Anzeige

STUZ Clubnacht im Mai
view counter

„Manche Songs sind wie Zaubersprüche“

EMA im Interview mit der STUZ

 

Eine zerbrechliche Stimme, dröhnende Gitarren und jede Menge Ehrlichkeit: Erika M. Anderson macht unter dem Namen EMA Musik, die unter die Haut geht. Vor ihrem Auftritt im Hafen 2 in Offenbach sprach die STUZ mit der blonden Hünin über musikhörende Eltern, ehrliche Deutsche und Frauen, die Gitarre spielen.

 

STUZ: Du bist im Alter von 18 Jahren von South Dakota nach Los Angeles gezogen. Hattest du zu dieser Zeit bereits den Plan, Musikerin zu werden?

Erika M. Anderson: Nein, ich dachte nicht, dass ich das könnte. Ich habe in der Nähe von L.A. Media Studies studiert und wollte damals Dokumentationen drehen oder Erziehungssendungen für Kinder produzieren.

 

Das klingt lustig, denn deine Musik ist nicht gerade für Kinder geeignet.

Ich weiß. (lacht) Ich glaube ich kann inzwischen wohl auch nie wieder als Lehrerin arbeiten. Keine Eltern der Welt würden mich mehr in die Nähe ihrer Kinder lassen wollen!

 

Die Songs auf deinem Album „Past Life Martyred Saints“ sind sehr intim und verletzlich. Hatte die Entstehung der Platte einen katharischen Effekt auf dich?

Ja, auf jeden Fall. Lieder über bestimmte Erfahrungen zu schreiben hilft einem dabei, sich besser zu fühlen und Sachen zu verstehen. Wenn man bewusst über etwas nachdenkt, ist es manchmal schwieriger zu begreifen, wie man sich wirklich fühlt, als wenn man es in Songs verarbeitet.

 

Aber hattest du nicht auch ein wenig Angst vor den Reaktionen, die du auf das Album bekommen würdest?

Ich hatte keine Ahnung, was ich erwarten sollte. Wenn man ein Album herausbringt, weiß man ja nicht, wie viele Leute es hören werden. Ich habe das Album vor allem für mich selbst gemacht und mir keine Gedanken darüber gemacht, was Leute dazu sagen könnten. Ich meine ich wusste schon, dass darauf einige Dinge sind, die man als kontrovers bezeichnen könnte. Dinge, die die meisten Leute niemals laut sagen würden. Aber am meisten Angst hatte ich ehrlich gesagt davor, was meine Familie dazu sagen würde! Doch sie meinten, dass sie das Album mögen. Über mehr haben wir nicht wirklich geredet. Ich bin nicht gerade scharf darauf, mit meinen Eltern oder Großeltern über den Inhalt der Texte zu sprechen.

 

In meinen Ohren klingt das Album teilweise geradezu sakral, und auch der Titel geht in diese Richtung. Würdest du sagen, dass deine Musik eine spirituelle Seite hat?

Ja, ich denke schon. Manche Songs sind beinahe wie Zaubersprüche, die man aussprechen muss, um etwas freizulassen.

 

Kann Musik insofern auch ein Ersatz für Religion sein?

Klar, frag jeden Teenager, die wissen das ganz genau! (lacht) Wenn man 14 oder 15 ist, hat Musik definitiv eine spirituelle Seite. Ich glaube, dass Musik einen größeren Einfluss auf das Leben von vielen Menschen hat als die Kirche. Und sie hilft dabei, das Unendliche zu erklären, genauso wie Religion.

 

„Past Life Martyred Saints“ hast du größtenteils alleine aufgenommen, aber live spielst du mit einer Band zusammen. Hat das die Songs verändert?

Ja, wir spielen die Songs viel krachiger. Man könnte es auch so klingen lassen wie auf dem Album, aber was auf der Bühne passiert ist sehr kraftvoll, laut und kathartisch. Wir machen viel Lärm, um alles rauszulassen. Die Struktur ist dieselbe, aber die Songs klingen anders. Es ist eher eine körperliche Erfahrung.

 

Macht es dir Spaß, live zu spielen?

In den meisten Fällen schon. Aber manchmal ist es ziemlich hart, auf Tour zu sein und jeden Abend aufzutreten. Ich spiele Gitarre auf eine sehr körperliche Art und Weise. Dabei zuzuschauen kann sehr kraftspendend sein für Leute, aber es ist auch verdammt anstrengend für mich. Sowohl körperlich als auch emotional. Es ist schwierig, jeden Abend so eine Art Ritual aufzuführen. Ich will, dass die Leute etwas fühlen, und wenn man müde ist, ist es schwierig, die Energie dazu aufzubringen.

 

Ist es wichtig für dich, Leute, die dir nahestehen, in der Band zu haben? Deine kleine Schwester ist ja die Schlagzeugerin zum Beispiel.

Ja, das ist mir schon wichtig. So will ich es idealerweise haben. Wir werden sehen, ob das immer so bleiben kann oder nicht. Natürlich will ich Leute, die mir nahe sind, um mich herum haben, aber wenn man so viele Monate im Jahr tourt, ist das schwierig. Aber ich glaube ich wähle die Bandmitglieder schon eher nach ihrer Persönlichkeit aus und nicht in erster Linie nach ihrem musikalischen Können.

 

Autor: 
Jonas Trautner
Facebook:
Artikel bewerten:

Dies bewerten

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4 (2 Bewertungen)

Flattr