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Papa ist tot, oder: In Australien sprechen auch die Bäume

Zwei Mädchen, so um die zehn Jahre alt, schlendern durch die Sommerhitze. „Man hat die Wahl, ob man glücklich leben will oder traurig“, sagt die eine, Simone, zu ihrer Freundin, „ich habe mich entschieden, glücklich zu leben.“

 

Die französische Regisseurin Julie Bertolucci führt uns in das australische Outback, in ruhigen, wunderschönen Aufnahmen, durchleuchtet von goldenem Licht. Leichtfüßig springt die Kamera von Szene zu Szene, wir lernen die Familie von Simone kennen, ihre Mutter Dawn, ihre Brüder. Simones Vater fährt mit seinem Truck über die Landstraße, Simone steht oben auf der Ladefläche, wir schauen über Simones Schulter, sie hebt ihre Arme, wir schweben. Dazu Gitarrenmusik, Country. Alle Merkmale eines Indie-Films sind erfüllt. Aber so einfach wie mancher Möchtegern-Indie der letzten Jahre macht es sich dieser Film nicht.

 

Das Gesicht des Vaters verzieht sich plötzlich, er fährt den Truck an den großen Baum neben dem Haus der Familie – und ist tot, gestorben an einem Herzinfarkt. Aber um den Tod des Vaters geht es in dem Film nicht, er wird gezeigt wie eine Nebensache. Vielmehr geht es darum, wie eine Familie damit umgeht, das da plötzlich jemand Wichtiges fehlt.
Jedes Familienmitglied findet eigene Wege mit dem Verlust umzugehen, ihnen gemeinsam ist, dass sie mit dem riesigen Baum hinter dem Haus sprechen, der manchmal leise zu flüstern scheint. Einmal hilft er Simone sogar bei den Hausaufgaben – mit Tipps zur Rechtschreibung. Dann verliebt sich Dawn in einen neuen Mann und das Familien-Haus bekommt Risse durch die Wurzeln des Baumes...

 

Bertoluccis Verfilmung eines Romans von Judy Pascoe nähert sich diesem Stoff, der leicht ins Lächerliche oder Tiefsinnig-Schwere hätte abdriften können, ohne Scheu. Dass die Regisseurin vorher Dokumentarfilme gemacht hat, zeigt sich im zurückhaltenden Stil des Films. Gegen die emotionalen Tiefschläge setzt sie lebensbejahenden Humor. Charlotte Gainsbourg (Antichrist, 21 Gramm) und die Kinderschauspieler geben ihren Figuren Tiefsinn und entwickeln als Familie eine glaubwürdige zärtliche Dynamik, deren Charme man sich gerne und leicht öffnen kann.

 

Die deutsche DVD von Pandora Film bietet den Film in deutscher und englischer Tonfassung (mit deutschen Untertiteln), als Zusatzmaterial gibt es nur ein paar nicht nennenswerte Trailer.

 

Julie Bertoluccis: „The Tree“
Italien/Australien, 2010
DVD-Start: 02.09.2011

 

Autor: 
Martin Urschel
Ressort:
Film / DVD
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Galerie: 
The Tree, ab 02.09.2011 auf DVD. Bild: www.outnow.ch