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Wie viel lässt man sich gefallen?

Die Berliner Nachwuchsautorin Annika Scheffel ist eine Newcomerin in der Buchszene. Nun ist ihr neuer Roman „Bevor alles verschwindet“ erschienen. Dieser gilt als fantasiereich, mit ernsten Nuancen.

 

Annika Scheffel interessiert sich seit ihrer Jugend für die Schreibzunft und für die Verbindung zwischen fantasievollen Erzählungen und der Realität. Ihr neuer Roman „Bevor alles verschwindet“ erzählt die Geschichte eines kleinen Ortes, der willkürlich ge utet werden soll. Sie schildert darin die halbjährig andauernde Konfliktsituation der Bewohner zwischen sich selbst, der befehlshaberischen Macht und dem Umgang mit Fragen, wie es mit ihnen weitergehen soll, wohin und ob sie überhaupt wegziehen können. Beschrieben wird vor allem der Zwiespalt der einzelnen Figuren, sich der oberen Instanz vollends zu beugen oder dagegen  anzukämpfen.

Obwohl das Buch einen stark märchenhaften Charakter hat, werden realistische Themen malerisch eingebunden: ,,Zurzeit gibt es Tagebauwerke in Berlin, die abgerissen werden und Leute sind gezwungen wegzuziehen. Das zerreißt Familien und Freundschaften und man fragt sich, was denn schlimmer sei: das Verschwinden eines Gebäudes oder eines Menschen?!“, bedenkt die junge Autorin. Durch diesen Verlust weist Sche el auf aktuelle soziale Probleme hin. Die Bewohner der Tagebauwerke um Berlin und die Leute in dem kleinen Ort verlieren durch erzwungene Veränderungen ihren Beruf und dadurch ihre Partner. „Diese Menschen sowie die Charaktere in meinem Buch beschäftigen sich mit der Frage, wie man eigentlich sein Leben gestalten darf oder muss. Beispielsweise ist es heutzutage schwer, mit dem eigenen Partner in eine Stadt zu ziehen, da jeder einem bestimmten Job hinterherrennt“, erklärt Scheffel. Sie selbst zog nach Berlin, da diese Stadt Autoren immer wieder neue Inspiration verleihe.

 

Außer Romanen schreibt die 29-Jährige Kinder- und Drehbücher. Auf die Frage, ob sie demnächst mal selbst Regie führen wolle, antwortet sie: „Vorerst bleibe ich beim Schreiben. Das bietet unendlich viele Möglichkeiten, alles sagen zu können, was man will.“ Um ihren Büchern dennoch eine gewisse Farbe zu verleihen, gibt sie sehr gerne Lesungen. Bald auch eine in Wiesbaden zu „Bevor alles verschwindet“. „Ich finde, jeder Leser hat es verdient, die Stimme des Autors persönlich zu hören. Ich freue mich vor allem über die Reaktion der Zuhörer, ob sie denn andocken oder total abgeneigt sind. Wobei ich das Erstere natürlich bevorzuge. Außerdem kann ich nach dem Vorlesen auf Fragen oder Kommentare eingehen. Dadurch entsteht einfach ein gewisser Austausch und den finde ich persönlich ganz toll.“

 

Annika Scheffel liest aus „Bevor alles verschwindet“ am 8. März in der Wiesbadener Villa Clementine, Beginn: 19.30 Uhr.

Autor: 
Jana Hermann
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