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Neuer Bau für alte Bücher

Für die Umgestaltung des Gutenberg-Museums wurde ein europaweiter Architektenwettbewerb ausgerufen. Die Siegermodelle sind nun im Museumsfoyer zu begutachten.

 

Ein Betonklotz, mitten in der Stadt, dessen graumassive Steinfassade unserem schönen Dom die Aussicht verdirbt. Das soll der erste Preis des Architektenwettbewerbs zur Verschönerung des Gutenberg-Museums sein? Wer die Qualität des Siegers nur nach der Skizze beurteilt, der irrt gewaltig. Das Weltmuseum der Druckkunst ist marode, die Haustechnik völlig veraltet und der 60er-Jahre-Bau ist der Gutenberg-Bibel schon lange nicht mehr würdig. Um dies zu ändern erarbeitete das Führungsteam des Museums zusammen mit einem Stuttgarter Atelier ein Konzept für die Neugestaltung und schrieb einen europaweiten Architektenwettbewerb aus, die museologischen Rahmenbedingungen waren dabei vorgegeben. Im letzten November wurden insgesamt 32 Arbeiten vorgeladen, von denen 12 weiter verfolgt werden konnten. Die drei Preisträger und zwei Anerkennungen sind nun im Foyer des Museums ausgestellt sind. Die Entwürfe könnten unterschiedlicher nicht sein.

 

Form Follows Design

Eine Jury aus Sach- und Fachpreisrichtern durchforstete die Einreichungen und musste dabei auch Abstriche in Sachen Aussehen machen. „In den Jurysitzungen wurde selten über Schönheit diskutiert“, sagt Felix Waechter, einer der Preisgerichtsmitglieder. Denn die Ansprüche waren hoch, in erster Linie musste den Anforderungen des Museumsbetriebs nachgekommen werden. Die antiken Bücher und sensiblen Druckerpressen brauchen viel architektonische Zuwendung, um für den Besucher perfekt in Szene gesetzt zu werden. Somit sei die Glasfassade des zweiten Platzes beispielsweise zwar hübsch anzuschauen, aber eine konservatorische Hölle für die Jahrhunderte alten Seiten. Der erste Platz der Hamburger DFZ-Architekten (siehe Abb.) nun musste aufgrund seiner Optik schon viel Kritik von um Frischluftzufuhr besorgten Bürgern einstecken, doch die Skizze trügt. „Die Durchlässigkeit ist der große Charme des Entwurfs“, so Waechter und in der Tat ist das maßstabsgetreue Modell nicht halb so wuchtig, wie das Computerbild vielleicht vermuten lässt. Auch sei der Leseturm natürlich nicht als Betonklotz gedacht, sondern wäre vielmehr in eine zweischichtige Fassade aus Bronzeblech und Glas gekleidet. Es gibt also noch Hoffnung für das Stadtbild rund um den Dom.

 

Die Zukunft des Museums

„Alle drei Preisträgerentwürfe sind umsetzbar, doch bedürfen natürlich noch individueller Überarbeitung“, sagt Museumsdirektorin Annette Ludwig. Ende April beginnen die Gespräche hierzu mit den Siegerbüros. Der erste Spatenstich ist für 2017 geplant, doch vorher müsse noch die Finanzierung für das Bauprojekt gesichert sein. 5,1 Millionen Euro werden von der Stadt bereitgestellt, was immerhin für den ersten Bauabschnitt langt. „Das Land hält sich bislang aber noch etwas zurück“, so Ludwig. Doch der Architektenwettbewerb sei ein Schritt in die richtige Richtung, da ohne bauliche Sanierung die Schließung des Museums droht. Es sei immer wieder eine Herausforderung in diesem veralteten Bau einen Museumsbetrieb aufrecht zu erhalten. „Das schönste wäre natürlich, wir würden beim Bauen die Mumie von Johannes Gutenberg mit einer beweglichen Letter in der Hand finden“, sagt sie lachend. Aber ein neues Gebäude ist auch schon mal ein guter Anfang. 

Autor: 
Sarah Beicht
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