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Kunst in der Gasse

Verträumt versteckt im Bahnhofsviertel hat die studentische Kunstausstellung „ruelle“ ihre Pforten geöffnet und lädt Künstler und Kunstinteressierte zu abwechslungsreichen Ausstellungen ein.

 

La ruelle – „das Sträßchen“ oder „die Gasse“ war im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts, als man nur mit gepuderter Perücke und todschickem Fake-Leberfleckchen in die feinsten Kunstsalons einkehren durfte, außerdem auch eine gängige Bezeichnung für kleinere Zusammenkünfte von Kunstfreunden abseits der Salons in halbprivaten Zwischenräumen („ruelle“), wo über Kunst diskutiert wurde. Im Mainz des 21. Jahrhunderts warten vier Studentinnen der Kunsthochschule Mainz mit einem selbst-initiierten Ausstellungsprojekt auf und hauchen so der „ruelle“ neues Leben ein: Die ruelle ist ein Ausstellungsraum für studentische Kunst und seit April ein Hotspot für junge, zeitgenössische Kunst in Mainz. Die Räumlichkeiten am Kaiser-Wilhelm-Ring 38 werden zum einen für Ausstellungen der ruelle genutzt und sollen außerdem weiteren jungen Künstlern die Möglichkeit geben, ihre Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren und sich mit anderen Kunstinteressierten auch überregional auszutauschen.

 

Von allem etwas

Zeitgenössisch und jung haben sich die vier Initiatorinnen der ruelle auf die Fahne geschrieben – und dabei von allem etwas: Egal ob abstrakte Malerei, interessante Installationen, klirrende Geräuscheffekte oder moderne Musikperformances, jede Art von Kunst ist hier willkommen. Ruelle soll ein Ort sein „wo Studierende und junge Künstler ihre Arbeit ausstellen und Kontakte knüpfen können“, so Julia Carolin Kothe, eine der Initiatorinnen. Um eine Ausstellung wie aktuell HOME STAGING zusammenzustellen legen Kothe und ihre drei Kolleginnen zunächst ein allgemeines Thema fest, um dann „Arbeiten von Künstlern rauszusuchen, die sich im weitesten Sinne mit der Thematik auseinandersetzen“. Die Aussteller sind dabei entweder Personen, die noch im Studium sind oder jene, die es gerade abgeschlossen haben und nach Kontakten in der Kunstbranche suchen. Das Thema der ersten Ausstellung lautet HOME STAGING – ein Begriff aus der Innenarchitektur, der eine Wohnkulisse bezeichnet. Beim home staging werden Räumlichkeiten, die zum Verkauf angeboten werden kulissenartig eingerichtet, damit der potenzielle Käufer sich eine bessere Vorstellung vom Raum machen und ein „Raumgefühl“ entwickeln kann. „Wir dachten, wir drehen den Begriff um und füllen den Raum mit Arbeiten von Studierenden aus“ erläutert Kothe zur ersten Ausstellung im Projektraum. Die Aussteller haben entweder mit „Wohnmaterial“ (wie zum Beispiel einer zerschmetterten Badezimmer-Einrichtung) gearbeitet oder allgemein das Thema „Wohnen“ künstlerisch umgesetzt und abgebildet.

 

Verein ruelle e. V.

Hinter dem ehrgeizigen Ausstellungsprojekt steht der von Julia Kothe und ihren Mitstreiterinnen gegründete Verein ruelle e. V. Bei dem gemeinnützigen Verein kann jeder über 14 Jahren gegen eine geringe Mitgliedsgebühr Vereinsmitglied werden und so die ruelle unterstützen und die Mainzer Kunstlandschaft mitprägen. Außerdem: Wenn das Portemonnaie mal wieder so schwer voll Geld ist, dass es einem fast die feierlichen Beinkleider herniederreißt, bietet ruelle auch dafür eine elegante und kultivierte Lösung: Neben der finanziellen Förderung durch das Gutenberg Lehrkolleg der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist der Verein für die Realisierung auf Spendengelder angewiesen.

 

 

Info

Puderperücke aufgesetzt, Leberfleckchen angeklebt und los geht’s: Wer der aktuellen Ausstellung HOME STAGING einen Besuch abstatten möchte kann das bis zum 10. Mai tun, der Eintritt ist frei. Weitere Infos zur ruelle, dem Verein und der aktuellen Ausstellung unter www.ruelle-raum.de.

Autor: 
Christina Löchteken
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