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Shame

Ein Film, der im Hier und Jetzt spielt, ein Film, der zu keiner anderen Zeit als heute spielen könnte.

 

„In Steve McQueens Debut „Hunger“ (2008) ging es um einen Mann ohne Freiheit, der durch die Verweigerung seiner Bedürfnisse den Akt des „Frei Seins“ erlebt. In „Shame“ geht es nun um einen Menschen, der sich durch die Freiheiten des Lebens das eigene Gefängnis schafft.“( McQueen)

 

Brandon (Michael Fassbender) ist ein erfolgreicher Mann und mit einem Alter von 30 Jahren in der Blüte seines Lebens. Er hat alles: Geld, eine elegante Wohnung, ist sportlich und versprüht jede Menge Charme. Es scheint, als bräuchte man nichts mehr zu einem glücklichen Leben. Doch hinter diesem Schein verbirgt sich die Kluft, vor der unser Protagonist steht. Brandon hat keine sozialen Beziehungen, mehr als ein paar Kneipentouren mit seinen Arbeitskollegen kommen für ihn nicht in Frage. Er bestellt sich Nutten, hat Sex mit Fremden und ist ein beliebter Kunde im Sexchat, so hat er alles im Griff. „Shame“ beginnt mit den drängenden Telefonanrufen seiner Schwester Sissy (Cary Mulligan), sie fleht um Kontakt, doch  jeder verpasste Anruf wird gelöscht und jede traurige Telefonmelodie überhört. Brandon will seine Schwester offensichtlich nicht in seinem Leben. Eines Abends kommt er nach Hause und merkt, er ist nicht allein. Bewaffnet mit einem Baseballschläger stürzt er sich in sein Badezimmer. Und wer liegt dort in der Badewanne? Seine Schwester, natürlich. Erstaunlicherweise akzeptiert er, dass sie bleibt auch wenn er weiß, dass er dadurch seinen Lebensstil erst mal einschränken muss. Sissy ist Sängerin und bewegt ihn dazu, endlich zu einem ihrer Gigs zu kommen. Zusammen mit seinem Chef erlebt Brandon einen ersten emotionalen Zusammenstoß mit seinem Innersten – als seine Schwester singt.

 

Von da an merkt man, Brandon kann seine Gefühle nicht in sein Leben lassen. Er versucht sein krankhaftes Verhalten zu vergessen, schmeißt alles weg was ihn daran erinnert. Die Spielzeuge, Pornos und zu guter Letzt seinen Laptop. Doch er wird einfach nicht Herr der Lage, als Sissy auch noch mit seinem Chef schläft und er zum ersten Mal versucht, eine normale Beziehung zu einer Frau aufzubauen und weder in der Lage ist, ein Gespräch zu führen, noch einen Hoch zu kriegen. Sissy muss gehen, egal wohin. Brandon stürzt sich hinaus ins Nachtleben, explodiert in seiner schamlosen Reizbefriedigung, wandelt von Bar zu Darkroom und zum flotten Dreier. Am nächsten Morgen rennt er in übler Vorahnung nach Hause und findet seine Schwester in einem Zustand, an dem er eigentlich nicht Schuld sein will.

 

Steve McQueens „Shame“ ist ein Film, der darstellt, in was für einer Verwirrung das Individuum sich in unserer reiz-überfluteten Gesellschaft befindet. So viel ist verboten, nicht respektiert und doch erwünscht. Frau soll immer griffbereit, aber keine Schlampe und Mann immer der King im Bett, aber kein Macho sein. Der Reiz „Verbotenes“ zu tun wird immer mehr gefordert und gerade durch das Internet ermöglicht. Das Thema ist aktuell und regt zum Denken über unsere verkorksten Wertvorstellungen an. Daher ist es schade, dass der Regisseur der Geschichte einen festen Rahmen gibt.

Autor: 
Yana Prinsloo
Ressort:
Film / Kino
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Galerie: 
Shame, Plakat
Shame, Michael Fassbender als Brandon
Shame, Cary Mulligan als Sissy
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