Anzeige

Wenn die Millionen kommen …

… muss die Kunst gehen. Dieser Satz ist weniger eine Redewendung, sondern ein leider gewöhnliches  Ereignis, was keinen Menschen überraschen sollte. Auch der ZollHof in Wiesbaden-Biebrich musste sich einem solchen Schicksal beugen. Fotograf Rainer Unholz hält die Veränderungen krampfhaft fest.

 

Eine Welt zerbricht

Eine weitere Stadt in Deutschland hat sich wieder mal hinter der Ausrede  – in dieser ach so schweren Zeit kein Geld für Kunst zu haben – versteckt und investiert daher nicht mehr in Gebäude, die für die Bürger möglicherweise von Bedeutung sind. Nein, leichter ist es, diese zu verkaufen. So wurden die für Kunst und Kultur genutzte 300qm des ZollHofs eiskalt an einen Investor abgegeben. Dieser baut nun Appartements im Mindestwert von eine Millionen Euro. Trotz des armen Deutschlands ist der Andrang auf jene Wohnung am Rhein immens.

 

Die Fotoausstellung

Um sich ein wenig Erinnerung zu wahren und über den Verlust des ZollHofs hinwegzukommen, kam dem Fotografen Rainer Unholz die Idee: Er fotografierte über zwei Jahre lang den Umbau der Kulturstätte. Diese kleine Dokumentation wurde bereits 2007 noch im Zollhofs selbst ausgestellt. Nun sind die – wie er sie betitelt – ZollHof Impressionen im Café El Greco zu bewundern. An der Wand entlang sind seine Fotografien eingerahmt und aufgehängt. Von alltäglichen Schnappschüssen  wie beispielsweise Steckdosen bis hin zu leicht gestellt wirkenden Bildern mit knallroten Rosen auf dem Asphalt, ist alles dabei, was das Biebricher Herz mit dem ZollHof aneinander schlagen  lässt. Einige der Bilder sind künstlerisch durchaus nicht miss zu verstehen: Ein Berg voller Bausstellenschott, aus der Perspektive eines Menschen, der machtlos scheint. Eine abfotografierte graffitibesprühte Wand, die möglicherweise die malerische Seite des Gebäudes symbolisieren soll und Schattenspiele auf dem noch nackten Asphalt der künftigen Einwohner.  Der Schatten steht wohl für die Vergangenheit, die Künstler, die Kunstaktivitäten wie Tanz und Gesang. Und alles was bleibt, ist der Schatten jener Menschen gespiegelt in den Details der Ruine.

 

Einige andere Fotografien sollen wohl nicht richtig verstanden werden: Kabel neben Gullideckeln, ein einzelner Gullideckel, eine weitere kahle Wand. Diese Fotografien haben nicht sonderlich viel mit der Individualität der ZollHofbausstelle zu tun. Abgesehen davon sollte man als Betrachter niemals den Gedanken zulassen, auch in der Lage zu sein, das begutachtete Bild nachahmen zu können.  Sollte es mal der Fall sein, langweilt es nur.

 

Für Insider

Alles in allem sind die ZollHof Impressionen nette, feine Fotografien, verbunden mit dem Verlust des ZollHofs selbst. Unklar ist, wie sehr die Biebricher Bürger durch diese Beraubung gekränkt sind und was der Rest von Wiesbaden denkt. Die Ausstellung kann letztendlich nur interessant für den sein, der wohl auch selbst Künstler im ZollHof war oder sich mit Leib und Seele für Detailfotografie begeistern kann.

 

Autor: 
Jana Hermann
Facebook:
Artikel bewerten:

Dies bewerten

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.7 (3 Bewertungen)

Flattr

Galerie: 
Foto: Rainer Unholz
Foto: Rainer Unholz
Foto: Rainer Unholz
Foto: Rainer Unholz