Anzeige

Zick nicht rum, komm!

Am 25. Juni wurde im Großen Haus des Staatstheaters Wiesbaden die Premiere von Orpheus und Eurydike aufgeführt. Die Oper entführt in die mythische Welt der Toten.

 

Orpheus ist am Boden zerstört, denn seine Frau, die schöne Eurydike, weilt nicht länger unter den Lebenden. Während er versucht, seinem Leiden ein Ende zu bereiten, taucht plötzlich Amor auf und verspricht ihm die Rückkehr der Geliebten. Im Totenreich soll er sie suchen, unter einer Bedingung: Er darf Eurydike nicht ansehen oder ihr erklären, warum er ihr ausweicht. Sofort macht er sich auf den weg, überredet die Furien ihn passieren zu lassen und findet seine Frau. Jedoch zweifelt sie durch sein Verhalten an seiner Liebe und lehnt es ab, ihm zu folgen. Wieder unter den Lebenden hat Orpheus jeden Mut verloren. Doch erneut erscheint Amor und bringt ihm diesmal seine Eurydike zurück.

 

Es geht um Vertrauen, und welche Rolle es in der Liebe spielt. Orpheus fordert blindes Vertrauen, hat dafür gekämpft und kann nicht verstehen, warum Eurydike zweifelt. Dabei ist sie eben erst von den Toten auferstanden, wer wäre da nicht verwirrt? Wenn der eigene Mann einen, nach allem was vorgefallen ist, nicht mal ansehen will, muss doch irgendwas faul sein. Aber ihn gleich stehen zu lassen, ist dann doch ein bisschen hart. Als Orpheus verzweifelt seinen zweiten Selbstmord versucht und Amor sich wieder zeigt, ertönt auch die Stimme der Eurydike aus dem Off. Beide trösten ihn und schwärmen von der bevorstehenden Wiedervereinigung der Liebenden, doch zu sehen ist nichts. Plötzlich ein Kuss zwischen Amor und Orpheus und die Bühne wird schwarz. Es bleibt eine gewisse Leere, eine Ungewissheit über das Ende des Stücks. Ist Eurydike doch zurückgekehrt, oder ist Orpheus ihr ins Reich der Toten gefolgt? So oder so, der Streit ist überwunden, die Liebe siegt.

 

Doch das eigentlich Besondere an dieser Inszenierung ist die rein weibliche Besetzung der drei Hauptrollen. Franziska Gottwald singt einen so überzeugenden Orpheus, ihre Stimme klingt mühelos, als würde sie ausschließlich mit Gesang kommunizieren. Gemeinsam mit den puppenhaften Bewegungen des Amor (Stella An) und der zarten Erscheinung der Eurydike (Heather Engebretson) wird eine märchenhafte Zwischenwelt erschaffen, in der man gerne den Alltag vergisst und versinkt. Lasst euch verzaubern, Romantik gibt's schließlich nicht nur bei Disney.

 

Nächste Vorstellung: 3. Juli

 

Autor: 
Felicitas Lutz
Facebook:
Artikel bewerten:

Dies bewerten

Noch keine Bewertungen vorhanden

Flattr