Anzeige
"Rockt es oder rockt es nicht?"
Schauspieldozent Tobias Gramowski im Gespräch mit der Journalistin Julia Eigendorf.
Vor eineinhalb Jahren gründete Tobias Gramowski in Mainz die Unterrichtsinstitution SCHAUSPIELLABOR. Im Interview spricht er über die Philosophie hinter seinem experimentellen Schauspielunterricht und über seine Methoden.
Herr Gramowski, Sie sind zwar ausgebildeter Schauspieler, aber warum trauen Sie es sich zu, andere Menschen in dieser Kunst zu unterrichten?
Gute Frage. Sehr gute Frage. Wären Sie bei mir im Kurs, würde ich Sie erst mal fürs Kritischsein und fürs Hinterfragen loben.
Danke für das Kompliment, wie großzügig!
Im Ernst! Hinterfragen und kritisch sein ist essentiell. Schauspieler werden oft dumm gehalten. Wir sollen möglichst keinen eigenen Willen haben, sondern uns dem Regisseur und seinem Konzept unterordnen. Das ist nicht nur im Theater so, das beginnt oft schon an der Schauspielschule. Viele Schauspiellehrer sind in der Tat Scharlatane.
Scheint so, als ob Ihnen da einiges an Unmut über Schauspielschulen unter den Nägeln brennt? Wem oder was mussten Sie sich denn unterordnen und was läuft denn bei Ihnen so anders?
Ich habe mich als Schauspielschüler eigentlich nur mir selbst untergeordnet. Besser gesagt, ich habe mich der Vorstellung untergeordnet, daß Schauspieler funktionieren und gefallen müssen.
Müssen sie das nicht?
Nein.
Auch nicht, wenn sie einen Rolle kriegen wollen?
Schauspieler – oder sagen wir besser, deren Darstellung – ist nicht spannend, wenn sie gefallen wollen. Sie ist dann spannend, wenn sie Menschen sind, wenn sie echt sind, wenn sie ihren Impulsen folgen. Wenn sie das tun und
spielen, was gerade jetzt zutage tritt. Und zwar auch in einer geprobten Szene, in einem fertig inszenierten Stück.
Wenn ich das jetzt auf Ihre Arbeit als Schauspiellehrer übertrage, dann scheint Ihnen Spontanität sehr wichtig zu sein? Macht dann da jeder Schüler was er will? Und was bringen Sie denen dann bei?
Wir legen bei der Konstituierung eines jeden Kurses fest, wo die Reise hingehen soll. Ich bin der Bergführer. Ich kenne den Berg. Die Gruppe entscheidet, wie anspruchsvoll die Tour werden soll. Wenn ich weiß wo die Gruppe hin will,
wie weit sie kommen will und wie ʺleistungsstarkʺ jeder einzelne Teilnehmer ist, dann überlege ich mir eine Vorgehensweise für die nächsten Wochen bis Monate. Allerdings ist diese Planung nicht starr. Sie kann nach den Erfordernissen der Gruppe und deren Entwicklung modifiziert werden ‐ und das passiert auch immer wieder.

















Kommentare
... Wovon redet dieser Mensch? Trotzdem ein sehr unterhaltsames Interview dank der kreativen Frau Eigendorf ... super Job.