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Mord auf den Brettern, die die Welt bedeuten

Musical Inc. der Universität Mainz beweist auch an seinem zwanzigsten Geburtstag, dass die Qualität stimmt.

 

Das Klischee, das Leben eines Studierenden drehe sich größtenteils um ausschweifende WG-Parties, unverschämt langes Ausschlafen und anderen dem schwer arbeitenden Deutschen zuwider laufenden spätrömisch-dekadenten Lebensstilen, mag man wohl als zurecht erhärtet betrachten dürfen. Wie in allen Lebensbereichen muss man allerdings auch hier das Thema „Student/in sein“ differenzierter betrachten, um nicht zuletzt auch dem allnächtlich büffelden Jungmediziner oder der kurz vor dem attestierten Burn-out-Syndrom stehenden Maschinenbäuerin seinen, oder ihren Respekt zu zollen. Doch dass Studenten auch fähig sind, etwas auf die Beine zu stellen, dass sowohl dem hohen kulturellen Anspruch sowie dem derben Humor des Mainzer Publikums Genüge leisten kann, ist mit der neuesten Aufführung des Kulturprojekts Musical Inc. e.V. mal wieder unter Beweis gestellt worden.

 

Die 20-jährige Grande Dame des studentischen Mainzer Musicals zieht mit ihrem neuen Programm Curtains alle Register einer gelungenen Darbietung. Ein Musical in einem Musical: ein Mord geschieht während einer misslungenen Vorstellung. Die von den Kollegen verhasste Jessica Cranshaw wurde mittels Blausäure vergiftet. Schnell lichten sich die ersten Verdachtsmomente, denn das ganze Ensemble scheint einen guten Grund zu haben, die alternde Schauspielerin aus dem Verkehr zu ziehen. Der Lieutenant Frank Cioffi (Moritz Schümann), selbst ein passionierter Musicaldarsteller, kann sein Glück kaum fassen. Er darf seine Untersuchungen dort vornehmen, wo sein eigentliches Herz schlägt, nämlich auf der Bühne. Auch darf er seiner anderen Liebe, der Darstellerin Niki Harris (Jessica Jopp) sehr Nahe kommen, was das Ganze eher schwert, da auch sie kein unbescholtenes Blatt zu sein scheint.

Eigentlich wird der Mord schnell nebensächlich, denn die vielen kleinen Geschichten abseits der Hauptstory verdichten das Ganze zu einem kurzweiligen Schauspiel. Die Gesangseinlagen, sowohl die Soli als auch die herrlichen Chorstimmen, zeugen von einer hohen Professionalität der Protagonisten. Auch die kleinen Choreographien passen zu dem stimmigen Gesamtbild. Man merkt den Schauspielern den Spaß auf der Bühne an.

 

Hätte die Premiere nicht in einem Vorlesungssaal der Mainzer Universität stattgefunden, man hätte glauben können, Zeuge eines hochkarätigen Musicals in einem der deutschen Staatstheater gewesen zu sein.

 

 

Weitere Vorstellungen bis zum 18.6. um 20:00 Uhr.

Autor: 
Andy Marx
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Foto: Mareike Hachemer
Foto: Mareike Hachemer
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