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STUZ-Autorentipp Vol. IV

Ian McEwan - Das Enfant Terrible

„Mich interessieren die Traurigkeiten, die Komödien, die Grausamkeiten.“ So beschrieb Ian McEwan einmal seine Inspirationen in einem Interview. Der Brite gilt als Meister der düsteren Schreibkunst. Einst gab ihm die Presse den Spitznamen „Ian Macabre“. Nur schreibt McEwan keine Horrorgeschichten, sondern stellt die Abgründe der menschlichen Psyche seiner Protagonisten heraus. Makaber kann das Ergebnis dann durchaus werden. Geboren 1948 in Hampshire als Sohn eines Berufssoldaten, verbrachte der Autor seine Kindheit größtenteils in Ostasien, Deutschland und Nordafrika. Die damals dort herrschenden Konflikte prägten sein Verständnis von Politik: ein in seine späteren Werke einfließendes Thema. Er studierte englische Literatur und lehrte später auch selbst an der University of Sussex. Bereits seine erste Kurzgeschichtensammlung „Erste Liebe, Letzte Riten“ (orig. „First Love, Last Rites“) von 1975 erhielt internationale Beachtung – wenn auch mit gemischten Kritiken.

Tragische Geschichten über Sexualität und Erwachsenwerden von Jugendlichen standen im Mittelpunkt der Frühwerke. Der Schriftsteller spielt mit dem Grotesken, der Perversion, der inneren Zerrissenheit – Gefühlen und Gedanken von Individuen mit extremen Persönlichkeiten. Nichts für sanfte Gemüter. Sein Roman „Liebeswahn“ (orig. „Enduring Love“) dreht sich zum Beispiel um die Beziehung zwischen dem Protagonisten und seinem Stalker. Obsession und psychische Störungen sind hier Gegenstand der Handlung. Kein Zuckerschlecken, sondern ein intensives Eintauchen in das menschliche Seelenleben. Darin ist Ian McEwan ein Könner.

Oft kommen politische Hintergründe und sozialgesellschaftliche Themen in seinen Geschichten vor. Der Roman „Solar“ behandelt das Thema Klimawandel und enthüllt mit schwarzem Humor Charaktere, die von Doppelmoral und Opportunismus geleitet sind. „Am Strand“ (orig. „On Cecil Beach“) spielt wiederum in streng gesitteten Kreisen Anfang der Sechzigerjahre, in dem zwei frisch Verheiratete mit ihren Innenleben kämpfen. Mit einer außergewöhnlichen Präzision und Einfühlsamkeit schildert McEwan die Sehnsüchte und Ängste seiner Figuren. Viele seiner Werke wurden verfilmt, darunter auch „Abbitte“ (orig. „Atonement“) mit Keira Knightley in der Hauptrolle. In diesem Buch setzt eine junge Pubertierende eine Lüge in die Welt, die schwere Folgen für alle Beteiligten hat. Schönes und  Schreckliches gehen bei McEwan Hand in Hand. Der Leser fühlt, wie es im Inneren der Figuren aussieht und versteht dadurch auch ihr zum Teil ambivalentes Handeln. Berührend und abschreckend zugleich ist diese Erfahrung mit der literarischen Welt McEwans. Meist haben die Storys kein Happy End, aber sie offenbaren einmal mehr, wie sehr die Psyche unser Leben beeinflusst.

Autor: 
Lara Malm
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