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Bungee - Jumper in Heimlichkeit (STUZ 85, Dez. 06)

Die Berliner Gruppe MIA zieht mit ihrer Tour „Zirkus, Menschen, Liebe, Sensationen“ durch deutsche Lande und rockt die Hallen. Drei entzückende Bandmitglieder (Andi, Bob und Gunnar) sprachen bei ihrem Gig in der Centralstation Darmstadt über Demokratie in einer Mädchenband und heimlichen Extremsport.

 

STUZ: Spielt ihr Mädchenmusik?
Gunnar: Nee, gar nicht. In Stuttgart waren zum Beispiel mehr Männer im Publikum, als Mädchen.  Was ist das eigentlich genau? Aber selbst wenn es so wäre, hätte ich damit kein Problem. Es zählt halt was man macht.

 

Mädchenmusik, weil eure Sängerin Mieze ihre Texte über die Liebe und ganz intensive Gefühle schreibt. Könnt Ihr euch damit identifizieren?
Bob: Ja, vor allem, wenn man selbst mal in der Lage ist, kann man genau nachfühlen, was sie meint und es berührt einen unglaublich.

 

Aber ihr habt schon ein Mitspracherecht bei den Texten?
Bob: Klar, das läuft alles zusammen. Genauso wie Mieze auch bei der Musik mitredet, reden wir auch über ihre Texte. Wenn uns etwas nicht gefällt, dann machen wir schon den Mund auf. Das Ganze ist mehr die Summe der einzelnen Teile. Jeder verändert die Musik mit dem was er tut.  Aber wir sind alle große Fans ihrer Texte und manchmal sogar glücklich darüber, dass man sich da nicht so groß einbringen braucht.

 

MIA ist ja auch ein Mädchenname. Kommt es oft vor, dass die Leute denken, MIA sei der Name von Mieze?
Gunnar: Ja, kommt schon vor, aber das macht nichts. Komischerweise redet niemand die Sängerin von Juli mit Juli an. Ist ja auch ein Frauenname. Ich finde Frauennamen für Bands ziemlich cool. MIA ist ja eigentlich sinnfrei. Der Name stand irgendwann am Anfang, als man keine Lust mehr hatte sich weitere Namen auszudenken. Bei uns ist es langsam zum Hobby geworden sich Bedeutungen für MIA auszudenken. Zum Beispiel „Marmelade Im Ausschnitt“ aber natürlich auch „Musik Ist Alles“.

 

Ihr stammt fast alle aus Berlin oder habt es zumindest schon seit langer Zeit zu eurer Wahlheimat gemacht. Was bedeutet die Stadt für euch?
Bob: Heimat in erster Linie. Viel mehr als Style oder so etwas. Wobei das auch in Ordnung wäre. Jeder hat bestimmte Assoziationen zu Berlin, die sehr spannend sind. In Berlin hast du halt tausend Möglichkeiten was zu tun. Manchmal reicht das Wissen darum allein schon. Das ist dann so, wie mit einem schnellen Auto, das du zwar besitzt, aber nie richtig ausfährst. In Berlin passiert viel Musik, vor allem auch als Experiment. Berlin fetzt.

 

Gibt es dort einen Unterschied zu Konzerten in anderen Städten?
Bob: Zum einen kommen dort mehr Leute und vor allem Freunde sind da. Sonst erzählt man denen nur, was man so tut. Aber das Geile ist, dass es überall anders ist zu spielen. Ick gloob die Loite fühlen sich der Band noch näher in Berlin, schließlich teilt man das gleiche Fleckchen Heimat.

 

Was bedeutet das Musikmachen für Euch?
Gunnar: Die Lust am Freude bereiten. Bei Konzerten gibt es einen unglaublichen Energieaustausch, nicht nur zwischen uns und dem Publikum, auch zwischen uns Musikern auf der Bühne. Aber Musik ist auch ein Ventil, bei dem alles herausplatzen kann: Freude, Bewegung, Spektakel.

 

Hilft die Bühne auch als Rettung wenn ihr einen schlechten Tag habt?
Gunnar: Das passiert selten, aber kommt schon vor. Wir haben dafür ein tolles „Tool“: Wir spielen dann einfach nur für uns und kommunizieren das auch untereinander. Aber meistens nimmt einen das Publikum dann doch wieder so gut gelaunt auf, da kann man gar nicht mehr traurig sein. Das ist wie ein Austausch. Die wirklich beinhart extrovertierten Jungs sind wir ja auch nicht, obwohl Mieze das immer pauschal über uns alle sagt. Aber auf der Bühne wärst du schön blöd, wenn du nicht abgehst und müsstest ganz schön stumpf sein.

Andi: Wenn du da raus gehst und nicht mitmachst, ist das pure Verschwendung von Lebenszeit. Du willst es ja auch erleben und fühlen.

Bob: Da musst du dich schon richtig anstrengen, wütend zu gucken. Man muss das dann einfach genießen und kann hinterher ja immer noch schlecht drauf sein.

 

Meint ihr, eure Fans merken dann wie es euch geht?
Andi: Ja, sofort. Wir sind da ultra ehrlich und können uns deswegen nicht kontrollieren. Das hat dann seine eigene Ästhetik und sieht vielleicht manchmal ungelenk aus. Das Publikum reagiert dann total schnell auf dich.

 

Kommt ihr auch privat so gut miteinander aus?
Bob: Wir verbringen seit neun Jahren sehr viel Zeit miteinander, teilen sehr viel und können unglaublich gut aufeinander eingehen und kommunizieren. Manchmal besser als im eigenen Freundeskreis.

 

Schont ihr euch vor euren Auftritten oder wie sind die Bluna- und Wasserflaschen hier Backstage zu erklären?
Andi: Auf einem Festival in Frankfurt/Oder, auf dem wir gespielt haben, stand ein Bungee-Turm. Da sind wir dann heimlich runtergesprungen. Unser Tour-Manager „Staab“ wollte nicht, dass wir das schon vor dem Konzert machen. Ich wartete da nur auf die Situation, mich mit Staab zu unterhalten und einer der anderen springt im Hintergrund mit einem lautstarken: „Uahhhhhhhhhhhh!!!“

Autor: 
Lisa-Marie Harlfinger
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