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Ohne Scheuklappen durch die Stadt

 

Letzte Woche wanderte ein zeltartiges Gebilde von einem Mainzer Platz zum anderen. Darin verbirgt sich das Projekt „momente“. In Form einer Kunstinstallation: die Bachelorarbeit von Kommunikationsdesignstudent Marius Becker.

 

Im Innenraum der betretbaren Kuppel befindet sich eine Platte, diese reagiert auf Gewichtsverlagerungen. So werden durch Bewegung auf der Platte die Kamera und das Mikrofon auf dem Dach der circa drei Meter hohen Kuppel geschwenkt. Über Beamer und Kopfhörer kommen diese Eindrücke dann im Inneren an. Vorher durchlaufen sie allerdings ein Computerprogramm, welches zum Beispiel die Tonspur zerlegt und sie so u.a. mit einem Bass unterlegt und harmonisiert. Des Weiteren beeinflussen die Geräusche von außen die Veränderung des projizierten Bildes auf den Innenseiten. Durch diese Effekte werden Brunnengeplätscher oder Lachen plötzlich prominent in Szene gesetzt und die Bilder erscheinen farbenfroh und verzerrt.

 

Die Idee zu diesem Projekt kam Marius Becker während eines Auslandssemesters in Schweden. Zurück in Deutschland setzte er seine Begeisterung für die veränderte Wahrnehmung der eigenen Stadt in seiner Bachelorarbeit um. Wichtig war es ihm dabei etwas zu schaffen, was möglichst viele Menschen anspricht. „Ein Buch steht neben vielen anderen, das hier können die Leute ausprobieren“, sagt er. Mit den Menschen in Kontakt zu treten, scheint wichtiger Teil des Projektes zu sein. So berichtet Becker schon vor Beginn der eigentlichen Ausstellung auf einem Online-Blog über den Fortschritt beim Bau und lässt das Publikum mit Hilfe vieler Fotos daran teilhaben.

 

Letzte Woche folgte nach siebenmonatiger Vorbereitungsphase die Präsentation auf verschiedenen Mainzer Plätzen. Becker hatte dafür bewusst ganz unterschiedliche gewählt. Von sehr lebhaften Orten, wie dem Bahnhofsvorplatz am Mittwoch bis zu eher ruhigen Plätzen, wie den Hartenberg. So verschieden wie die Plätze, so verschieden waren auch die Menschen. Am Goetheplatz versammelte sich etwa eine große Gruppe Kinder am Eingang der Installation, um das kuriose schwarze Zelt mit der lustigen Musik genauer zu betrachten.

 

Erklärtes Ziel der Installation ist es, dass die Besucher dich einen Moment Zeit nehmen sollen, um einen bekannten Ort neu wahrzunehmen. Viele Dinge fallen einem nicht auf, besonders in Städten, wo von einem zum anderen Ort gehetzt wird laufen viele Menschen immer mehr mit Scheuklappen durch die Welt, so Becker.

Wer sich selbst ein Bild von Beckers Installation machen möchte, kann das digital auf http://projekt-momente.tumblr.com tun.  

 

 

Autor: 
Frederike Holewik
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Galerie: 
Foto: Markus Becker