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Verboten!

In der Wiesbadener Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung ist noch bis zum 4. Mai die Ausstellung „Verboten! Filmzensur in Europa“ zu sehen.

 

Um eine staatliche Reglementierung der Filmindustrie zu vermeiden, wurde die Kontrollbefugnis 1949 offiziell an die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) übertragen. Diese prüft zur Vergabe von Altersgrenzen Filme und andere Medienträger vor der Veröffentlichung. „Zensur begleitet die Medien – allen voran den Film – seit Anbeginn”, erläutert Sebastian Schnurr von der Murnau-Stiftung. Damals drehte sich viel, wie das die Ausstellung in der Stiftung begleitende Originalmaterial der FSK und der Murnau-Stiftung zeigt, um moralische und politische Kontrolle des Materials. Beispielsweise wurden aus dem heutigen Klassiker „Casablanca“, als dieser Anfang der Fünfzigerjahre in Deutschland erschien, durch den Verleih alle Nazis herausgeschnitten, „da man dem ‚gebeutelten Nachkriegsdeutschland‘ diese Inhalte ‚ersparen‘ wollte”, so Schnurr.

 

Heute findet in Deutschland gemäß Grundgesetz keine Filmzensur statt. Allerdings schränken Jugendschutzgesetz und Strafgesetzbuch die Inhalte ein. Die Ausstellung portraitiert auch den Film „Ekstase“ (1933), der beispielsweise erst in gekürzter, zensierter Fassung unter dem Titel „Symphonie der Liebe“ gezeigt werden durfte. Bis heute existiert die „Feiertagsfreigabe“, die Prüfung der Freigabe von Filmen an den stillen Feiertagen wie beispielsweise Karfreitag. „Filmzensur“ kann aber auch andersherum stattfinden: „Clockwork Orange“ schaffte es in England 1971 zunächst unzensiert in die Kinosäle. Nach heftigen Reaktionen des Publikums und Drohungen in Hassbriefen nahm Regisseur Stanley Kubrick den Film selbst ganz aus den Kinos.

Die ursprünglich von CineGraph Hamburg anlässlich des „cinefests - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes“ 2013 erstellte Ausstellung bietet einen interessanten Überblick über Filmzensur in  Europa.

 

Geöffnet ist die Ausstellung zu Kinovorstellungszeiten.

Begleitend zur Ausstellung zeigt die Stiftung eine Filmreihe mit Klassikern wie „Der verzauberte Tag“ oder „Clockwork Orange".

 

 

Autor: 
Frederike Münd
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