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„Wir waren schon immer Nomaden“

Peng-Mitbegründer Justin Peach (Bild) erzählt von der Entstehung des Kunstvereins und erklärt, warum ein „Back to the roots“ vielleicht gar nicht so schlecht sei.

 

Seit dem ersten Tag ist er mit an Bord: Justin Peach, ehemaliger Mediendesignstudent und Filmemacher aus Mainz. Zusammen mit elf weiteren Studenten aus dem Dunstkreis von FH und Kunsthochschule gründete er 2006 das Pengland als gemeinnützigen Verein, mit dem Ziel, Raum zu schaffen für Künstler und Kunstinteressierte aus Mainz und Umgebung. „Sowas gab es damals einfach nicht in Mainz“, erklärt Justin die nötige Motivation für das Projekt: „Wir wollten einen Ort schaffen, wo man hingehen kann, um seine Kunst auszustellen, um über Kunst zu diskutieren, sich Filmen und Fotografien zu widmen.“ „Oder“, so ergänzt der junge Vater lachend, „einfach nur um zu Quatschen und Bier zu trinken.“

 

Doch am Anfang stand neben einem Haufen Arbeit das Geld. Mit einem alten VW-Bus durchkreuzten die Freunde eines Nachts nach Gründung des Vereins die Stadt und sammelten alle Sperrmüll-Sofas auf, die ihnen in die Quere kamen. Diese wurden dann im Brückenkopf aufgestellt, wo das junge Peng zu seiner ersten Party geladen hatte. „Wir dachten, wenn 200 Leute kommen, dann legen wir nicht drauf. Und wenn es 300 sind, können wir irgendwo einen Monat lang Miete bezahlen.“ Es kamen 500 – der Rest ist Geschichte. „Wir waren einfach total aus dem Häuschen“ schwärmt Justin rückblickend über den wahnsinnigen Erfolg. Eine alte Bäckerei in der Gau- straße wurde zum ersten Domizil des Kunstvereins. Schon bald kamen die ersten internationalen Künstler und jeden Dienstagabend wurde an neuen Konzepten für Ausstellungen und Projekte gearbeitet. Doch das Haus wurde verkauft, das Pengland zog in einen leerstehenden Laden in der Flachsmarktstraße und kurz danach in größere Räumlichkeiten in der Reichklarastraße mitten in der Altstadt. Die Mitgliederzahl wuchs, die Veranstaltungen wurden größer. Finanzieren konnte sich der Verein nun vor allem über den Bierverkauf, bei dem jeder so viel oder wenig bezahlt, wie ihm beliebt. „So“, unterstreicht Justin die Bedeutung der Eigenfinanzierung, „konnten wir unabhängig bleiben und mussten uns von niemandem reinreden lassen.“ Das Peng macht, was es will – und viele vor allem junge Mainzer begeisterten sich dafür. Immer mehr Menschen wurden von den Vernissagen angezogen, von den Film-abenden, Konzerten und PowerPoint-Poetryslams. Das Peng war zum Laboratorium für alle möglichen Kunstformen geworden.

 

Doch dann kam die Kündigung. „Zu viele Beschwerden von den Nachbarn“, rechtfertigte sich der Vermieter. In Mainz einen zentral gelegenen Ort zu finden, an dem man nicht nur Kunst machen und zeigen, sondern auch laut sein kann, ist eben verdammt schwer. Viele werden sich noch an den „Pecha Kucha Abend“ erinnern, zu dem nicht das Ordnungsamt, sondern rund ein dutzend (!) Steifenwagen kamen, um die Vesammlung Kulturbegeisterter aufzulösen. Die anwesenden Professoren des Fachbereichs Gestaltung an der FH konnten zwar erreichen, dass zumindest die geplanten Vorträge noch zuende gebracht wurden. Doch um 24 Uhr war Schluss.

 

Es folgte der Umzug in die Rheinallee mit dem flauen Gefühl einiger, seitens der Behörden verdrängt zu werden. Für ein Jahr lebte das Pengland mit immer größeren Besucherzahlen wieder auf, viele werden hier wohl die spannendsten Abende ihrer Mainzer Studienzeit verbracht haben. „Ich würde lügen, wenn mich das kalt ließe“, sagt Justin, der selber seit geraumer Zeit nicht mehr zum organisatorischen Kern des Vereins gehört. „Doch“, so fährt er fort, ist es vielleicht gar nicht so schlecht, sich nach den immer größer werdenden Veranstaltungen wieder „etwas auf die Anfänge zurückzubesinnen“. Denn „das ehrenamtliche Engagement“, so Justin, der selber rund drei Jahre lang fast jeden Tag für das Peng arbeitete, dürfe man „auch nicht überstrapazieren“.

 

 

Autor: 
Fabian Scheuermann
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