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STUZ-Autorentipp Vol. III

Ilija Trojanow – Kosmopolit und Philanthrop

Es gibt nicht viele deutsche Schriftsteller, die die Gegensätze der Gesellschaft mit einer sprachlichen Leichtigkeit behandeln, wie Ilija Trojanow. Bekannt durch seinen Bestseller „Der Weltensammler“ ist er Verfasser zahlreicher Bücher, die vor allem die Unterschiedlichkeiten der Kulturen thematisieren.

Dabei liest sich bereits seine Vita wie ein Abenteuer: Trojanow, geboren in Sofia, erhielt in Deutschland politisches Asyl, nachdem er dorthin mit seinen Eltern über Jugoslawien und Italien geflohen war. Später zog es die Familie nach Kenia; in Nairobi machte Trojanow sein Abitur. Es folgten längere Aufenthalte in München, Mumbai, Kapstadt und Wien. Er pilgerte nach Mekka und lernte Hindi und Sanskrit von einem Guru während seiner Zeit in Indien. Für seine Bücher ist er mehrmals ausgezeichnet worden, er bekleidete die Tübinger Poetik-Dozentur und war 2007 Stadtschreiber von Mainz. Es ist wohl dieser Mobilität und dem damit verbundenen Erfahrungsreichtum geschuldet, dass Trojanows Bücher eine besondere Tiefe besitzen, die er mit einer intelligenten und farbenprächtigen Sprache verbindet. Das zeigt sich insbesondere in der Art, wie der Schriftsteller seine Figuren beschafft, denn es sind die mannigfaltigen Facetten des Menschseins, die die Charaktere authentisch wirken lassen. Es ist leicht, sich in das Geschehen einzufühlen, den morgendlichen Dunst an den Verbrennungsstätten der indischen Ghats vor Augen zu haben oder seinen rauchig-süßen Geruch einzuatmen. Trojanow hat es selbst schon erlebt.

Es ist aber auch die Menschenfreundlichkeit, mit der der Schriftsteller auf seine Figuren blickt, die ihn lesenswert macht: Soziale, kulturelle und religiöse Konflikte analysiert Trojanow in seinen Reisereportagen und Romanen historisch und versucht dabei, alle Seiten zu beleuchten. Er ist Kosmopolit und glaubt an die Verschmelzung der Kulturen, die es schafft, die Hindernisse der Unterschiedlichkeit zu überwinden. Diesen Glauben möchte man angesichts der Massaker und Bürgerkriege in der arabischen Welt gerne teilen und Trojanow konstatiert: „In solchen Zeiten geraten die wunderschönen Zeilen des Dichters Amir Khusrau aus dem 12. Jahrhundert allzu schnell in Vergessenheit: Manto shudam to man shudir – Ich bin Du und Du bist Ich.“ Doch das Leben und die Geschichten Trojanows sind Beispiele dafür, wie schön eine gegenseitige Annäherung sein kann.

 

Kurz & knapp: Abenteuer, Multikulti, Menschlichkeit
Unbedingt lesen: Der Weltensammler
Für Freunde von: Jack London, Egon Erwin Kisch

Autor: 
Andreas Marx
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