„Wir sind wie Indiana Jones“
Mit erster Single und einem Dutzend Songs für ein fertiges Debütalbum touren die Flashguns durch Europa – und machen gitarrenlastigen Indierock, der beim ersten Hören grundsolide wirkt, beim zweiten Durchlauf aber spannende Soundexperimente offenbart. Flashguns - das sind Sam Johnston (Gesang & Gitarre), Giles Robinson (Schlagzeug) und Olly Scanlon (Bass). Die STUZ traf die drei Briten beim Konzert in Frankfurt und sprach mit ihnen über ihr Leben als Studenten und Aaron Carter.
STUZ: Eure Musik läuft unter dem Oberbegriff „Britischer Indierock" - das hört sich erstmal ziemlich beliebig an. Was würdet ihr denn sagen, wenn ihr jemanden in einem Satz von eurem Stil überzeugen müsstet?
Sam: Ich weiß, das sagt jede Indieband über sich selbst - Aber wir hören uns echt ganz anders an als die anderen. Wir stecken unglaublich viel Energie in die Musik, und das hört man ihr an. Wenn unsere Musik ein Film wäre, wäre sie eine Mischung aus energetischer Action und Drama.
Giles: Meinst du wie „Die Bourne Identität"?
Sam: Nein, bei dem Film fehlt der Spaß. Wir sind so wie Indiana Jones! Witzig, gut gebaut und mit Hut - das sind wir!
Noch geltet ihr ja als Geheimtipp. Erzählt mal von eurer Bandgeschichte.
Sam: Musik mache ich eigentlich schon mein ganzes Leben, seit meinem 13. Lebensjahr habe ich in Bands gespielt. Olly und Giles kenne ich aus der Schule, wir haben dann zusammen die Flashguns gegründet.
Olly: Naja, ich wurde eher gezwungen, mitzumachen.
Sam: Das stimmt, wir waren befreundet, du musstest einfach.
Olly: Ich konnte zu dem Zeitpunkt noch nicht mal richtig Bass spielen. Und jetzt sind wir hier auf Tour in Deutschland. Unglaublich, dass ich mit gerade 21 Jahren schon diese Erfahrung machen darf.
Könntet ihr euch denn auch vorstellen, einen ganz normalen Bürojob zu machen?
Giles: Auf keinen Fall. Sam und Olly haben die Uni geschmissen, ich habe ein Jahr in Marketing und Wirtschaft zumindest abgeschlossen. Aber einen Job am Schreibtisch könnte ich mir nicht vorstellen. Es ist doch aber auch so: Wer einmal in der Musikbranche arbeitet, kommt da nicht mehr raus.
Olly (dramatisch): Niemals!
Sam: Ich werde immer Musik machen, schreiben und produzieren - das ist meine Bestimmung, hat fast schon was Religiöses für mich. Wenn ich einen Song schreibe, passiert das ganz intuitiv. Es ist ein unglaubliches Gefühl, ein Lied zu erschaffen. Ich probiere ein bisschen rum und entdecke dann plötzlich: Das hört sich ja richtig gut an! Das ist, als ob ein Baum wächst und immer mehr Äste bekommt.
Eure erste Single „Come And See The Lights" ist ja gerade rausgekommen, ziemlich catchy und treibend. Fasst sie zusammen, was wir auch vom Album „Passions Of A Different Kind" erwarten können?
Sam: Unser Manager hat bestimmt, welches die erste Single-Auskopplung ist, nicht wir (lacht). Aber der Song ist als Vorbote für unser Album schon sehr passend. Hier werden sehr progressive, erwachsene Lieder versammelt sein, die in kein Schema richtig passen - und das macht sie besonders. Die Songs für das Album sind alle fertig. Wir hoffen, dass es hier in Deutschland im Frühsommer erscheinen wird.
„Racing Race" ist ein Track, den ihr schon auf einer EP veröffentlicht habt - der Tracks hört sich sehr bluesig schleppend an, mit Mut zum musikalischen Experiment. Wollt ihr auch in der Richtung weiterarbeiten?
Giles: Die Frage hören wir immer wieder, „Racing Race" gefällt vielen Hörern am besten. Wir planen aber tatsächlich eine experimentelle Konzept-EP zu dem Song. So, wie es auch Arcade Fire gemacht haben.
Wenn wir schon bei den Hochkarätern der Indie-Szene sind: Euer Album habt ihr mit Luke Smith aufgenommen, der ja auch schon Depeche Mode und Foals produziert hat...
Sam: ... und die Zusammenarbeit war großartig! Luke hatte uns einmal proben sehen, danach war klar, dass wir zusammen arbeiten wollten. Die Aufnahmen haben viel Spaß gemacht: Wir haben alle zusammen in einer winzigen Hüte gewohnt und dort zusammengearbeitet. Luke hat in unsere Ideen erst Struktur gebracht, mit dem Album sind wir sehr zufrieden. Um im Frühsommer steht dann ja hoffentlich auch noch mal eine Tour zum fertigen Album in Deutschland an.
Es hat euch hier bisher also gut gefallen?
Olly: Berlin finden wir immer wieder toll, da waren wir nach einem Konzert vor ein paar Tagen bis morgens um acht im Cookies, ein echt guter Club. Frankfurt scheint ja eher etwas industriell zu sein, mit vielen Hochhäusern.
Giles: Wir kennen auch deutsche Bands: Rammstein natürlich und Kraftwerk, aber auch Secrets, mit denen wir schon getourt haben. Die sind echt super, hör dir die mal an.
Sam: Ich kann auch einen deutschen Satz: „Ich habe Durchfall."
...damit kommt man hier vermutlich überall durch. Wenn wir schon bei delikateren Themen sind: Habt ihr eigentlich musikalischen Jugendsünden?
Sam: Ich mag heute noch die Killers und Wombats. Das ist aber eigentlich nicht so richtig peinlich. Wenn Pop gut produziert ist, dann macht er einfach Spaß und man muss sich nicht schämen. Ich hatte aber mal mit 15 eine üble Nu-Metalphase, mit Slipknot und den Deftones.
Giles: Ich hatte mal eine Single von Aaron Carter. Das ist mir tatsächlich noch immer peinlich.















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