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„Nette Geschichten, unheimliche Geschichten, spannende Geschichten“

Interview mit Schandmaul

 

Schandmaul sind eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Folkbands. Nach dem neuen Album „Unendlich“ gehen die Jungs und Mädels wieder auf Tour und schauen am 7. März auch im Schlachthof in Wiesbaden vorbei. STUZ-Reporterin Svea hat vorab mit Sänger Thomas Lindner (im Bild 3. von rechts) gesprochen.

 

STUZ: Im letzten Jahr feierte Schandmaul 15-jähriges Bandjubiläum. Wie hat sich die Band seit den Anfängen geändert?

Thomas Lindner: Ich denke mal wir haben Erfahrungen gesammelt, was dieses Geschäft angeht, haben uns viel weiterentwickelt an unseren Instrumenten. Und unsere Haut ist runzeliger geworden und wir haben graue Haare.

 

Aber nicht wegen der Band, oder?

Eher durchs Alter, glaube ich.

 

Was war denn das beste Erlebnis bis jetzt?

Tatsächlich das Konzert im letzten August in Köln, diese Doppelshow, die wir anlässlich des 15-jährigen, gemacht haben. Da hatten wir anderthalb Jahre Vorbereitungs- und Arbeitszeit und als dann alles geklappt hat und wir vor 12.000 Menschen standen und unseren Geburtstag gefeiert haben – das war schon das Großartigste, würde ich sagen.

 

Und wie lange kann oder soll es noch weitergehen mit Schandmaul?

Ich bin da völlig offen, wenn es nach mir geht ewig.

 

Und wie sehen das die anderen Bandmitglieder?

Ich glaube, die sind auch dabei. Wenn das Volk uns hören will, sind wir auch da.

 

Vor kurzem haben Schandmaul ihr achtes Studioalbum „Unendlich“ herausgebracht. Was bekommt der eingefleischte Schandmaul-Fan auf der Platte geboten?

Der eingefleischte Schandmaul-Fan bekommt genau das, was er möchte. Wir erzählen nette Geschichten, unheimliche Geschichten, spannende Geschichten und das alles verpackt in ein Folk- und Rockgewand mit Flöten, Dudelsack, Geigen und Drehleier. Die ersten Feedbacks lassen auch schon konstatieren, dass uns das sehr gut gelungen ist. Die Fans sind begeistert.

 

Und was kriegt der Schandmaul-Neuling?

Der kriegt eine ganz spannende Welt, eine Anderswelt vorgeführt, wo er sich in mittelalterliche oder Fantasy oder historische oder geschichtliche Themen fallen lassen kann. Einfach mal ein bisschen der hektischen Jetzt-Zeit enfliehen und entschleunigen.

 

„Aus dem Alltag fliehen“ ist das Motto vieler deutscher Folk-Bands. Wie unterscheidet sich Schandmaul denn gerade von diesen anderen Bands?

Wenn ich mir die Kollegen aus dem Genre angucke, fällt auf, dass ein paar in den Rockbereich abgedriftet sind und andere in den Metalbereich – die sind härter geworden. Wir setzen tatsächlich mehr auf Folk und das ist fast schon ein Alleinstellungsmerkmal. Also fröhlich, tanzbar und nicht total am Heavy Metal orientiert.

 

Das Album „Unendlich“ ist auf dem zweiten Platz der Charts eingestiegen. War das eine Bestätigung für die Band, bis jetzt alles richtig gemacht zu haben?

Man hat gehofft, dass man irgendwo da vorne mitspielen kann und darf. Wir sehen das als einen großangelegten Schulterklopfer der Fans. Die sind alle in der ersten Woche in die Plattenläden gelaufen und haben sich das Teil gleich geholt, weil sie es nicht erwarten konnten sich anzuhören. Das sehe ich schon als Bestätigung, nein, als Lob eigentlich.

 

Durch die wachsende Popularität Schandmauls gab es besonders in den sozialen Netzwerken ziemlich viel Ärger, weil viele Fans Angst hatten, dass der steigende Bekanntheitsgrad die Band in den Mainstream zwingen würde. Schandmaul dementierte das dann offiziell auf der eigenen Facebook-Seite. Warum kann das nicht auch euch passieren?

Weil wir einfach unsere Musik deswegen nicht verändern, geschweige denn uns von irgendwelchen Plattenfirmen vorschreiben lassen, wie unsere Musik zu klingen hat. Nicht „Macht doch ein bisschen mehr das und macht doch mal bisschen mehr da und Schlager und Pop-Tralala“, sondern wir machen einfach unsere Musik, wie wir sie schon immer gemacht haben. Aus dem Bauch heraus und hier in unserem stillen Kämmerlein. Rein musikalisch kann sich da also nichts verändern. Derjenige welche der Angst hat, dass wir in den Mainstream abdriften, soll sich das Album anhören und sich selbst davon überzeugen. Und wenn es im Endeffekt dann mehr Leute gibt, denen diese Musik gefällt, dann habe ich nichts dagegen – um Gottes Willen!

 

Welches Lied von dem neuen Album gefällt Ihnen am besten?

Oh, das kann ich noch gar nicht sagen. Das ist noch so dicht dran. Wir haben jetzt die letzten Tage sehr viel geprobt, weil wir quasi heute Abend losfahren auf Tournee. Ich denke mal, im Livegeschäft wird sich herauskristallisieren, was da am meisten Spaß macht zu spielen.

 

Gutes Stichwort: Morgen geht die Unendlich-Tour 2014 los. Was erwartet Ihr Publikum? Gibt es Veränderungen?

Vom neuen Album haben wir eine Menge dabei. Wir spielen acht Lieder davon, der Rest ist Best Of 15 Jahre Schandmaul. Es wird einfach eine dicke Party. So gesehen bleibt alles gleich, weil die Party immer gleich bleibt (lacht.)

 

Das heißt, trotz der teilweise sehr melancholischen Texte, erwartet den Konzertbesucher eine große Party?

Wir haben natürlich unser Programm so ausgelegt, dass da mal was Nachdenkliches oder etwas Trauriges oder Schummriges-Schönes, ein Liebeslied oder so, dabei ist. Aber dazwischen sind immer Partyknaller. Die werden ordentlich ins Schwitzen kommen, die Leutchen.

 

Eine bestimmte Zielgruppe hat Schandmaul aber eigentlich nicht, oder?

Nein. Es ist so ziemlich alles vertreten, was man sich vorstellen kann. Vom Heavy-Metaler über den Punker bis hin zur Gothic-Fledermaus oder einfach dem ganz normalen Normalo – und das in allen Altersklassen. Ich nenne es mal bunt. Und das freut uns!

 

Das passt ganz gut zu dem Lied, das Schandmaul kürzlich veröffentlichten: „Bunt und nicht braun“. Welche Message steckt dahinter?

Wir hatten ja gerade die sozialen Netzwerke schon als Thema. In den letzten Jahren versuchen dort verstärkt, ich nenn sie mal die braunen Socken, im Fahrwasser zu fischen. Die posten irgendwelche dubiosen Links auf Facebook, so nach dem Motto „Seid ihr gegen Pädophile? Dann klick hier.“ Dann klickst du da drauf und bist plötzlich auf irgendeiner Naziseite. Deswegen haben unsere, ich nenn sie mal Wachhunde, im Internet alle Hände voll zu tun, Blödsinn zu löschen und runterzuschmeissen. Das haben wir uns eine Zeit lang angeguckt und jetzt war es einfach mal an der Zeit auf den Tisch zu hauen und zu sagen: „Hier nicht!“ Wir sind tolerant gegenüber allen, aber sind extrem intolerant gegenüber Intoleranz.

 

Das heißt, Schandmaul sind auch politisch?

Ja natürlich! Ich brauche solche Typen nicht im Publikum oder das Wissen darum, dass Leute diese Plattform für ihre Zwecke missbrauchen, die rechtspopulistisch sind. Wir machen Unterhaltungsmusik, aber die Kollegen, die brauchen wir nicht. Es geht uns natürlich auch um jegliche Form von Gewalt. Ich will jetzt nicht nur gegen rechts wettern. Die linken Wackersteineschmeisser brauchen wir auch nicht. Das geht doch auch ohne – was ist denn da los? Das soll das Lied aussagen!

 

Am 7. März kommen Schandmaul nach Wiesbaden in den Schlachthof. Habt ihr schon mal dort gespielt?

Bis jetzt waren wir nur privat in Wiesbaden, mit der Band aber noch nicht. Wir sind gespannt!

 

Autor: 
Svea Röhm
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Video: 
Schandmaul - Euch zum Geleit
Schandmaul - Euch zum Geleit