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STUZ Clubnacht im Mai
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Kreativität und Chaos

Zwischen illegalen Downloads und käuflicher Musik im Internet gibt es einen Mittelweg: Netlabels bieten kostenlos ihre Tracks auf eigenen Portalen an und werden damit zur Alternative in der Datenwelt.

 

Düster wummert der Bass, und unter dem Zucken des Stroboskops erbebt die Tanzfläche. Dark Industrial ist zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache, und deswegen legt man auch wieder mal Ska auf den virtuellen Plattenteller. Diese ungewöhnliche Setlist ist Teil der freien Musikparty „Creative Chaos", die mittlerweile schon dreimal im Schlachthof Wiesbaden stattfand. Veranstalter dieser Reihe ist der „Chaos Computer Club Mainz e.V.". Hier gilt: kopieren erwünscht. Und Piraterie ist kein Schimpfwort, sondern Teil des Konzepts. Die Musik kommt von sogenannten Netlabels, die sich immer mehr als Gegenkultur zum kommerzialisierten Musikbusiness etablieren. Die Macher der bei Netlabels produzierten GEMA-freien - und damit auch kostenlosen - Musik leben von anderen Tätigkeiten. Netlabels entstanden aus der Tracker-Szene, in den Ursprüngen des modernen Techno zu Beginn der Neunziger Jahre.

 

Gratis und frei

 

Man probierte neue Vertriebsmöglichkeiten als Alternative zu herkömmlichen Strukturen. Netlabel sind meist gratis, im Gegensatz zu kostenpflichtigen Portalen und Downloadshops wie i-Tunes. Sie haben Namen wie 8bitpeoples, Thinner, PulsarRecords oder Subsource. Die Protagonisten befassen sich meist mit elektronischer Musik. Doch auch alle anderen Sparten sind vertreten. Und sie werden immer mehr. Entwickelte sich zuerst „Masse statt Klasse", wie der Blogger Moritz Sauer 2003 kritisierte, hält mittlerweile auch Qualitätsdenken Einzug in diesem Bereich. Rankings und Beliebtheitscharts werden immer gängiger. Lange Zeit waren Netlabels reine Liebhaberprojekte. So kamen oft mal die Servermiete und Traffickosten rein. Das hat sich geändert. Die Musik ist meistens zwar immer noch gratis, doch Geld wird offline verdient. Und Partys wie das Wiesbadener „Creative Chaos" helfen dabei.

 

GEMA überflüssig in der Clubszene

 

„Wir brauchen die GEMA nicht, denn MTV ignoriert unsere Musik eh!", so Jay Haze, der Inhaber und Gründer des Netlabels Textone. Haze vertreibt elektronische Beats, teilweise auch gegen Gebühr: Clubmusik, die meist nur auf Partys und in Technotempeln auf ihre Hörerschaft trifft. Wenn Kosten für den Konsumenten anfallen, dann lediglich 10 Cent pro Track. „Royalty free", also „lizenzfrei gegen eine geringe einmalige Gebühr" wie bei billigen Bildagenturen. Niemand der Netlabelbetreiber ist mehr bereit, seine Infrastruktur wie Serverhosting und Betreuung aus eigener Tasche zu sponsern. Doch Gewinnstreben wie bei Majorlabels ist den Enthusiasten fremd. Die Szenelabel des Netzes fördern Stars der Szene, in dem die Musik viral wie ein beliebter Youtubelink verbreitet wird. „Tantiemen werden offline gezahlt, denn die DJs legen ja nicht gratis auf. Die Aufführungsgebühr zahlt bei Open-Source-Veranstaltungen der Getränkekonsument. Wir sind Multiplikatoren, wir machen Szene-Musiker bekannt", so Haze. Aus diesem Grund wird PR großgeschrieben. Netlabel wie Thinner verschicken mittlerweile auch Promo-CDs an Zeitschriften wie die STUZ. Haze: „Wir möchten auch unsere Miete zahlen können, am liebsten mit unserer Musik." Die soll allerdings weiterhin gemeinfrei bleiben. Und so lebt und wächst die Gemeinde stetig weiter: PayPal-Spenden und Partys wie dem „Creative Chaos" sei Dank.

Autor: 
Michael Bernartz
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