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Vom Regen in Seattle

Rocky Votolato, Singer-Songwriter aus Seattle, arbeitet zur Zeit an seinem neuen Album mit Chris Walla. Kurz davor hatte er mit einer kreativen Blockade zu kämpfen.

 

STUZ: Willkommen im deutschen Regenwetter.

 

Rocky Votolato: Danke (lacht). Es erinnert mich an mein zu Hause in Seattle. Ich bin ok damit.

 

Hat das Wetter in Seattle einen Einfluss auf deine Musik?

 

Wenn es sonnig ist fühlt es sich komisch an in ein Studio zu gehen. Wenn es anfängt zu regnen, weiß man, dass man im Studio draußen nichts verpasst. Wahrscheinlich ist das ein Grund, warum es in Seattle eine große Musikszene gibt.

 

Was ist der beste Weg eine kreative Krise zu überwinden?

 

Dieses Wetter zwingt dich ins Haus und dann musst an der Musik arbeiten. Ich hatte einige dieser Phase. Für mich war der beste Weg daraus, weniger kritisch mir selbst gegen über zu sein. Die Musik wieder als etwas zu betrachten mit dem ich Spaß habe. Wenn du eine Karriere hast, fängst du an dir Sorgen zu machen, was die Leute sagen werden, wenn ein neues Album raus kommt. Es ist dein Job Musik zu machen, du verdienst damit dein Geld und alles wird sehr ernst. Dieser Gedankengang stoppt den kreativen Schwung. Ich musste das alles vergessen und einfach schreiben, selbst wenn es Scheiße war. Irgendwann entsteht daraus ein guter Song.

 

Gab es einen Punkt an dem du gemerkt hast, dass du einen Pause brauchst?

 

Ja, es gab diesen Punkt, aber ich hab es nicht gemerkt. Ich hab weiter gemacht und dadurch wurde es schwieriger. Das hat mich blockiert in meiner Kreativität. Ich hab ein Jahr lang keine Lieder schrieben und als mir das aufgefallen ist war ich schockiert. Seit dem ich 13 war habe ich Lieder geschrieben, aber irgendwann kam nichts mehr raus. Vor drei, vier Monaten gab es den Punkt, dass ich einfach wieder geschrieben habe und es hat Spaß gemacht. Es hat sich angefüllt wie zu meinen Anfangstagen. Musik ist in erster Linie Spaß, aber ich für mich war das immer auch eine Art das Leben zu bewältigen. Ein Weg sich mit Trauma und der Seltsamkeit des menschlichen Daseins zu beschäftigen.

 

Wird das Thema Trauma auf deinem neuen Album überwiegen?

 

Ich würde sagen, dass sich einige Themen durch die neuen Songs ziehen. Trauma ist eins davon. Ein anderes ist, dass man seine Lebensaufgabe bewältigen muss. Es ist nicht Musik für jedermann. Was auch immer diese Lebensaufgabe ist. Ich glaube daran, dass jeder von uns eine Aufgabe hat und wenn wir in uns hinein lauschen, werden wir es hören. Es ist hart, denn es gibt eine Menge Druck von Außen. Leute sagen dir, tue dies, lass das. Und da muss man erstmal durchblicken um rauszufinden, was man wirklich machen will.

 

 

Du hast angefangen mit Chris Walla (Ex-Death Cab For Cutie) an deinem neuen Album zu arbeiten. Wie weit seit ihr?

 

Die meisten Aufnahmen sind gemacht. Wir werden uns im Januar treffen, um das Album ab zumischen. Ursprünglich wollten wir alles in zwei Wochen aufnehmen und abmischen, aber als wir angefangen haben, merkten wir schnell, dass das nicht klappt. Wir wollten vieles ausprobieren. Es wird ein Album mit einer ganzen Band, anderes als die Alben davor.

 

Sind es die Texte die dich von anderen Singer-Songwritern unterscheidet?

 

Ich weiß gar nicht, ob es wichtig ist sich zu unterscheiden. Ich folge nicht den Trends und um ehrlich zu sein, was ich auch nicht, was die Leute heute hören. Es gibt Leute wie Chris Walla die intensiver involviert sind. Ich weiß nur, dass ich den Fokus auf die Texte lege und es mir wichtig ist, was ich schreibe. Ich sehe mich mehr als einen Schriftsteller der Gitarre spielt und dazu singt, als einen Musiker der mit Wörtern spielt. An der Washington Universität habe ich mein Abschluss in Englisch Literatur gemacht. Als ich ein Kind war spielte mir mein Vater oft Platten von Bob Dylan vor und das war was mich inspiriert hat.

 

 

In den letzten Monaten hast du eine ausgiebige Wohnzimmertour gespielt. Würdest du sagen, dass deine Musik mehr in eine intime Atmosphäre passt als in eine große Konzerthalle?

 

Wahrscheinlich. Wenn ich eine Band dabei habe, kann ich auch auf einer größeren Bühne spielen. Mir gefällt dieses Intime sehr, denn ich kann mit den Leuten kommunizieren. Wenn es mehr als 500 Leute in einem Raum werden, habe ich eine schwierige Zeit. Du musst die Aufmerksamkeit des Publikums erhalten. Wenn es mehr als 500 sind mag ich es lieber mit einer Band zu spielen. Der Sound ist mächtiger. Wenn ich zurück nach Hause komme werde ich einige Konzerte mit der ganzen Band spielen. Außerhalb von Seattle spiele ich meistens alleine mit meiner Gitarre, so wie ich das mein ganzes Leben lang gemacht habe. Ein Traum von mir ist es, einmal die ganze Band mit nach Europa nehmen zu können. Vielleicht nächstes Jahr.

 

Autor: 
Tobias Siebert
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