skulpturen aus der Antike kombiniert werden. Auf „Antiquity 3“ reitet ein Pin-up-Girl in Unterwäsche auf einem Plastik-Delfin. Im Hintergrund buhlen drei antike Göttinnenstatuen mit ihr um die Schönheit.

 

Auf der anderen Mainseite am Museumsufer finden Koons teils glänzend-metallische Skulpturen Unterschlupf zwischen antiken Göttern und Mumiensarkophagen. Die ständige Sammlung des Liebighauses umfasst 5000 Jahre Geschichte und wurde für die Ausstellung nicht verändert. Koons Plastiken wurde in die Sammlung integriert. Keines der Objekte musste Platz machen. „Wir nehmen ihn in uns auf und umstellen ihn mit den großen Werken der Skulpturenkunst“, erklärt Vinzenz Brinkmann, Kurator der Ausstellung im Liebieghaus. Die Aura der antiken Werke ist zu spüren. Gekonnt inszeniert treten die geschichtsträchtigen Werke mit den modernen Skulpturen in Dialog. Die Kombination ist zwar gewagt, ruft im Besucher aber eine Auseinandersetzung mit der Kunst hervor. Und genau das ist es, was Jeff Koons erreichen will. Er stellt den Betrachter in den Vordergrund und will das seine Kunst, Gefühle auslöst. „Ich möchte Kunst entwerfen, die den Betrachter berührt“ meint er. Die Kunst läge in jedem Menschen selbst. Sie müssten nur auf ihre Gefühle hören, den Moment genießen und in den Dialog mit den Kunstwerken treten. Die Objekte seien nur Transponder, die dieses Gefühl vermitteln. Die Kunst als Kommunikation mit der Gesellschaft funktioniert perfekt. So sitzt zum Beispiel eine Plastik von Michael Jackson im goldenen Anzug mit Affen in Mitten von ägyptischen Pharaonen. Die pinke Ballon Venus findet sich umringt von glänzend weißen antiken Schönheiten. Zu Füßen einer mittelalterlichen Marienstatue liegt ein überdimensional großer Pudel. Und im Turmzimmer hängen drei Plastikenten in einer Reifenschaukel.

 

Das Werk von Jeff Koons ist bunt und vielfältig. Einige seiner Metallskulpturen lässt der New Yorker Künstler in einer Edelstahlwerkstatt in Friedrichsdorf nahe Frankfurt fertigen. Daher besucht er schon seit einigen Jahren die Museen in Frankfurt und zeigt sich begeistert. Bei der Pressekonferenz schwärmt der Künstler von der Stadt am Main und ihren Museen.

 

Zwei Jahren haben die Vorbereitungen für die Ausstellung gedauert und nun machen sich Museumsdirektor Max Hollein und sein Team auf einen Besucheransturm aus der ganzen Welt gefasst. Für die Ausstellung wurden Container vor dem Liebighaus aufgestellt, in denen die Besucher ihre Eintrittskarten und Audio Guides erhalten. Und zweimal die Woche sind die Ausstellungshäuser bis 22 Uhr geöffnet.

 

 

Jeff Koons. The Painter & The Sculptor

bis 23. September

Schirn Kunsthalle und Liebieghaus Skulpturensammlung Frankfurt

Di, Fr–So 10–19 Uhr, Mi und Do 10–22 Uhr

Kombiticket 14 Euro, ermäßigt 12 Euro

 

 

Fotos: Hanna Belz

 

Autor: 
Hanna Belz
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