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Mainz hat Potential

Ihr erster gemeinsamer Film war der filmische Modellversuch im Studium der Filmwissenschaften. Heute nennen sie eine Produktionsfirma ihr Eigen.

 

Es ist Dienstagabend 20 Uhr. Michael Schwarz und Alexander Griesser sitzen zusammen mit ihrem Cutter Michèl Hammann im Schnittraum des Mainzer Medienzentrums und diskutieren über ihr neues gemeinsames Filmprojekt, einen Dokumentarfilm über das kleine Städtchen Kursdorf in Sachsen, das von dem Flughafen auf der einen Seite, der Autobahn und einer ICE-Strecke auf der anderen Seite eingepfercht wird. Alex und Michael haben sich während ihres Studiums der Filmwissenschaften an der Uni Mainz kennengelernt. 2007 noch während ihres Studiums haben die beiden eine eigene Film- und Fernsehproduktionsfirma gegründet: Nachtschwärmerfilm. Spezialisiert haben die beiden sich auf Dokumentarfilme. Zur Zeit arbeitet Alex als freier Kameramann und Michael beendet sein Diplom an der Filmklasse der Kunsthochschule Mainz. Das aktuelle Projekt ist Michaels Diplomfilm.
Für Mainz als Sitz ihrer kleinen Firma haben sich die beiden entschieden, weil sie sich hier wohlfühlen und ihre Freunde um sich haben. Alex sieht das ganz pragmatisch. „Es ist eigentlich egal, wo man sitzt. Wichtig sind die guten Ideen!“ Außerdem finden beide: „Mainz hat Potential!“

So eine eigene Firma trägt sich aber nicht von selbst. Die beiden haben Nebenjobs in der Filmbranche, um sich zu finanzieren. „Wir sehen das als langfristige Investition“, erklärt Alex. Noch verdienen sie mit ihren Filmen nicht viel. Die Aufmerksamkeit der Branche ist ihnen aber schon gewiss. Die bisherigen Filme, wie Advent, Der König der Statisten oder Dolce Vita liefen auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals und wurden von der Deutschen Film- und Medienbewertung mit Prädikaten ausgezeichnet.

Für die Produktion der Filme bekommen sie Unterstützung von verschiedenen Förderungen. Michael ist etwas enttäuscht: „Das Land Rheinland-Pfalz vergibt leider keine Fördergelder an junge Filmemacher.“ Daher bekommen sie Unterstützung von verschiedenen Förderungen, unter anderem auch von der Nachwuchsförderung für Film und Neue Medien Rheinland-Pfalz. Hier muss ein schriftlicher Antrag eingereicht werden, der in einem Exposé den Inhalt des Filmes und das gesamte Projekt vorstellt. Drei Gremiumsmitglieder entscheiden dann welche Förderungssumme vergeben wird. „Man muss auch immer einen Eigenbeitrag mit einrechnen“, erklärt Michael.

Für ihr neues Projekt wurden Michael und Alexander auch von der FFA, der deutschen Filmförderungsanstalt, unterstützt. In der Regel erhält man fünfzig Prozent einer solchen Förderung vor Beginn des Drehs, einen Teil während des laufenden Projektes und den Rest erst nachdem der Film fertig ist. Für den Dreh müssen Alex und Michael also einen Teil des Geldes vorstrecken. Für ihr aktuelles Projekt sind sie nach Kursdorf gereist und haben dort vierzehn Tage im einzigen Hotel des Ortes gelebt und jeden Tag mit möglichen Protagonisten für ihren Film verbracht.

 

Wie läuft so ein Filmprojekt ab?
Von der ersten Idee bis zum fertigen Film vergeht schon einige Zeit. Die Idee für seinen Diplomfilm hatte Michael Schwarz beim Zeitung lesen. Dann wurde erstmal viel recherchiert. Über eine Internetseite hat er Kontakt mit den Kursdorfern aufgenommen. „Es ist schwierig an die Personen heranzukommen“, meint Michael. Nach der ersten Kontaktaufnahme und einigen Treffen springen auch manchmal Protagnisten wieder ab. Michael und Alex hatten jedoch ein Erfolgserlebnis, das das Gegenteil beweist. Die einzige Frau, die im aktuellen Film mitspielt ist eine Hotelangestellte, die sich nicht so recht vor die Kamera traute. Durch ihren Aufenthalt im Hotel konnte die beiden jungen Filmemacher jedoch das Vertrauen der Frau gewinnen und sie von ihrem Film überzeugen. „Manchmal ist etwas psychologisches Einfühlungsvermögen gefragt“, lacht Michael.

Normalerweise dreht das Team zu dritt: Michael als Regisseur, Alex an der Kamera und ein externer Tonmann. Um die intime Atmosphäre in Kursdorf nicht zu zerstören, waren Alex und Michael diesmal nur zu zweit unterwegs. Für Michael eine ganz neue Erfahrung. Er musste sich um den Ton kümmern, Interviews führen, Menschen ansprechen und von dem Projekt überzeugen und als Regisseur alles koordinieren. In seinem Homeoffice in der Mainzer Neustadt verbringt Michael viel Zeit mit bürokratischer Arbeit. Anträge für Filmfestivals schreiben, Förderungsgelder beantragen, Kopien der Filme erstellen, die Homepage aktualisieren. Alex beschreibt die kleine Firma als Kreativteam. Und für die beiden ist klar, sie wollen auch in Zukunft zusammen Filme machen. Erstmal fürs Fernsehen und dann irgendwann vielleicht auch für die Kinoleinwand.

 

 

Mehr Infos: www.nachtschwaermerfilm.com

 

Autor: 
Hanna Belz
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Galerie: 
Nachtschwärmerfilm im Schnittraum. Foto: Lisa Prosoli

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