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Von Einhornhörnern und schwarzen Löchern

Vom 12. bis 16. Oktober ist wieder Buchmesse in Frankfurt. Gastland in diesem Jahr: Island.

 

Ganz am Ende der Pressekonferenz erzählte Halldór Guðmundsson, isländischer Schriftsteller und der Direktor des  diesjährigen Gastland-Programms „Sagenhaftes Island“, dann noch die Geschichte des dänischen Königsthrons. Der besteht nämlich aus Narwalzähnen, die das Königshaus einmal von den damaligen Untertanen aus Island geschenkt bekam – mit der kleinen Falschinformation, statt aus dem Kauwerkzeug eines Wassertiers bestünde er aus Einhornhörnern. „Die dänische Krone sitzt seit Jahrhunderten auf isländischer Fiktion!“, ist sich Guðmundsson sicher. Dies sei der beste Beweis für die Qualität der isländischen Schriftsteller.

In der guten Stunde vorher hatte Guðmundsson zusammen mit Buchmessenchef Jürgen Boos, Pressesprecherin Katja Böhne und dem Frankfurter Kulturdezernenten Felix Semmelroth das Programm der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Neben dem kleinen Gastland ganz im Nordwesten Europas geht es wie die vergangenen Jahre auch schon vor allem um den Medienwandel. Digitalisierung ist auch in der Buchbranche ein wichtiges Stichwort, auch wenn immer noch keiner weiß, wohin der Weg in den nächsten Jahren führt. „Es ist schwierig zu definieren, was passiert“, sagt auch Jürgen Boos, alle seien im Aufbruch. Deshalb sei der Slogan „neues Denken“ in diesem Jahr nicht nur das unausgesprochene Motto, sondern eben auch im Logo der Messe zu finden. „Das ist nicht das Ende des Publizierens, nur das Aufbrechen des Formats“, beschreibt es der Buchmessendirektor.

Zwei der für dieses Jahr angekündigten Highlights haben allerdings nur bedingt etwas mit Digitalisierung zu tun: Bei der Encyclopedia Britannica gibt es einen Live-Videostream aus einem Bienenstock zu sehen, beim Lexikonverlag Edition Lammerhuber geht es live in den Kontrollraum des Large Hadron Collider, dem Teilchenbeschleuniger am CERN in Genf. Beides wäre zwar ohne moderne Technik nicht möglich, ist letztlich aber doch vor allem PR für ein ganz altmodisches Buch. Solch aufwendige Aktionen zeigen aber noch etwas anderes: Trotz der Digitalisierung, trotz aller Unkenrufe kann es dieser Buchbranche nicht schlecht gehen. Und das scheint auch für Island und seine Literaturszene zu gelten. Guðmundsson erinnert sich allerdings noch daran, wie er und das Projekt „Sagenhaftes Island“ vor einigen Jahren mitten in der weltweiten Finanzkrise, die beinahe zum Staatsbankrott des kleinen Landes geführt hätte, für völlig verrückt erklärt wurden.
Ein bisschen verrückt sind sie in Island aber sowieso und das beste Beispiel dafür ist vielleicht Jón Gnarr, Oberbürgermeister vom gerade zur Literaturstadt gekürten Reykjavik, der auch auf der Buchmesse zu Gast sein wird. Er trat nämlich für „Die beste Partei“, eine Spaßpartei, an. Und regiert nun die isländische Hauptstadt.

 

Die Frankfurter Buchmesse findet vom 12. bis zum 16. Oktober auf dem Frankfurter Messegelände statt. Die ersten drei Tage sind nur für Fachbesucher (zu denen auch Studenten aller Fachrichtungen zählen), Samstag und Sonntag darf jeder kommen.
Tageskarten kosten 40 Euro an den Fachbesuchertagen (22 Euro für Studenten) und 15 Euro am Wochenende (10 Euro für Schüler, Wochenendticket 21 Euro).

 

Mehr Infos unter www.frankfurter-buchmesse.de

 

Autor: 
Matthias Schmidt
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