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Mumpitz auf höchstem Niveau – Die singende Herrentorte in Mainz

Helge Schneider begab sich am 6.4. mit seiner Band in die Phoenixhalle als "Petty Joe und die Dorfschönheiten". Die STUZ war vor Ort.

 

Es mag erstaunlich erscheinen, dass sich in der eher kargen und trockenen Landschaft des deutschen Humors ein Exot wie Helge Schneider finden lässt, ähnlich wie eine Oase in der Wüste: In ihr erholen sich Verirrte vom Durst und den Strapazen einer Irrfahrt, während man sich bei einem Konzert des Ausnahmekünstlers auf eine Irrfahrt mitnehmen lässt. Erfrischend war es allemal.

 

Der Durst nach Unterhaltung trieb junge wie gleichsam junggebliebene Fans des absurden Humors und der guten Musik am 6. April in die Phoenixhalle nach Mainz. Der Maestro und einzigem Arbeitgeber eines persönlichen Teekochs kam nicht alleine, sondern brachte gleich eine sechs Mann starke Band von außerordentlich hoher Güteklasse mit. Schnell war klar, dass sich Helge Schneider auf das besinnen wird, was das Gegenstück zu seiner unkalkulierbaren Schalkhaftigkeit darstellt: Seine musikalische Brillanz.

 

So legt er bereits zu Beginn ein Saxofon-Solo hin, sodass man zu der Frage gelangt, wie dieser Mann Bücher schreiben, Filme drehen, CDs komponieren, Talkshows halten und dazu noch die Zeit finden kann, Instrumente so zu lernen, wie andere Sprachen. Weiter geht es mit „Katzeklo“, von dem Helge felsenfest überzeugt ist, dass die Japaner es auch in ihrem Land singen, allerdings mit anderer Melodie und verändertem Text. Nicht unvorstellbar ist auch Helges Urknalltheorie, in der die Erde durch Klöße entstand, die aufeinander trafen. „Und dann entstand auch schon das erste Lebewesen auf der Erde, da wo heute die Schweiz ist, und zwar Karies.“ Von so viel Scharfsinn bleibt auch die Frauenwelt nicht unberührt. Auf den Zwischenruf einer Zuschauerin hin, sie wolle ein Kind vom Maestro, antwortet jener unbeeindruckt und nach alter Schule, dass sie dazu erst einen Antrag stellen müsse.

 

Es folgen Klassiker wie „Es gibt Reis“ und „Meisenmann“, bei dem es sich Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg nicht nehmen lassen, mit einzustimmen, sowie neue Lieder wie das im psychedelisch vorgetragenem Stil „Nachtigall“. Dabei wird auch das Publikum zu Scat-Gesang und Fußballstadion-Chören animiert. Um das Narrenspiel auf der Bühne abzurunden, begeistert Helges langjähriger Wegbegleiter Sergej Gleitmann mit ausdrucksstarken und nicht-standartisierten Tanzeinlagen die Zuschauer. Gegen Ende beweist sich der Künstler mit dem Evergreen „Mood Indigo“ am Vibraphon, das er sich schon als kleines Kind kaufen wollte, als sein Vater noch als Putzfrau arbeitete. „Für normale Menschen sind diese Instrumente nicht erschwinglich. Für euch also ein No! Ich habe zwei.“ Es sei ihm gegönnt, denn Mainz sah eine gute Show des Mannes, der sich jeglichen Schubladenzurechnungen mit Talent und Kreativität verwehren konnte. Nonchalant verabschiedete er sich in die wohlverdiente Sommerpause: „Tschüss! Ihr könnt jetzt das Licht schon mal anmachen“.

 

 

Weitere Termine der Tour: https://www.helge-schneider.de/termine

 

 

 

Autor: 
Andy Marx
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