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"Wir haben viel getrunken, viel gefeiert und es hat uns alle reingezogen."

Ducking Punches aus England spielten auf dem AStA-Sommerfest am 26.07.2014. Wir haben vorher mit Sänger Dan Allen über die Anfänge, ihre D.I.Y-Einstellung und das neue Album gesprochen.

 

 

STUZ: In den letzten Wochen wart ihr in Europa auf Tour. Wie war es bis jetzt für euch?

 

Dan Allen: Unglaublich. Das ist unsere erste Tour mit der kompletten Band und wir lieben es. Es ist jedes Mal unbeschreiblich. Die Konzerte waren gut, das Wetter ist fantastisch. Wir hatten eine Menge Spaß.

In Budapest haben wir auf einem großen Schiff gespielt, das war mit Abstand die beste Location.

 

2010 erschien das erste Album „Ducking Punches“ im Netz. Nur Du mit einer Gitarre. Wie und wo hat das begonnen?

 

Als ich 15 war habe ich in einer Ska-Band gespielt und irgendwann ist das dann auseinander gebrochen. Unser Saxophonist ist nach Japan gezogen und ich hab es gehasst keine Musik mehr zu machen. Also hab ich einfach eine Akustikgitarre genommen und es so gemacht. Das war einfachste Weg. Es ist nicht immer so befriedigend, wie mit einer ganzen Band, aber so hat es halt angefangen. Über die Zeit kamen Freunde aus Norwich dazu und jetzt sind wir eine komplette Band.

 

„Ducking Punches“ (dt. duckende Schläge) ist eine Boxtechnik. Wie kam es zu dem Namen?

 

Eine Zeitlang hab ich in Peterborough gelebt, wo es ziemlich harsch zu geht. Einmal wurde ich da zusammen geschlagen und als ich einem Freund erzählte was passierte und dass ich „Ducking Punches“ gebraucht hab, meinte er: „Das ist der Name“. Wir verstehen uns als eine Anti-Gewalt Band, passt also ganz gut.

 

Ihr bezeichnet euch als Folk-Punk Band. Siehst du dich durch Folk und Punk sozialisiert?

 

Ja, wir sind von beidem beeinflusst. Am Anfang war es noch mehr Folk mit Punk-Einlagen. Aber mit der kompletten Band wird es einfach lauter und das merkt man auch beim Lieder schreiben.

 

In dem Video zu „D.I.Y or Die“ stecht ihr euch selber Tattoos. Wie prägend ist die Do it yourself-Einstellung für eure Musik?

 

Sie ist so wichtig. Sie ist das Rückgrat von jeder Musik, die ich bis jetzt gemacht habe. Wir haben unsere Touren selber gebucht und machen es immer noch. Unsere Alben haben wir selber herausgebracht. Okay, jetzt haben wir mit No Panic Records, ein wirklich gutes Label, das praktisch auch ein D.I.Y-Label ist. Ich bin mit dem Punkrock-Etikett aufgewachsen und das ist wichtiger als alles andere. Es geht darum seine eigenen Konzerte zu machen und eine Gemeinschaft zu haben, in der man sich nicht um Geld kümmert, sondern um Spaß und Musik. Ich spiele lieber eine Konzert vor 10 Leuten die es lieben, als vor 1000 Leuten die sich nicht darum kümmern.

 

Frank Turner unterstützt euch sehr und es scheint so als seit ihr in einer aktiven Musikszene in England verwurzelt. Du tauchst in Rob Lynchs Video zu „Hawking“ auf. Glaubst du an Musik die mehr von Freunden unterstützt wird, als von TV-Werbungen?

 

Zu 100 Prozent. Musik die gemacht wird, um sie zu verkaufen ist nicht vollständig, sie hat keine Seele, kein Herz. Die Musik die meine Freunde machen ist wunderbar und die unterstütze ich ohne Rückhalt.

 

Es gab eine Zeit, in der ihr selber Konzerte in eurem Haus veranstaltet habt. Das Lied „Big Brown Pills from Lynn“ erzählt davon. Wie war das für euch?

 

Wir haben Punkrock-Konzerte in unserem Wohnzimmer gemacht, genau. Natürlich war es toll. Das war nicht eine Person, die das alles alleine gemacht hat, sondern wir haben das in einer Gemeinschaft gemacht. Trotzdem war es anstrengend. Wir haben viel getrunken, viel gefeiert und es hat uns alle reingezogen. Daher kommt die Zeile: „We had all the attention / Goddamn it nearly killed us“.

 

Am Anfang des Jahres habt ihr euer Album „Dance before you sleep“ rausgebracht. Was ist damit gemeint? Steckt in allem, so schlecht es auch sein mag, noch etwas Optimismus?

 

Ja, es geht um den Moment, dass du dein Leben total ausschöpfst. Es bringt nichts auf irgendetwas zu warten, weil es nie kommen wird. Du musst die Möglichkeiten nehmen und eine gute Zeit mit deinen Freunden verbringen. Das ist unser Lebensweg.

 

Die Hauptthemen sind Alkohol, das Zuhause verlassen und der Tod. Auf den ersten Blick mag das sehr düster klingen, gleichzeitig gibt es aber eine Zeile wie: „Death, he looks down on me and shakes his head: I'm not taking you just yet.“ Woher kommt der textliche Einfluss?

 

Vieles ist auf den Tod fokussiert, weil ich weiß, dass er irgendwann kommen wird. Auf der einen Seite will man sein Leben ausnutzen und auf der anderen Seite ist man sich bewusst, dass es enden wird. Wenn du das akzeptierst, dann kannst du nicht einfach mehr zu Hause bleiben und Fernsehen gucken und auf dem Sofa rumhängen.

 

„Six Years“ bringt das ziemlich genau auf den Punkt.

 

Ich wollte dieses Lied schreiben, nachdem sich mein Freund umgebracht hat. Es hat mich sechs Jahre gekostet bis ich wusste, wie an ihn gedacht werden soll. Ich wollte nicht darauf beharren, dass ich traurig bin. Es geht viel mehr darum, dass sein Leben wunderbar war, weil er mir viele positive Sachen beigebracht hat. Aber trotzdem ist es eine Schande, dass er nicht mehr da ist.

 

Wie geht es mit euch weiter? Habt ihr Päne?

 

Im September touren wir in Irland und im Oktober geht es nach Amerika. Dann machen wir eine Konzertpause, werden das neue Album schreiben und es im Januar und Februar aufnehmen. Hoffentlich können wir es im Mai 2015 raus bringen, um so schnell wie möglich wieder unterwegs zu sein.

 

Autor: 
Tobias Siebert
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