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„Mit Logik hat meine ganze Karriere nicht viel zu tun.“

Thees Uhlmann, seines Zeichens Sänger der Hamburger Band Tomte und mittlerweile Solokünstler, ist mit seinem ersten Roman „Sophia, der Tod und Ich“ unter die Autoren gegangen. Im Interview erzählt er von dem Genuss etwas Neues zu machen, der Abwesenheit von Logik und dummen Sprüchen.

 

STUZ: Dein erster Roman ist aktuell auf Platz 14 in der Spiegelbestsellerliste. Hat dich das überrascht?

Thees Uhlmann: Damals hab ich die Thees Uhlmann Band gegründet, weil ich nach 18 Jahren Tomte was Neues machen wollte. Im eigenen Leben nochmal auf Restart drücken. Neue Leute, neue Songs. Bei dem Buch ist es genau dasselbe, bloß extremer. Ich weiß gar nicht, was genau Platz 14 bedeutet. Ich genieße einfach, dass es total neu ist.

 

Nachdem du auf dem letzten Album noch mehr Storytelling betrieben hast, war der Roman der nächste logische Schritt?

Mit Logik hat meine ganze Karriere nicht viel zu tun. Den Vertrag mit dem Verlag hab ich schon über zehn Jahre. Damals hat die Lektorin zu mir gesagt, dass sie glaubt, in mir schlummere ein Buch. Zum Schreiben kam es nicht, weil ich dann bedingungslos Musik gemacht habe. Vor zwei Jahren haben Rainer Ott (Manager) und Tobias Kuhn (Band) gesagt: „Uhlmann, jetzt ein guter Zeitpunkt für ein Buch.“ Das war toll, weil ich nicht selber die Entscheidung treffen musste. Ich wollte dann meine zwei Freunde mit dem Buch befriedigen. 

 

Vor zwölf Jahren gab es das erste Geld vom Verlag. Leidest du an Prokastination?

Nach dem Album „Hinter all diesen Fenstern“ hab ich den Vertrag unterschrieben und 2.000 Euro bekommen. Das war das erste Mal, dass ich für zwei Monate ein bisschen Geld hatte. Aber ich hab dann mit glühendem Schwert die Musik voran getrieben, da hätte ich gar nicht die geistige Ruhe gehabt ein Buch zu schreiben. Mir war nur klar, dass ich nicht über mich schreiben will und auch keine Popliteratur machen werde. 

 

Keine Popliteratur, soso. Viele Leute hätten sicher etwas anderes erwartet als sie gehört haben, dass Thees Uhlmann ein Buch geschrieben hat.

Es gibt nichts Schöneres für einen Künstler als die Erwartung seines Publikums nicht zu erfüllen. Es war unbewusst in meinem Kopf, dass ich etwas anderes schreiben wollte. Dann hab ich Spaß daran gefunden, aggressiv alles rauszuhauen, was die Geschichte limitiert. Keine Städtenamen, keinen Namen für den Protagonisten, keinen Namen für die Mutter. Nur Norden und Süden. Kein Internet, kein Handy. Keine Marken. Okay, außer Lidl-Zigaretten. Aber Lidl als soziales Konzept. 

 

Die Geschichte handelt von einem Typen Anfang 40 bei dem eines Tages der Tod klingelt. Woher kam die Ursprungsidee? 

Ich hab mich ein Vierteljahr hingesetzt und überlegt, was ich schreiben könnte. Irgendwann ist die Idee in mir hochgekommen. Warum weiß ich auch nicht. Das hab ich dann meiner Lektorin vorgeschlagen und die hat gesagt, dass ich dran bleiben soll. 

 

Der Tod in deiner Geschichte trägt einen Anzug. Scheint ein seriöser Mann zu sein, verhält sich aber wie ein Kind.

Die Idee des Buches ist es, dass der Tod mit offenen Augen in die Welt der Lebenden tritt. Wie eine Mischung aus Erwachsenem und Kleinkind. Das ist eine gute Leinwand, die man als Künstler bemalen kann. Wie es ist, zum ersten Mal Zug zu fahren. Ich hab das wahnsinnige Glück eine Tochter zu haben und im Endeffekt ist es daran angelehnt, also, die Entwicklung einer Persönlichkeit. 

 

Der Typ in deinem Buch hat eigentlich nur noch drei Minuten zu leben. Womit würdest du die letzten drei Minuten verbringen, wenn es jetzt so weit wäre, dass du gehen müsstest?

Im Sommer haben wir mit Freunden unseren Urlaub im Burgenland verbracht. Meine Tochter und die Tochter von unseren Freunden sind zum ersten Mal über Felder geritten. Die waren eine dreiviertel Stunde weg und ich hab total Angst bekommen, was passieren könnten. Zum Schluss sind die auf den Pferden einen Kilometer ein Stoppelfeld runter galoppiert und sind abgestiegen und waren sprachlos glücklich. Das war einfach wahnsinnig, wenn du in das Glück von anderen Leuten hineinschaust. Das würde ich in den letzten drei Minuten machen. 

 

„Nur wer sich Siezt, kann sich später duzen.“ 

„Drei Bier bitte, was ihr trinkt, weiß ich nicht.“ 

An einigen Passagen liest sich dein Buch wie ein Manifest der idiotischen Sprüche. Saßt du am Schreibtisch und hast alle Sprüche rausgehauen, 

die dir eingefallen sind?

Ab und zu hab ich mich schon drüber gefreut, mal so einen richtig dummen Spruch rauszuhauen. Ich hab so zwanzig kleine Bomben für Freunde von mir in dem Buch versteckt. Wenn die dann mal irgendwann mit ihren Enkeln zuhause rumsitzen, können die denen erzählen, dass ein alter Kumpel ein Buch geschrieben hat und der Satz nur wegen ihnen drin steht. 

 

Bald geht es für dich auf Lesetour. Ganz alleine, ohne Gitarre, ohne Band. Wieder eine jungfräuliche Erfahrung, wie du es so gerne nennst. Bist du aufgeregt?

Ja. Aber ich freu mich. Es ist schön im Herbst unterwegs zu sein. In Hamburg waren 650 Leute und die sind einfach ruhig geblieben. Es ist ganz toll, Leuten etwas vorzulesen. Das macht mir einen riesigen Spaß. 

 

WTF

Thees Uhlmann liest aus „Sophia, der Tod und Ich“ – Schlachthof Wiesbaden, 22. November, 20 Uhr

 

Autor: 
Tobias Siebert
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