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"Hundert Prozent ausgeben" - Kraftklub im Interview
Frontmann Felix Brummer im Gespräch mit STUZ-Reporterin Lisa.
STUZ: Wie war eure Woche?
Felix: Sehr ereignisreich. Wir haben an fünf Tagen gespielt. In den zwei freien Tagen konnte ich dann chillen und lag mit ‘ner Pizza neben mir in der Badewanne. Gestern waren wir in Hamburg, heute sind wir in Karlsruhe ...
Äh, du bist gerade in Frankfurt.
Ach manno, schon wieder verpeilt!
Wie viel kriegst du von der Stadt mit, in der ihr gerade seid?
Mittlerweile viel, viel mehr. Vorausgesetzt, man steht früh auf. Von Mainz hab ich nichts gesehen, die Phönixhalle ist ja im hässlichen Industriegebiet, voll behämmert. In Österreich waren wir allerdings sehr viel wandern.
Welche Interviewfrage würdet ihr gerne mal beantworten?
Kürzlich wurde ich zu illegalen Downloads gefragt. Wir dürfen zwar alles beantworten, aber da habe ich mich so in Rage geredet, dass mir danach gesagt wurde, dass ich da besser die Schnauze gehalten hätte. Ich hätte besser „Kein Kommentar“ sagen sollen. Steht mir aber nicht. Aber die Frage hat mir Spaß gemacht.
Was haltet ihr von Groupiesex?
Groupies sind die uninteressantesten Frauen überhaupt. Mich interessieren Mädchen, die was machen und nicht nur rumhängen. Ich hab ja auch viel zu erzählen, dann soll sie auch was zu erzählen haben.
Wie kamst du auf die ganzen Klischees in dem Lied „Ich will nicht nach Berlin“?
Das sind alles Beobachtungen von der Zeit, als wir in Berlin waren.
Was war deine erste gekaufte Platte?
Ich hab mir nie welche gekauft. Aber dafür ganz viele „Drei Fragezeichen“-Kassetten. Meine jüngere Schwester freut sich jetzt darüber.
Was würdest oder wirst du studieren?
Ich werde oder würde wahrscheinlich etwas in die journalistische Richtung machen. Ich bin mehr Schreiber als Musiker.
Welches Essen vermisst ihr?
Wir haben hier eigentlich alles, was wir brauchen. In meiner Chemnitzer WG mit Karl, einem unserer Gitarristen, essen wir voll viel Scheiße. Pizza und Spaghetti halt, wenn man keine Zeit zum Kochbücher lesen hat.
Welche Instrumente spielen die Jungs sonst noch?
Querflöte. Und Kamm, also mit dem Löschpapier dran. Ich lerne gerade Tamburinringe zu bedienen. Mundharmonika würde ich gerne lernen, da hat man bestimmt mehr Chancen bei den Mädels als mit so ‘ner abgeratzten Gitarre und James-Blunt-Songs singend.
Haben die Instrumente deiner Jungs Namen?
Nee. Die sind ziemlich unsentimental mit denen.
Ab wann sagt ihr: „Wir haben‘s geschafft“?
Unser Ziel liegt schon weiter zurück: von der Musik leben zu können, die Miete und das Essen zahlen zu können. In dem Sinne sind wir bereits reich. Aber Reichtum ist ja eine Definitionssache. Finanzielle Sicherheit finde ich überschätzt und den falschen Ansatz. Es soll bei der Musik nicht darum gehen, Geld zu verdienen.
Was macht ihr, wenn ihr in der Band Abstand voneinander braucht?
Das passiert sehr selten. Wir hängen schon immer miteinander rum. Jetzt machen wir halt Musik zusammen und hängen miteinander rum.
Würdet ihr bei Castingshows als Juroren mitmachen?
Nee, die find ich alle assig. Die sind alle böse. Und „The Voice“ ist das Allerschlimmste. Bei denen sind die Verträge für die Künstler so mies, das kann man sich gar nicht vorstellen. Leute, macht da nicht mit!
Kommt der Alkoholismus mit dem Erfolg?
Es ist so normal geworden in diesem Künstlerumfeld, dreimal die Woche besoffen zu sein. In gewisser Weise ist das schräg, dass man es normal findet, sich so oft zu besaufen.
Seid ihr narzisstisch?
Narzisstisch würde ich nicht sagen. Eitel vielleicht. Wenn man so viele Fotos von sich machen lässt, wird man automatisch eitel.
Du wirkst immer so selbstsicher. Hast du überhaupt Schwächen?
Ja, sicher. Den Teil, den wir preisgeben, das ist ja nur ein Bruchteil von dem, wer wir sind. Die privaten Sachen lassen wir mit in die Musik einfließen. Wir sind Kunstprodukte, klar, aber das Echte ist dann in der Musik.
Ok, jetzt noch ein paar Entweder-oder-Fragen: Kommunismus oder Anarchie?
Beides ist bescheuert. Ich würde das geringere Übel wählen. Dann eventuell die Demokratie.
Menschenmasse oder Einsamkeit?
Einsamkeit.
Studio oder Garage?
Garage.
Freie Liebe oder konventionelle Liebe?
Konventionelle Liebe. Obwohl das voll spießig klingt. Ja, doch, Monogamie.
Stille oder Krach?
Kommt ganz drauf an, in welcher Verfassung ich mich gerade befinde.
Sparen oder ausgeben?
Ausgeben. Hundert Prozent ausgeben.















