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Meenz bleibt Meenz … auch im Wilden Westen!

Komm hol das Lasso raus, wir spielen Cowboy und Indianer! Aber auf meenzerische Art. Geht nicht? Geht ja wohl, und zwar in Goldish City!

 

Der wilde Wilde Westen fängt gleich hinter Finthen an. Zumindest dann, wenn der Mainzer Carneval-Verein (MCV) zur Fastnachtsposse ins Mainzer Staatstheater einlädt. Um Punkt 19.33 Uhr findet das komödiantische Stück „Die glorreichen Elf oder Immer wieder Zoff in Goldish City“ von Christian Pfarr im Großen Haus statt. In der Inszenierung von Heidi Pohl wird das närrische Publikum in die Zeit der Cowboys und Indianer mitgenommen, ohne dabei die urige Mainzer Art zu verlieren.

 

1860, irgendwo im Wilden Westen. Bonnie (Tara Koch) und Clyde (Tobias Weber), ein junges Pärchen auf der Durchreise nach Las Vegas, machen Rast in Goldish City - laut Reiseführer ein „beschauliches Städtchen am Arsch der Welt“. Doch in dem von Mainzer Auswanderern gegründeten Präriestädtchen geht es alles andere als ruhig und beschaulich zu und somit werden die Neuankömmling prompt von Sheriff Ben Budweiser (Markus Beer) und seinem Deputy Text Ritter (Michael Senn) ins Kittchen gesteckt und für den Rest des Stückes dort vergessen. Zur gleichen Zeit vergnügen sich die übrigen Bewohner im Saloon der heißbegehrten Linda Laubenheimer (Sylvia Kipper). Der fliegende Händler Elvis Presskopp (Jochen Stiller) wird von der lasziven Bardame Vera Cruz (Patricia Schwab) „ins Bett gebracht“, Fred Feuerwasser (Friedel Senn), seines Zeichens passionierter Bestatter von Goldish City, läuft stets mit seinem Zollstock der potenziellen Kundschaft hinterher und Roy Hesse (Andreas Kerz), größenwahnsinniger Unternehmer und Spekulant, verkündet unter anderem den Bau eines Bahnhofs, natürlich auf Kosten der Bewohner. Doch nicht nur die Saloongäste, sondern auch den Indianerstamm unter Häuptling Red Bully (Tobias Ludwig) bringt Hesse damit gegen sich auf, da die besagte Eisenbahnlinie durch indianisches Gebiet verlaufen soll. Der Zoff in Goldish City ist somit vorprogrammiert.

 

In Pohls Inszenierung der dreiaktigen Fastnachtsposse wird dem Zuschauer zwar ein authentisches, doch bisweilen auch stark übertrieben dargestelltes Lebensgefühl des Wilden Westens vermittelt. In jedem Akt wechselt der Ort des Geschehens. Wird im ersten Akt noch ein großräumiger Saloon mit Bar, Klavier und Pokertischen auf der Bühne präsentiert, finden sich die Darsteller im zweiten Akt vor der Hütte des Ranchers Horst Cartwright (Franz Pohl) und seiner sprechenden Kuh Bonanza (Nanni Kepplinger) in einem übersichtlichen Ambiente wieder. Die Geschichte endet im dritten Akt schließlich auf den Straßen Goldish Citys zwischen dem Saloon und der Sheriff-Station. Sämtliche Klischees des Wilden Westen werden in der Posse bedient, so auch im Bereich der Kostümierung. Figurbetonte und opulente Kleider der Saloondamen, der schwarze Frack samt überdimensionalem Hut des Bestatters oder auch die typische Cowboy- und Indianerkostüme erinnern eher an die Geschichten des Lucky Luck als an die Abenteuer von John Wayne und Co.

 

Doch auch unter all den Eindrücken des Wilden Westens wird eine Tatsache nicht vergessen: Meenz bleibt Meenz! Bespickt mit altbekannten Fastnachtswitzen werden auch aktuelle Themen wie das Stellwerk-Desaster am Mainzer Hauptbahnhof auf die Schippe genommen. Am deutlichsten wird die Mainzer Art jedoch durch den hiesigen Dialekt der Darsteller betont. Auf der Bühne wird gebabbelt, was das Zeug hält - sehr zur Zufriedenheit des Publikums. Und wie es sich für die Mainzer Fastnacht gehört, dürfen auch Gesangs- und Tanzaufführungen in der Posse nicht fehlen. Verkleidet als Cowgirls führt die Dienheimer Jazztanzgruppe dem Publikum eine beeindruckende Tanzeinlage vor und als Zuschauer in die Gesangskünste der Darsteller miteinzustimmen, ist stets erwünscht und bleibt bei Liedern wie „Humba, humba…“ oder „Meenz bleibt Meenz“ nicht aus.

 

Auch wenn der Zusammenhang der Geschichte und die Problematik des Stückes erst im Laufe des zweiten Akts deutlich werden und die Funktion einiger Figuren im Unklaren bleibt, ist Spaß an der Mainzer Fastnachtsposse für jeden Narren und jede Närrin garantiert.

 

 

Weitere Vorstellungen im Staatstheater Mainz am 27.02., 01.03., 02.03. und 04.03.

 

 

 

Autor: 
Nicole Groth
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Foto: Michael Pohl
Foto: Michael Pohl