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Sehen – und die Welt verändern
Manche Themen sind nicht neu und trotzdem unerschöpflich. Dies hat der französische Regisseur Arnaud Michniak in seinem Stück „Nichts Neues“ bei der Theater-Biennale „Neue Stücke aus Europa“ gezeigt.
„On ne voit pas!“ – man sieht nichts – schreit einer der vier Schauspieler verzweifelt über die Bühne. Aber was will ich eigentlich sehen? Und warum? Wie kann ich die Welt ändern, damit ich etwas sehe? Muss ich überhaupt etwas ändern oder tut das nicht die Welt mit uns? Philosophische Fragen zum Sinn des Lebens, in hohem Volumen von vier Freunden kontrovers ausdiskutiert.
Zwei Männer und zwei Frauen, eine beginnende Nacht, viele Flaschen gutes Gesöff und der Drang sich mal über den ganzen Sinn des Seins zu unterhalten. Wobei die eine dann stört, dass immer nur geredet wird, nichts aber passiert, der andere leicht cholerisch seinem unbefriedigten Revoluzzerdrang freien Brülllauf lässt, die eine hin und her schwankt zwischen Liebe zu ihm und Unverständnis zu seinen Positionen und dem ergriffenen Gefühl, sehr nah an der Erkenntnis zu sein. Und er immer mal wieder einen Handstand gegen die Wand macht. Alle anderen auch. Vielleicht versteht man upside down ja mehr.
Wer hat sich diese Fragen noch nicht gestellt, die Idee gehabt, etwas Großes zu bewirken und die Angst, doch nur ein Wasserfloh auf dem Ozean zu sein. Gespürt, dass die Nacht einen kennt und morgen der wunderbar erschreckende emotionale Fluss dahin ist. Also lasst uns auf bleiben und streiten und vertragen und gemeinsam bis zum Innersten vordringen! Und ab und an ein Fläschchen öffnen und mal Sekt über die ganze Bühne sprühen!
Mit eindringlich einfacher Kulisse, einem Tisch, vier Stühlen, schwarzen Stehwänden, Mikros und einer Leinwand mit Videos von revoltierenden Menschen wird der Zauber der Nacht hoch beschworen; die teils extreme Lautstärke, kombiniert mit monotoner Übersetzung aus dem einohrigen Kopfhörer bricht diese leider wieder und macht den Theaterbesuch zwar durchaus zu einem lohnenswerten, aber auch höchste Konzentration forderndem.
Der Morgen danach ist verkatert dargestellt und noch gefüllt von dem unbestimmten Gefühl der letzten Nacht, und der Einsicht, dass jeder seine eigene Ansicht zum Leben hat.
Im Malersaal des Wiesbadener Staatstheaters übertrumpfen die französischen Schauspieler sich in Mono- und Dialogen, reden viel – oder doch wenig? – und lassen eine wirkliche Handlung eher außen vor. Für manche Zuschauer ist das anscheinend zu anstrengend, die Atmosphäre scheint von einem regen Kommen und Gehen geprägt.


















