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Roadmovie fürs Theater

Unter der Regie von Philipp Löhle ist am Staatstheater Mainz das mehrfach ausgezeichnete Stück „Mörder“ von Alexander Moltschanow zu sehen: Eine Chaos-Reise durch die russische Provinz, bei der auch die Liebe nicht zu kurz kommt.

 

Mit dem postdramatischen Theater ist das so eine Sache. Kaum hat man sich als Zuschauer an die Erzählweise gewöhnt und kann das Stück genießen, ist es auch schon zu Ende. Dabei klingt die Geschichte von „Mörder“, das am 18.04. am Staatstheater Mainz Premiere feierte, zunächst sehr einfach. Student Andrej hat eine Leidenschaft, die ihm ein Problem verschafft: das Spielen. 12.000 Rubel hat er sich dafür bei Goldkettchen-Obermacker Seka geliehen und dieser möchte es natürlich schnellstmöglich zurückhaben. Doch Seka zeigt auf seine spezielle Art und Weise ein weiches Herz und gibt Andrej noch eine Chance, seine Schulden loszuwerden. Er schickt ihn zu einem anderen Spieler um Geld einzutreiben - notfalls auch zu töten. Damit dabei nichts schiefgeht, begleitet Sekas Freundin Oksana den jungen Mann, der einfach nicht zum Mörder werden will.

 

Dabei ist „Mörder“ wohlbemerkt kein bitter-ernster Selbstfindungsquatsch, sondern eine Komödie. Die Charaktere befinden sich immer wieder in Situationen, die nicht nur gespielt, sondern auch kommentiert werden und so an Skurrilität gewinnen. Diese Wirkung wird durch die schauspielerische Darstellung nicht nur unterstrichen, sondern driftet leider stellenweise ins Lächerliche. Dennoch ist die Ausgestaltung der drei Figuren sehr liebevoll. Zlatko Maltar, der nicht nur Seka, sondern auch alle Nebenrollen spielt, brilliert vor allem als Andrejs Mutter und Felix Mühlens Andrej wächst einem einfach ans Herz.

 

Kleinigkeiten sind es, die an dieser Inszenierung überzeugen und einen lächeln lassen, zum Beispiel, wenn das Knallen einer aufgeblasenen Brottüte als Geräusch fallender Schüsse dient.

 

„Mörder“ überzeugt zwar nicht auf ganzer Linie, aber es gibt einiges zu entdecken und das sorgt für gute Unterhaltung in dem kurzen Stück.

 

 

Weitere Aufführungen von „Mörder“ sind am am 4. Mai, 3., 10. und 27. Juni im Staatstheater Mainz zu sehen.

Autor: 
Lisa-Mareike Junge
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Foto: Bettina Müller
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