„Rock wird niemals sterben“
Die dänischen Elektro-Rocker Carpark North waren auf Deutschlandtour und haben die STUZ an einem sonnigen Tag in Frankfurt getroffen. Lau, Soren und Morten über Gigs, Gräber und Gegensätze.
STUZ: Ihr wart schon mehrmals auf Tour in Deutschland. Wie hat es euch gefallen?
Lau: Es ist sehr nett hier. Letztes Mal waren wir mit Stanfour im Dezember in Deutschland und wir sind hier auch schon als Vorband von 30 Seconds To Mars auf Tour gegangen. Jetzt läuft gerade unsere erste Tour als Headliner. So treffen wir nun auch wirklich unsere wahren Fans.
Sind die deutschen Fans anders als die dänischen?
Morten: Also in Dänemark sind wir ziemlich mainstream.
Lau: Hier fühlt es sich dagegen so an, als ob die Leute wirklich unsere Musik mögen und uns hören möchten. Die Leute nehmen an der Show teil und stehen nicht nur dumm rum.
Morten: In Dänemark ist es mehr so, dass die Leute zu unseren Konzerten kommen, weil sie wissen, dass wir berühmt sind und wir viele Hit-Singles haben.
Lau (unterbricht): Eigentlich ist es ja hier genauso (alle lachen).
Soren: Ich denke, wir sind hier exotischer (grinst).
Zu eurem aktuellen Album „Lost“ hat ihr mal gemeint, dass es davon handelt, sich zu verlieren. Wie verliert ihr euch persönlich?
Lau: Ich glaube das beste Beispiel, sich zu verlieren, ist im Proberaum, wenn wir unsere neue Musik schreiben und völlig darin aufgehen. Oder wenn du zum Beispiel aufwachst nach einem Konzert und du dich an das Scheinwerferlicht erinnerst, in dem du standest. Das ist der Moment, in dem du dich verlierst. Darum geht’s auf dem Album.
„Lost“ ist eine Kompilation eurer vorherigen Alben und ihr habt den Track „Human“ neu aufgenommen. Findet ihr ihn besser als das Original?
Soren: Ja, absolut. Wir haben uns musikalisch ziemlich verändert in den letzten Jahren und „Lost“ ist so, wie wir momentan klingen. Ich denke, besonders „Just Human“ passt sehr gut zu unserem Sound.
Einige eurer Lieder haben eine ernstere Thematik. Woher kommen eure Ideen?
Lau: Ich bekomme viele Ideen, wenn ich Filme schaue. Daher kriege ich die Lyrics. Wir haben auch Zeilen im Proberaum an den Wänden verteilt, sodass wir nur von Wörtern umgeben waren.
Soren: Wir sind auf jeden Fall ernster geworden. Wir nehmen uns jetzt mehr Zeit für die Lyrics, sie sind eins mit der Musik.
Lau: Wir haben die Zeilen für das Lied „Save Me By Myself“ über Skype geschrieben, das war sehr lustig. Aber der Song ist trotzdem richtig gut geworden.
Ein lustiger Insider über euch war, dass ihr das Wort „Carpark“ als „Friedhof“ falsch übersetzt habt...
Soren: Wir wussten einfach nicht, was Carpark North bedeutet (alle lachen).
Morten: Wir dachten, dass „Carpark“ Friedhof bedeutet, also Metall, düsteres Zeugs und so. Der Norden steht für das Schöne, den Himmel und die Sterne. Ich bevorzuge eher das Nördliche.
Lau: Ich mag beide Symbole, weil ich denke, dass sie einander brauchen. „Carpark“ steht für den Rock und „North“ für den Elektro.
Viele dänische Bands haben ein Faible für elektronische Musik, die auch in anderen Ländern ziemlich gehypt ist. Einige sprechen schon vom „Death of Rock Music“. Was meint ihr dazu?
Morten: Ich glaube nicht, dass die Rockmusik jemals sterben wird. Es ist eine Art Lebensgefühl und sie drückt Gefühle aus, die andere Genres nicht rüberbringen können. Aber Rock ist definitiv weniger beliebt geworden in den letzten Jahren.
Lau: Es ist eben eine Art Modeerscheinung, was momentan beliebt ist.
Morten: Die Musik im Radio ist sowieso gerade echt langweilig. 80 Prozent ist Hintergrundmusik mit immer den gleichen Synthesizer-Sounds. Das nervt.
Welche Band hört ihr momentan so? Ihr werdet ja mit Muse und Radiohead verglichen...
Lau: Du kannst um Radiohead nicht herumkommen, weil sie zu wichtig sind. Daft Punk waren ebenfalls bedeutend für unsere Entwicklung. Ich höre aber auch gerne Björk.
Soren: Ich mag Peter Fox. Es ist lustig, denn ich verstehe kein Wort von dem, was er singt. (lacht)
Eine eurer Platten heißt „Grateful“. Was macht euch dankbar?
Soren: Ich bin unserem Publikum sehr dankbar. Besonders in den Momenten, in denen du von der Bühne auf die Fans schaust und siehst, wie viele Leute da stehen. Wir haben mal in Berlin gespielt und es waren Leute extra aus Finnland da. Das war sehr cool.
Lau: Wir sind auch dankbar, dass wir davon leben können, was wir machen. Viele Leute sind damit nicht so erfolgreich.













