„Musik ist ein Teil der Natur“
Interview mit Dominik Eulberg bei der Winterworld 2012 in Wiesbaden
Auf die Frage nach seiner Lieblingsplatte antwortet er meistens: die Westerwälder Seenplatte. Dominik Eulberg, der Naturbursche der Technoszene. Er ist DJ und Producer und hat Ökologie mit Schwerpunkt Naturschutz studiert. Er lebt zurückgezogen, in einem kleinen Dorf im Westerwald. Ein eher unkonventionelles Leben, wenn man bedenkt, dass Dominik Eulberg einer der gefragtesten deutschen DJs ist. Doch er mag und braucht das. Er bezieht seine Kreativität und Energie aus der Natur, Flora und Fauna inspirieren ihn. Vier Studioalben in acht Jahren, das kann sich sehen und vor allem hören lassen.
STUZ: Die STUZ ist ja ein Magazin von und für Studenten. Du hast selbst auch studiert, wie verlief denn dein Studium? War es eine gute Zeit für dich?
Dominik Eulberg: Ich hab das Studieren sehr genossen, weil man viel Zeit zur Selbstentwicklung hatte. Es war ein tolles Leben. Ich hab zwar nur 550 Euro Bafög gehabt, aber das war völlig ausreichend. Ich hab auch die Interaktionen und Exkursionen mit den Kommilitonen sehr genossen. Die Praktika im Nationalpark hab ich ebenfalls sehr toll in Erinnerung. Und vielleicht studiere ich sogar irgendwann nochmal was anderes.
Du hast Ökologie mit Schwerpunkt Naturschutz studiert, richtig?
Ja, das nannte sich „ÖKUM“, Ökologie und Umwelt. Das ist ein interdisziplinärer Studiengang, bestehend aus verschiedenen Fächern. Ich habe Geographie, Geologie, Biologie und Soziologie studiert. Es ging eben darum, dass man einen möglichst ganzheitlichen Blick auf Natur und Naturschutz bekommt. Das ist auch eine sehr sinnvolle Sache, weil es auch viel unnützen Ökofanatismus gibt. Und das ist fast genauso falsch wie Umweltverschmutzung.
Würdest du nicht manchmal auch lieber als Biologe arbeiten?
Ein Stück weit mache ich das ja noch, ich schreibe für Zeitungen Kolumnen über Natur. Ich mache auch immer mal Projekte nebenher, z.B. für den NABU (Naturschutzbund Deutschland, Anm. d. Verf.) oder den FSC (Forest Stewardship Council, Anm. d. Verf.). Und für naturnahe Forstwirtschaft engagiere ich mich. Ich arbeite jetzt auch für die Kunsthochschule Offenbach, da habe ich mit den Studenten ein Projekt zum Thema Bionik. Außerdem bin ich noch Schirmherr beim Bau eines urbanen Stadtgartens in München.
Man kann sagen, du bist ein sehr kreativer Mensch. Woher nimmst du die Kreativität? Wann bist du am kreativsten?
Ich bin wie mein Name schon sagt eine Eule, ich bin immer bis 4 oder 5 Uhr wach. Ich arbeite sehr viel nachts im Studio, weil da immer so eine konspirative Stimmung herrscht. Ich hab das Gefühl, dass alle schlafen und ich der einzige Mensch auf der Welt bin. Da kann ich am besten meine Musik machen. Ich bin generell ein sehr kreativer Mensch, der immer was zu tun hat, aus dem es nur so raus sprudelt. Mir fällt es eher schwer, das mal zu zügeln und mir eine Pause zu gönnen.
Deine Erfahrungen und Beobachtungen in der Natur fließen auch in deine Musik mit ein. Wie kann man sich das vorstellen?
Ich versuche mit meiner Musik immer, ein klares Gefühl zu transportieren, weil das ja ihre Funktion ist. Musik ist ein Teil der Natur. Ich lebe inmitten eines Naturschutzgebietes, gehe sehr viel wandern und bin alleine draußen in der Natur. Und die Gefühle und Stimmungen, die ich dort aufnehme, versuche ich in meiner Musik auszudrücken. Das ist wie eine Art Blaupause. Und wenn man es schafft, diese Gefühle zu transportieren, dann verstehen die Menschen das und es regt sie an. Ich mache mir da sehr viele Gedanken. Aber im Grunde muss man Musik einfach fühlen.
Während deinem Studium kam der große Durchbruch und Erfolg. Wie geht man damit um, wenn man plötzlich aus dem wahrscheinlich doch eher gemütlichen Studentenleben gerissen wird?
Das war für mich natürlich erstmal sehr krass, weil das bei mir sehr sehr plötzlich kam. Ich wollte eigentlich nie Musik herausbringen, weil mich die Musikindustrie immer ein bisschen genervt hat. Das ist ein sehr hartes und unehrliches Metier. Aber ich hab dann Leute von Traumschallplatten (Plattenlabel aus Köln, Anm. d. Verf.) kennengelernt, bei denen ich mich total gut aufgehoben gefühlt hab und dort dann auch meine ersten Platten gemacht. Im Jahr zuvor habe ich noch im Cafe Blau (in Bonn, Anm. d. Verf.) für 50 Euro aufgelegt und ein Jahr später dann auf allen großen Festivals für horrende Gagen gespielt. Ich habe im ersten Jahr auch mein ganzes Geld verschenkt, weil ich da nichts mit anfangen konnte.
Du bist gebürtiger Westerwälder, hast in Bonn studiert und auch in Hamburg gelebt. Dann bist du wieder zurück in den Westerwald gezogen. Wieso die Rückkehr, was gibt dir der Westerwald, was dir die Stadt nicht gibt?
Zum einen bin ich ja ein großer Naturfreund. In Hamburg musste ich erstmal eine Stunde rausfahren um in die Natur zu kommen, das hat mich irgendwann genervt. Ich spiele etwa 100 Auftritte im Jahr und kann im Westerwald einfach meine Batterien wieder aufladen. Ich bin am Wochenende in großen Städten unterwegs und habe da kulturell genug Input, was ich nicht noch unter der Woche brauche. Da ist es für mich perfekt, wenn ich am Wochenende in der Welt unterwegs bin und während der Woche runterfahren kann. Wenn ich diesen Beruf als DJ nicht hätte, bekäme ich sicher auch Probleme, da würde mir irgendwann auch was Kulturelles, Großstädtisches fehlen im Westerwald.
Letzte Frage: Du bist begeisterter Ornithologe. Was ist denn dein Lieblingsvogel?
Das ist schwer zu sagen, das kommt drauf an. Also rein optisch der Eistaucher, weil der ein wunderschönes schwarz-weißes Schachbrettmuster hat. Das sieht aus, als hätte ein Künstler das entworfen. Und vom Lebensstil her ist der Mauersegler mein Lieblingsvogel. Weil er sein ganzes Leben in der Luft verbringt, dort schläft, trinkt, frisst und sich paart. Der legt in seinem Leben über 400 Millionen Kilometer zurück – das ist zehn Mal bis zum Mond.














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