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"Techno war ein Feeling"

Mekka in Mainz? Für Anhänger der schnellen Beats und schwarzen Scheiben liegt dieses in der Hinteren Bleiche 47, im Plattenladen Overdrive.

Ein Gespräch mit DJ und Ladenbesitzer Andy Düx über die Techno-Szene, die heutige Jugend und warum früher alles besser war.

 

Ein wenig versteckt liegt Overdrive im Mainzer Bleichenviertel. Im Schaufenster stapeln sich die bunten LP-Cover in den Regalen. Wie in alten Zeiten können Musikliebhaber in den alphabetisch geordneten Reihen nach der neusten Platte von Künstlern wie Paul Kalkbrenner oder Mark Henning stöbern. Das Angebot reicht von Elektro, House über Minimal bis hin zu Techno und Dance. Eine Ecke mit diversen Action- und Horrorfilmen gibt es ebenfalls. An der Ladentheke, an der links ein DJ-Set aufgebaut ist, steht Besitzer Andy Düx und begutachtet seine Plattensammlung. Zum Laden gehört darüber hinaus auch das Plattenlabel Overdrive Records, welchees in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen feiert. In diesem Rahmen wird das Label auf Clubtour gehen und eine digitale sowie zwei Vinyl-Compilations mit Tracks seiner Künstler veröffentlichen.

 

STUZ: Du bist DJ, Produzent und Ladeninhaber. Was steht bei dir an erster Stelle?

Andy Düx: Am ehesten ist es immer noch DJ zu sein. Das hat einfach Klasse. Für mich ist es immer noch etwas Besonderes, vor Leuten zu spielen.

 

Wie kamst du auf die Idee, ein eigenes Plattenlabel zu gründen?

Ich habe in den 80er Jahren in einem Plattenladen gearbeitet. Irgendwann hat man den Ablauf mitbekommen, wie alles funktioniert. In der Zeit sind neue Labels wie aus dem Boden geschossen. 1990 haben wir dann das Label gegründet. Es ist eines der ältesten elektronischen Labels Deutschlands.

 

Der Schwerpunkt von Laden und Label liegt auf Techno, Minimal und House. Was fasziniert dich an dieser Musik?

Für mich hat alles in den 80ern mit Elektro angefangen. Das war so eine Art Explosion. Da ist ein gewisser Spirit drin. Es geht um das Feeling, nicht um die Texte. Aber heute ist das nichts Besonderes mehr. Elektro ist nur noch ein Teil der kulturellen Bewegung, mehr nicht.

 

Inwiefern hat sich die Techno-Szene im Gegensatz zu früher geändert?

Heute ist alles ein bisschen oberflächlicher als früher. Ich kenne Leute, die haben für Techno gelebt und haben sich dann auch die bestimmten Klamotten gekauft. Mich regt auf, dass viele Leute zu mir auf eine Party kommen, aber sich nicht mehr in die Musik integrieren können. Die gehen freitags ins 50 Grad, samstags ins Kumi, weil sie so cool sind und danach morgens noch auf eine Schlagerparty. Das geht einfach gar nicht. Die Zugehörigkeit zu einer Musikrichtung fehlt der Jugend.

 

Kann man als DJ heute überhaupt noch einen neuen Sound kreieren?

Heute besteht elektronische Musik daraus, dass man verschiedene Komponenten zusammenfügt. Es ist nichts Neues mehr erkennbar. Das hat aber auch mit der Jugend zu tun. Früher war Musik ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Heute ist sie vielleicht auf Position fünf oder sechs. Ich war zum Beispiel verrückt nach Depeche Mode und habe alles von denen gehabt. Heute lädst du ein Lied runter, das dir gefällt und der Rest der Platte ist dir egal.

 

Du legst seit 1978 auf. Wie genau bist du mit dem DJ-Beruf in Berührung gekommen?

Mit 15 war ich in der Tanzschule und habe immer den DJ beobachtet, wie er arbeitet. Ich wollte das auch machen und jedes Mal habe ich ihm zugeschaut, wie der das macht. Ich hab dann im Dorian Gray in Frankfurt aufgelegt, das hat sich herumgesprochen und ich wurde für ein Mayday gebucht. Dann lief alles so weiter.

 

Inwiefern wird sich das DJ-Dasein in den nächsten Jahren ändern?

Ein Jugendlicher, der heute DJ werden will, fängt mit mp3 an, ganz klar. Wegen der digitalen Möglichkeiten kann heute jeder DJ werden. Es ist natürlich auch eine Kostensache. DJs, die Vinyl spielen, sind zurückgegangen, aber der Laden ist recht stabil.

 

Seit 1978 legt Andy Düx seine Platten in Clubs auf. Zu Beginn im Big Apple in Wiesbaden, sorgten seine Auftritte für immer größeres Interesse und er wurde DJ im berühmten Dorian Gray in Frankfurt. Während seiner musikalischen Laufbahn trat er bei Großveranstaltungen wie Mayday, Nature One und Gazometer auf. 1990 gründete er zusammen mit Udo Niebergall das Label Overdrive. 1991 nahm es den Vertrieb auf. Seit 2010 wird das Label über Vinyllabor vertrieben. Zu Overdrive gehören ebenfalls die Sublabels over-x und staub. Seit 1992 bietet der Overdrive Record Store in der Hinteren Bleiche in Mainz Schallplatten im Bereich Techno, House Minimal und Elektro an. Außerdem sind DJ-Mixer, Systeme, Kopfhörer und diverse Action-DVDs im Store erhältlich. Seit 2011 teilt sich Andy Düx die Label-Führung mit DJane Sophie Nixdorf.

 

Autor: 
Lara Malm
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Galerie: 
Andy Düx
Overdrive - Inside
Overdrive - Outside