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Literarisches Experiment

„Wir sind drin und draußen ist die Welt“ – Unter diesem Motto findet im März die dritte Textbühne statt, die Nachwuchsautoren eine Plattform bietet.

 

„Mit dem Selbstverständnis ist das immer so ein Problem. Wenn man sagt, ich spiel Fußball oder ich bin bei der Freiwilligen Feuerwehr, kann sich jeder etwas darunter vorstellen“, erklärt Robin Baller. „Wenn man aber sagt, ich schreibe, das ist schwierig.“ Deshalb, findet Baller, der gerade sein Studium in Germanistik,
Psychologie und Publizistik an der Uni Mainz beendet hat, sei ein Rahmen wichtig, in dem man sich als Autor mit Gleichgesinnten austauschen könne. Diesen wollen er und seine Mitstreiter Christian Simon und Emil Fadel Nachwuchsschreibern mit der Textbühne Mainz bieten.

„Sich mit anderen zu vernetzen, die die gleichen Hirngespinste zu Papier bringen“, helfe sich selbst zu definieren. Deshalb sieht das Konzept der Textbühne vor, dass sich die Autoren, die nachher ihre Werke vor Publikum präsentieren, zunächst mit den drei Organisatoren zusammensetzen. Dann lernt man sich und die Texte kennen, tauscht sich aus, arbeitet am Feinschliff und stimmt sich mit den für die Veranstaltung geplanten Musikacts ab – man entwickelt also eine gewisse Dramaturgie für den Abend. „Recht schnell war uns klar, dass wir nicht diesem Poetry-Slam-Gedanken folgen wollen.“ Die Darbietungen werden also nicht durch das Publikum bewertet. Die Diskussion der Texte findet vorab während der Planungsphase statt.

Anfang 2013 war es, als Baller und Simon, die sich über die Arbeit in einer Mainzer Buchhandlung kennen lernten, beide selbst schreiben und ihre Arbeiten bereits im kleinen Kreis diskutierten, die Ideen hatten, so etwas auf eine Bühne zu bringen. „Wir sind das vor allem als Experiment angegangen“, erzählt Baller. Es musste eine Homepage her, über Flyer und Facebook wurde nach Autoren gesucht, die mitwirken wollten. „Wir waren gespannt, ob sich überhaupt jemand meldet“, schmunzelt der 26-Jährige.

Es fanden sich einige Interessierte. Ganze zwanzig für die erste Veranstaltung. Unter ihnen auch Fadel (Germanistik- und Filmwissenschaftsstudent), dem das Projekt so gut gefiel, dass er sich dem Organisationsteam anschloss. Die drei befinden sich im steten Austausch; jeder hat seinen Aufgabenbereich. Simon, der inzwischen eine Buchhandlung in Böblingen leitet, kümmert sich beispielsweise hauptsächlich um die Autorenvorstellungen auf der Webseite, ist dann aber auch am Tag der Veranstaltung vor Ort.

Für junge Bands gebe es eine Fülle von „Auslebeformaten“, meint Baller. So zum Beispiel in Form von Contests. Für junge Schreibende fehle es an solchen Angeboten. „Wenn mich mit 17 jemand so aufgenommen und ich die Möglichkeit gehabt hätte, mich mit anderen so auszutauschen, hätte mir das vielleicht auch sehr geholfen“, überlegt der Autor, der letztes Jahr den Martha-Saalfeld-Förderpreis (wird im Rahmen der Literaturförderung des Landes Rheinland-Pfalz jährlich an vier Autoren vergeben) für einen zwölfseitigen Auszug aus einem seiner Romanprojekte gewann. „Das hat mir extrem geholfen zu sagen, ich schreibe, das ist mein Hobby und ich lege da all meine Energie und Kraft rein.“

Als Organisatoren wollen er und seine Kollegen allerdings momentan nicht selbst bei der Textbühne auftreten. Was die potentiellen Teilnehmer betrifft, sagt Baller: „Wir wollen ein offenes Forum sein.“ Jeder noch nicht etablierte Schreiber kann sich mit seinen Arbeiten für die Textbühne bewerben. Bis jetzt waren geschätzt achtzig Prozent der Teilnehmer Studenten, aber gleich beim ersten Mal war mit Kerstin Czerner auch eine 17-jährige Schülerin mit an Bord. In Zukunft wollen Baller, Simon und Fadel den Fokus noch mehr auf den ganz jungen Nachwuchs legen. „Es ist eine Idee, dass wir sozusagen einen Startplatz für einen Schüler freihalten.“

Und Baller? Der beendet gerade den Roman, für dessen Ausschnitt er besagten Förderpreis gewonnen hat. „Wichtiger als das Preisgeld waren die Anerkennung und der Auftrieb, den mir das gegeben hat. Weil ich nicht wirklich wusste: Ist das tragfähig für einen Roman? Durch den Preis hab ich mich wieder drangesetzt. Jetzt ist mein Ziel, einen Verlag zu finden.“

 

Die dritte Textbühne findet statt im Kulturcafé, Campus Uni Mainz am 11. März, 20 Uhr.
 

Autor: 
Frederike Münd
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