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„Man sieht, dass hier viel gearbeitet wird“

Im Februar stellten die Studenten der Kunsthochschule Mainz an einem verlängerten Wochenende ihre Werke aus. Ein Nachbericht.

 

Mögliche Förderer und Käufer, gutsituierte Bürger also, Ärzte oder Rechtsanwälte, sollten durch die jährliche Ausstellung der Kunsthochschule Mainz auf die jungen Talente aufmerksam gemacht werden. Vielleicht hat das funktioniert. Beim Bummeln durch die vielen Flure war jedoch meist studentisches und bürgerlich-mittelschichtiges Publikum anzutreffen. Gemütlich bei einer Tasse Kaffee und einer Waffel konnte sich dieses am Sonntagnachmittag in der Cafeteria der Kunsthochschule entspannen und über die zuvor gesehenen Werke austauschen. Insgesamt haben zwölf Klassen ihre Objekte zur Schau gestellt. Neben Malerei, Skulptur, Druckgrafik und Videokunst gab es auch verschiedene Installationen zu sehen. Die Basisklasse zeigte in den großen Ateliers über der Aula die ersten Versuche ihres künstlerischen Schaffens. Im Treppenaufgang zu den Ateliers wurde das Publikum von einer überdimensionalen, knall-bunten Collage empfangen, die die Jugendkultur der 90er Jahre aufgriff. Über den Keller des Gebäudes, in dem die Klassen für Bilderhauerei und Film ihre zahlreichen Objekte ausstellten, gelangten die Besucher zu den Außenräumen. Dort war unter anderem eine Installation aus Blattgold zu sehen, das sanft im Wind flatterte.

 

Medienkritik im Atelier Zukunft

Im Atelier Zukunft stellten  zum ersten Mal stellten auch die beiden Mitbegründer des Ateliers Nils Hillebrand und Vladimir Mladenov ihre eigenen Arbeiten bei der Ausstellung „Square Eyes“ aus. Ganz nach dem Motto der quadratischen Augen drehte sich bei den Video-Installationen und ausgestellten Objekten alles rund um das Thema Medien. Die Künstler kritisierten alle auf ihre eigene Weise die Beeinflussung durch die Medien.  „Wir wollen die Rolle der Medien als Verführungselement deutlich machen“, erklärte Hillebrand. Luis Ortiz‘ Filminstallation „Empty Mirror“ machte deutlich, wie leicht sich junge Erwachsene durch das Internet, den Fernseher und Videospiele beeinflussen lassen. Ein komplett ausgestatteter Raum mit Sofa, Couchtisch, Knabberzeug, Kuscheltier und Gameboy gab den Blick auf eine überdimensional große Leinwand frei. In treibendem Rhythmus wurden kurze Sequenzen gezeigt, bis schließlich eine Sogwirkung entstand, die den Betrachter förmlich in den Film zu ziehen schien. Die Installation von Max Klink zeiget auf zwei gegenüberliegenenden Bildschirmen einen Astro-TV-Sender und eine Anruferin, die in einer solchen Sendung anruft. Synchron aufeinander abgestimmt führten die beiden Bildschirme Call-in-Shows ad absurdum. Die Arbeiten von Vladimir Mladenov stellten verschiedene Berührungspunkte des Menschen mit den Medien. Ein Objekt zeigte einen Menschen, dargestellt durch einen blauen Arm, der eine Pistole auf einen Fernseher richtet. Bei einer anderen Arbeit hält der blaue Mensch eine Schlinge aus Banknoten.  Außerdem waren zwei blaue Arme zu sehen, die eine Zeitung festhielten. Diese wiederum wurde von einer Kamera observiert. Und der Clou an der Sache: Der Besucher, der sich die Installation mit der Zeitung anschaute, wurde von der Kamera aufgenommen. Das Bild wurde dann im Eingangsbereich des Ateliers ausgestrahlt, auf einem Bildschirm, der sich in einem Hasenkäfig befand. Die Installation von Nils Hillebrand nahm einen ganzen Raum ein. Eine Armee von 67 weißen Schäfchen blickte starr auf drei große Bildschirme, auf denen sich die Grashalme einer grünen Wiese sanft im Wind wiegen. Welche Medienkritik Hillebrand hier wohl übte?

 

Malerei in der Außenstelle

Im Atelier in der Boppstraße stellte die Malereiklasse von Friedemann Hahn ihre Arbeiten aus. Till Jürgens macht hauptsächlich Graffitikunst. Beim Rundgang zeigte er ein Foto seines Graffitischriftzuges „Cool“, der als Bühnenbild für das  Mainzer Staatstheater entstanden ist. Zusammen mit Simon Metzger begrüßte er die Menschen, die den Weg in die Boppstraße gefunden hatten und erklärte gerne auf Nachfrage die Entstehungsgeschichte jedes ausgestellten Kunstwerkes. Außerdem fügt er hinzu, dass für den Rundgang extra alle Wände und viele Böden weiß gestrichen wurden. Dennoch waren Farbspritzer auf dem Boden und am Waschbecken im Eingangsbereich zu sehen. Kurz darauf kam eine Dame mittleren Alters herein und verkündete, dass sie jedes Mal, wenn sie diese Ateliers betrete, ein Kribbeln in den Fingern spüre und am liebsten alles putzen würde. „Tja, man sieht halt, dass hier viel gearbeitet wird“, so Jürgens. Ein Stockwerk höher im Atelier wurde eine Strichliste geführt. Der diesjährige Rundgang war der bestbesuchteste aller Zeiten. So lautete die Prognose.

 

Bis zum 30. April können sich Interessierte noch für das
Wintersemester 2011/2012 an der Kunsthochschule Mainz
bewerben.

Mehr Infos gibt's hier.

 

Autor: 
Hanna Belz
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Galerie: 
Laternsche
Das Waschbecken
Cool
Raum für Kunst
What the...?
Blau Weiß