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Vegetarischer Nudist

Christian Kracht // Imperium // Kiepenheuer & Witsch // 18,99 Euro

 

Eine Sache hat Christian Kracht mit seinem neuen, vierten Roman „Imperium“ gescha t: Er hat eine Debatte angestoßen. Wobei, vielmehr war es der Spiegel-Redakteur Georg Diez, der in seiner Rezension Kracht als „Türsteher der rechten Gedanken“ bezeichnet und damit die Diskussion auslöste. Das ist natürlich harter Tobak, und so verwundert es nicht, dass über Wochen Diez‘ Artikel „Die Methode Kracht“, und, wie die Welt es ausdrückte, die „Methode Diez“ die deutschen Feuilletons beschäftigte. Christian Kracht soll es recht sein, es mag sogar ein wenig einkalkuliert sein, ist der Autor doch auch sonst bekannt für krude und manchmal provokante Äußerungen. Nach dieser Vorgeschichte kann man dabei nur ho en, dass das Buch an sich nicht in Vergessenheit gerät. Denn es ist das beste, ausgereifteste das Kracht bisher geschrieben hat. Es geht um eine reale Person der Geschichte, nämlich um den Nudisten und Vegetarier August Engelhardt, der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in die deutschen Südseekolonien aufbricht, um dort der Kokosnuss, der „göttlichen Frucht“, zu huldigen und sich nur noch von ihr zu ernähren. Neben der Geschichte ist es aber vor allem Krachts überästhetisierte Sprache, die gefällt. Sie verleiht der Geschichte eine gewisse Ironie und sichert auch eine Distanz zwischen Erzähler und Erzähltem, zwischen Engelhardt und dem Leser. Für das Gedankengut des „anderen Romantikers und Vegetariers, der vielleicht besser bei seiner Staffelei geblieben wäre“, bleibt da kein Platz.

Autor: 
Matthias Schmidt
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