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Making Of der "Neuen Stücke aus Europa"

Vom 19. bis zum 29. Juni findet zum 12. und letzten Mal die Theaterbiennale „Neue Stücke aus Europa“ statt. Das heißt für uns: Stück aussuchen, Karte kaufen, Sitzplatz suchen und genießen. Der Vorhang öffnet sich und wir Zuschauer dürfen uns bequem auf unserem Platz sitzend in eine andere Realität versetzen lassen. Aber warum eigentlich? Wer macht es möglich, dass wir uns bei einem großen Festival wie diesem nicht entscheiden können, in welche der 23 angebotenen Produktionen wir gehen wollen? Wer steckt hinter der Planung dieses Festivals und wer hinter der Bühne? Diesen Fragen bin ich in Wiesbaden auf den Grund gegangen. Zu diesem Zweck habe ich mich mit Ann-Marie Arioli (Festivalmanagement), Katharina Greuel (Organisationsleitung) und Katharina Rahn (Mitarbeit Organisation) getroffen. Sie sind die Strippenzieher hinter diesem Spektakel.

 

Worum geht es?

„Neue Stücke aus Europa“ steht für zeitgenössische und kulturnahe Dramatik. Genauer geht es um den europäischen Austausch, was die Theaterlandschaft betrifft. Gesucht werden dafür Produktionen, die nicht älter als zwei Jahre sind und deren zentrale Themen Kultur, Politik und das Volk des jeweiligen Landes sind. Dieses Jahr lautet das Thema „Rebellisches Theater“. Es soll die Symbiose zwischen Rebellion und Theatralik darstellen. „Kunst innerhalb von Rebellion zeigt sich im Moment in der Türkei: Dort wird tanzend für die Erhaltung des Gezi-Parks demonstriert.“ Umgekehrt bedienen sich Dramatiker an aktuellen politischen Themen und machen diese zum Gegenstand ihrer Stücke. In Russland, Bulgarien, Ungarn und vielen weiteren Ländern fordert die Bevölkerung aktuell Mitsprache- und Selbstbestimmungsrecht, soziale Sicherheit und mehr. „Diese Themen soll der Zuschauer so nah wie möglich erfahren.“

 

Wie wird das umgesetzt?

Zunächst müssen natürlich Produktionen gefunden werden. Zu diesem Zweck gibt es für „Neue Stücke aus Europa“ ein Netzwerk aus 41 Paten, die als Vermittler aus ganz Europa dienen und bestens über aktuelle Themen und Produktionen ihres jeweiligen Landes informiert sind. Zu Recherchezwecken reist das Festivalmanagement quer durch Europa, um sich diese vorgeschlagenen Stücke anzusehen und zu entscheiden, ob diese mitbringen, was das Thema verlangt. Zeit und Geld spielen dabei immer eine Rolle, allerdings sind sich alle drei in einem Punkt einig: „Eine Inszenierung muss auf jeden Fall spannend und interessant sein!“. Da alle Stücke in ihrer Originalsprache aufgeführt werden und für den Zuschauer simultan ins Deutsche (bzw. bei deutschen Stücken ins Englische) übersetzt werden, muss für jede Landessprache ein Dolmetscher organisiert werden.

 

Wer macht wann was?

Insgesamt kommen 450 Künstler und Techniker der eingeladenen Kompanien während des Festivals nach Deutschland. Und das innerhalb von nur elf Tagen. Zunächst reisen Techniker und Bühnenbildner an, um sich um den Aufbau zu kümmern. „Es kann vorkommen, dass Schauspieler und Techniker dieselben sind, wie zum Beispiel bei unserer griechischen Crew“. Ein bis zwei Tage später kommen die Schauspieler nach und machen sich mit der unbekannten Bühne vertraut. Zeit zum proben haben sie vor Ort nur wenig, ebenso wie der Dolmetscher, der den Proben beiwohnt, um sich auf das Timing einzustellen.

 

Die Vorstellung

Vor einer Vorstellung gibt es eine kurze Einführung in die Thematik. „Es soll für den Zuschauer einen Bezug dem jeweiligen Land, dessen aktuellen Belangen und dem Autor hergestellt werden“. Und nach jeder Vorstellung kommt es zu einer kurzen Diskussion zwischen den Schauspielern und dem Publikum, in der Fragen gestellt werden dürfen. „Diese Diskussionsrunde wird ganz zwanglos im Festivalzelt weitergeführt, wo übrigens jeder reindarf. Dort kann es dann sein, dass sich ein ungarischer Techniker mit einem schweizer Schauspieler unterhält. Das ist sehr lustig mitanzusehen!“

 

 

 

Autor: 
Vanessa Zörrer
Ressort:
Neue Stücke
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Galerie: 
v.l.n.r.: Arioli, Rahn, Greuel