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Legalisieren oder nicht, das ist hier die Frage

Wir trinken, wir rauchen, wir kiffen. Was für den einen eine Klimax ist, ist für den anderen eine bloße Aufzählung von den Dingen, die er am Wochenende tut. Im Gespräch mit Michael Weigelt.

 

Es scheint, dass die Drogen, für die geworben wird, anerkannt und glorifiziert werden, sogar als Kulturgut gelten, wohingegen alle anderen, nicht im alltäglichen Leben angepriesenen Gefühlsaufheller zum Feindbild der breiten Masse mutieren. Diese Feindseligkeit hat Michael Weigelt, der die Konsequenzen des illegalen Verkaufs von Drogen verantworten musste, zu spüren bekommen – und nun literarisch in seiner Autobiografie „Jamaika Mike“ aufgearbeitet.
Ruhig sitzt er da auf dem Stuhl in einem Mainzer Café und erzählt seine Geschichte. Seine Augen strahlen Reife gepaart mit kindlichem Lebensvergnügen aus. Michael Weigelt ist ein offener und sympathischer Mensch. Ob es ihn nicht nerve, dieselbe Geschichte zum wiederholten Male herunterzubeten? „Im Gegenteil“, lächelt er.
Weigelt schildert, wie in seinem Buch auch, dass er sich den gewünschten Lebensstandard auf seiner Trauminsel Jamaika durch Jobs im Tourismusbereich nicht leisten  konnte. War die Verwicklung in Drogengeschäfte also pure Geldgier? „Ich wäre lieber gestorben, als nach einem Monat wieder in die Heimat zurückzukehren. Dazu bin ich zu stolz. Am Anfang hieß es ja nur ‚ein Deal‘, ich war naiv und blauäugig und der  Meinung, dass ich jederzeit wieder unbemerkt raus kann“, rechtfertigt sich Weigelt. Nachdem das BKA nach ihm gefahndet und ihn schließlich gefunden hatte, verbrachte er vier Jahre im Gefängnis und verfasste sein Buch. „Im Kopf war ich in Jamaika, ich habe mir die Zeit dort bildlich vorgestellt.“ Die Strafe hält er für gerechtfertigt. Er sieht ein, dass er gegen ein Gesetz verstoßen hat, ob er dieses gut findet, ist eine andere Frage.

 

Aufklärung muss her
Heute kämpft Weigelt für die Legalisierung sämtlicher Drogen. Wie kommt das? „Dass es nicht legalisiert wird, ist ein politisches Problem. Die Leute stecken alle Drogen in eine Schublade und sehen keinen Unterschied zwischen Gras und Kokain. Durch die fehlende Konfrontation fehlt das Bewusstsein dafür. Was ist denn dabei, mal Einen zu rauchen, wem tut das denn weh?“ Aufklärung müsste also her. Nur, wie soll die aussehen? „Derjenige, der Drogen konsumieren will, geht zu einer Beratungsstelle, die der Person die Herstellung der Droge, den Einfluss auf den Körper bei der Einnahme und alle Nebenwirkungen erklärt. Wenn sie danach immer noch der Meinung ist, dass es gut ist, diese Droge zu nehmen, wird eine Art Rezept ausgestellt.“ Weigelt geht davon aus, dass, wenn alle Drogen legalisiert würden, trotzdem nicht jeder in die Apotheke rennen würde, um sich das Zeug zu besorgen. „Alkohol kann man auch überall kaufen, deswegen trinken sich nicht alle zu Tode“, sagt er.

 

Ganja, Koks und Karibikträume ...
Es ist allgemein bekannt, dass Verbotenes reizvoll ist. In Michael Weigelts Worten ist es ein „Kampf gegen Windmühlen“, sich gegen dieses Verbot stark zu machen. Wäre es nicht vernünftiger, vielmehr die Ursache zu bekämpfen, die Menschen dazu antreibt, Drogen zu nehmen? „Die Frage ist, wo man anfängt. Man sollte Drogen einfach legalisieren.“ Es mache ihn wütend, dass jemand für ihn entscheidet, was falsch und was richtig ist. Paradox. Wer sich mit dieser Thematik beschäftigt hat, fühlt sich an den walisischen, durch seine Verfilmung als „Mr. Nice“ bekannt gewordenen Howard Marks erinnert, der eine recht ähnliche Lebensgeschichte hat und für Weigelt eine „Vorbildfunktion“ verkörpert. Marks schrieb auch das Vorwort für Weigelts Buch. Doch was bietet sein Werk nun anderes als die zig Filme und literarischen Werke, die es zum Thema schon gibt? „Es geht ja nicht nur um Ganja, Koks und Karibikträume. Das Land Jamaika und die Menschen dort liegen mir am Herzen, ich will über die guten und schlechten Seiten dort berichten.“ Obwohl Hanf auf Jamaika auch nicht legal ist, kifft man dort, wie man in Deutschland Bier trinkt. „Wie viele Leute sind denn an legalem Alkohol und Tabak gestorben? Vom Kiffen stirbt niemand. Die Konsumenten werden in eine Ecke gedrängt und behandelt, als ob sie die größten Verbrecher der Welt sind!“, echauffiert sich der Autor. Unrecht hat er damit nicht. Vielleicht ist es Zeit, umzudenken. Ob sich das Blatt allerdings gleich um 180 Grad wenden muss, sei dahingestellt.

Autor: 
Lisa Maucher
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