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STUZ Clubnacht im Mai
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„Unsere Musik ist ein wilder Hund, der einen Leoparden anbellt“

Das aufgedrehte Mann-Frau-Duo The Kills machte auf ihrer Deutschlandtour auch in Frankfurt halt. Die STUZ sprach mit den beiden über ihre Erfahrungen an der Uni, ihre Abneigung gegenüber Schweden und warum man Platten besser nachts aufnehmen sollte.

 

STUZ: Ihr habt beide bereits Erfahrungen in Bands mit drei oder vier Mitgliedern gesammelt, bei The Kills seid Ihr nur zu zweit. Ist es von Vorteil, dass Ihr bei wichtigen Entscheidungen nur noch Rücksicht auf eine Person nehmen müsst?

 

Jamie: Ob die Chemie in einer Band stimmt, hängt nicht unbedingt von der Anzahl von Leuten ab. Ich und Alison arbeiten einfach sehr gut zusammen - wir sind gute Freunde. Oft sieht man Bands, die sich beim Soundcheck gegenseitig nur fertig machen. Die hängen dann meistens schon viel zulange aufeinander. Wir haben uns noch nie auf einer Tour für mehrere Monate angeschmollt.Alison: Tatsächlich lachen wir die meiste Zeit.

Weil Ihr nur zu zweit seid, müsst Ihr vermutlich selten musikalische Kompromisse schließen.

 

Jamie: Ja, das stimmt absolut. In einer Band mit drei Leuten fühlt sich oft jemand benachteiligt, weil er nicht der Hauptsongwriter ist und denkt, er würde nicht so viel zur Musik beitragen wie die anderen. Oder er ist einfach nur der verdammte Bassist! Der Bass ist echt ein nutzloses Instrument. Wenn sich so ein Bassist benachteiligt fühlt, versucht er, die Kontrolle zurückzugewinnen, indem er schmollt oder jede Idee aus Prinzip ablehnt.

 

Alison: Man merkt Jamie an, dass er schlechte Erfahrungen gemacht hat - das haben wir beide. Wir waren genervt von unseren alten Bands und sind beide Kontrollfreaks. Da ist es einfacher, nur zu zweit in einer Band zu spielen.

Kritiker schreiben häufig, eure Musik sei so knochentrocken und reduziert, dass sie einem Skelett ähneln würde. Fallen euch andere Vergleiche ein, um euren Stil zu beschreiben?

 

Alison: Die Skelettmetapher trifft es auf den Punkt. (denkt nach) Wenn unsere Musik ein Tier wäre, wäre sie ein Pferd.

 

Jamie: Oder ein wilder Hund, der einen Leoparden anbellt (Alison trägt auf der Bühne meist ein Leopardenoberteil, Anm. d. Verf.).

Im Moment orientieren sich viele Bands der letzten britischen Indiewelle wie z.B. eure Labelkollegen Franz Ferdinand in Richtung Elektro um. Beim Hören eurer letzten Platte kam es uns so vor, als würdet selbst ihr als Garage-Punk-Band ein wenig mitziehen.

 

Jamie: Bei uns verändert sich ja mit jeder Platte der Drum-Sound. Das hängt einfach davon ab, wie wir den Rhythmus mit der elektronischen Drum Machine gestalten. Und davon hängt es wiederum ab, ob die Kritiker die Platte als Garage-Platte oder Elektro-Platte beschreiben. Für die letzte Platte habe ich mir einen MPC 60 gekauft, eine Drum Machine, die man vor allem im HipHop benutzt.

Würdest du auch eine pure Old-School-HipHop-Platte aufnehmen?

 

Jamie: Definitv nicht. Ich bin mit Punkrock und New Wave aufgewachsen, mit solchen Bands wie Fugazi und Suicide. Ich höre mir aber auch viele Platten von Bands an, die sich nicht so anhören wie wir - nicht nur HipHop, auch Funk und Soul.

Euer aktuelles Album trägt den Namen „Midnight Boom". Habt Ihr die Songs nachts geschrieben?

 

Jamie: Ja, wir haben die Platte so genannt, weil wir sie zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang aufgenommen haben. Wir stehen immer sehr spät auf. Wenn man von elf Uhr abends bis elf Uhr morgens durcharbeitet, schafft man doppelt soviel wie in der Zeit zwischen elf Uhr morgens und elf Uhr abends. Das liegt daran, dass man in der Nacht nicht ständig unterbrochen wird. Tagsüber kommt der Postbote, das Telefon klingelt, erst ist Frühstückszeit, dann kommt das Mittagessen, dann Abendessen, und dann läuft deine Lieblingsfernsehsendung... In der Nacht aber fällt das alles weg, es ist deine geheime, ganz eigene Zeit.

Ein sehr studentischer Arbeitsrhythmus. Wart ihr auch mal auf der Universität?

 

Alison: Ja, ich habe Kunst studiert. Um mich ganz The Kills zu widmen, habe ich das Studium aber abgebrochen.

 

Jamie: Ich war auf der Goldsmiths University in London und habe dort Theaterwissenschaften studiert. Ich wollte eigentlich Dramatiker werden. Ich habe sogar zu Ende studiert. (Mit gespieltem Stolz) Ich habe meinen Abschluss.

 

Habt ihr irgendwelche besonderen Erinnerungen an die Unizeit?

 

Jamie: Während meines Studiums habe ich in einem besetzten Haus gewohnt und musste keine Miete zahlen. Und so konnte ich mir immer etwas kaufen, wenn ich mein Bafög bekommen habe.

 

Alison: Ein Auto!

 

Jamie (ironisch): Genau, ich hatte jede Menge Autos. Im ersten Semester habe ich mir nur eine Gitarre gekauft, dann im zweiten aber einen 1958er Landrover, und dann ein 1962er Rolls Royce-Feuerwehrauto... Ich stand inmitten meiner mit vielen Autos, alle anderen mussten Miete zahlen (lacht).

 

Anderes Thema: Ihr seid im Moment auf Welttour, wart gerade erst in China und spielt heute hier in Frankfurt. Reagiert das Publikum denn je nach Kultur auch anders bei den Konzerten?

Jamie: Ja, auf jeden Fall. Schweden z.B. ist ein seltsames Land. Gerade haben die Leute in Dänemark bei deinem Konzert die Bühne gestürmt, dann fährst du rüber nach Schweden und plötzlich sind alle Menschen total steif, fast schon wie Roboter. Sie trinken keinen Alkohol nach Mitternacht und werfen nichts auf den Boden. Das sind echt die kontrolliertesten, langweiligsten Menschen auf der Welt. Schweden haben keinen Spaß - die sind viel zu sehr damit beschäftigt, im Spiegel zu kontrollieren, ob sie auch echte Converse an den Füßen tragen.

Ihr habt zwar erst letztes Jahr ein neues Album herausgebracht, aber habt Ihr denn schon nächste Pläne für Zukunft?

 

Jamie: Wir gehen in fünf Minuten in ein mexikanisches Restaurant zum Essen. Ich habe Hunger. Alison, lass uns gehen. Sind wir denn fertig?

Noch eine letzte Frage an dich, Alison. Du arbeitest zusammen mit Jack White von den White Stripes an einem Bandprojekt. Was plant ihr?

 

Alison: Die Band heißt „The Dead Weather". Wir wollen im Juni eine Platte herausbringen...

 

Jamie (unterbricht sie, greift zu einem Kulturflyer und zeigt auf ein Foto von einem Schneemann und einen halbnackten Mann): Das könnt ihr erwarten: Das ist Jack und das ist Alison (lacht sich tot).

 

The Kills sind Alison Mosshart (alias VV, Gesang) und Jamie Hince (alias Hotel, Gitarre und Gesang). Die beiden haben sich im Jahr 2000 in einem Hotel in London kennen gelernt, als Alison hörte, wie Jamie im Zimmer über ihr Gitarre spielte. Sie beschlossen spontan, eine Band zu gründen und haben seitdem sie drei Alben veröffentlicht und sind quer durch die Welt getourt.

Autor: 
Eva Thöne und Jonas Trautner
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