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Video killed the Radio Star

Der Mainzer Mediendramaturgie-Student Alain Brunotte macht Musikvideos. Mit „Tripping Children“ von der Band Morning Boy wurde er im Internet bekannt. Die Zukunft verspricht Gutes.

 

Die Geschichte von Alain Brunottes erstem animierten Kurzfilm ist schnell erzählt: „Junge-läuft-vor-Alienweg“. Seit diesen ersten Gehversuchen hat sich einiges verändert. Zwar hat Alain heute mehr Erfahrung mit Animationsprogrammen und kann ausgefeiltere Charaktere am Computer erstellen, doch die Themen in seinen Videos sind immer noch düster. Werwölfe, Außerirdische und Zombies jagen zu treibenden Beats und schnellen Schnitten durch die Szenerie. Alles ist in dunkle Farben getaucht. Selbst für Rotkäppchen gibt es kein Happy-End. Gewalt scheint in Alains Musikvideos allgegenwärtig zu sein. Dabei ist er selbst ein ganz friedlicher Typ. Viele dieser düsteren Sequenzen sind inspiriert durch die harten Töne für die der 26-Jährige seine Videos schreibt. Vielleicht spielt aber auch sein Faible für Horrorfilme mit hinein. Besonders die Klassiker mit Dracula, der Mumie und dem Werwolf haben es ihm angetan. In seinen Musikvideos fallen aber auch humoristische Elemente auf. Wie zum Beispiel bei der Neuinterpretation des Märchens „Rotkäppchen und der böse Wolf“. In dem Video für die Band „Verlen“ wird der Jäger aus dem Märchen als überzogen klischeehafter Crocodile-Hunter dargestellt. 

 

Eine geschlossene Kunstform

 

„Das Musikvideo ist insofern ein tolles Medium, weil es eine abgeschlossene Kunstform ist“, schwärmt der Mediendramaturgie-Student, „das Musikvideo fängt am Anfang des Songs an und hört am Ende auf. Und es kann auch nie mehr sein.“ In Musikvideos kann Alain seine Animationen mit realen Filmszenen verbinden. Das wäre bei einem Kurzfilm ohne aufwendiges Konzept nicht möglich. Musikvideos geben dem Filmemacher die Freiheit, experimentierfreudig zu sein. Er kann abgefahrene Storys schreiben, schnell schneiden und auch mal Fehler machen. Da seine Musikvideos noch keinen Profit abwerfen, finanziert sich der Student über Werbevideos und Logo-Animationen. Außerdem ist er Mitbegründer der Produktionsfirma „Autobahn Produktionen“, die Kurzfilme und Musikvideos anfertigt. Zu Alains Kunden zählen die Indie-Rock Band „Verlen“, die Frankfurter Popmusiker von „Morning Boy“ sowie das Mainzer DJ-Duo „Paque Men“. Dabei schließt er keine Musikrichtung kategorisch aus. „Ich muss etwas finden, das mir an der Musik gefällt. Zum Glück habe ich bisher nur Videos für Bands gemacht, deren Musik ich

richtig gut finde.“ Eigen sind bei Alains Produktionen neben den 3DAnimationen auch Stop-Motion Elemente. In dem
Rotkäppchen Video spielt seine Freundin die Hauptrolle. Dafür wurde in der gemeinsamen Wohnung Nacht für Nacht der Green-Screen aufgebaut. Da das Ganze in Stop-Motion gedreht wurde, machte Alain die einzelnen Aufnahmen mit einer normalen Spiegelreflexkamera und gab die Anweisungen. „Ich habe dann gesagt, in 27 Bildern musst du den Korb in die Hand nehmen und habe immer laut mitgezählt. Zack, Zack, Zack und dann wurden ihre Bewegungen daran angepasst“, erinnert er sich.

 

Mit Liebe zum Detail

 

Das Rotkäppchen-Video zählt zu Alains aufwendigsten Produktionen. Als alle Figuren und Szenen fertig modelliert waren, brauchte sein Computer drei Monate, um die Daten zu verarbeiten. Alain weiß: „Der Zuschauer ist sehr verwöhnt, der sieht einfach nur Hochglanzprodukte.“ Teure Kameras und ein großer Stab an Mitarbeitern sorgen zwar für Hochglanz, stehen aber auch im Konflikt mit dem schmalen Budget von Indie-Filmemachern. Um mit den hohen Standards mitzuhalten, muss man viel Liebe und Arbeit in die Details stecken. Während unsereins nur ein genervtes Augenrollen kassiert, wenn das Wort Perfektionismus fällt, ist der Hang zum Perfektionismus für den Regisseur unerlässlich. „Es muss alles auf den Punkt sein. Ich muss perfekt damit zufrieden sein. Jedes Detail ist wichtig“, bestätigt Alain. „Und wenn es drei Tage dauert, Zeitungsausschnitte auszuschneiden und eine Wand damit zu plakatieren, dann ist es das wert. Selbst wenn man die Wand nur zehn Sekunden lang sieht.“

 

 

Mit seinem Musikvideo „Tripping Children“ der Frankfurter Band „Morning Boy“ hat Alain Brunotte im Internet viel Zuspruch gefunden. Das Video lief u.a. auf Pro7.de, dailymotion, 3min.de (=Telekom Plattform) und wurde Musikvideo der Woche bei Myspace Germany.

 

Wenn ihr sehen wollt, wie unter anderem Rotkäppchen in 27 Bildern nach dem Korb greift, dann klickt auf:

www.youtube.com/user/AlainCinematics
www.myspace.com/AlainCinematics
www.vimeo.com/alaincinematics

 

Autor: 
Miriam Gruber
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Galerie: 
Alain bei der Arbeit
Alain ein junger Filmemacher