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Dende - die Alternative (STUZ 76, Feb. 06)
Den Durchbruch schaffte Dendemann mit dem HipHop–Duo „Eins Zwo“ gemeinsam mit DJ Rabauke. Nach längerer Bühnenabstinenz spricht er über sein neues Solo-Album, deutschen HipHop und sexy Videoclips.
STUZ: Es war länger ruhig um dich. Was hast du die ganze Zeit gemacht?
Dendemann: Die EP „Das Schweigen Dilemma“ ist 2003 rausgekommen. Ich hab seitdem immer wieder das Album „Die Pfütze des Eisberges“ angekündigt, was nun März 2006 rauskommt. Dazwischen hab ich viel Zeit mit Beatsmachen verbracht, um dann endgültig festzustellen, dass mir das zwar gelingt, aber trotzdem andere Leute Sachen machen, die mir mehr gefallen. Deshalb hab ich mich entschlossen, mein neues Album fremdproduzieren zu lassen und bin bei einem Mainzer Produktionsteam fündig geworden. In diesem Team ist auch Shuko, ein äußerst talentierter Produzent, mit dem ich schon früher zusammengearbeitet habe.
Wie seid ihr zusammengekommen?
Wie die Jungfrau zum Kind. Nee, ich hab Shuko auf dem Splash 2004 kennen gelernt, und danach hat unsere Zusammenarbeit begonnen. Wir haben erst ein bisschen Musik hin- und hergeschickt und dann in Mainz drei Stücke aufgenommen: Eins ist schon im Netz, ein anderes kommt aufs Album, und das dritte ist der Politik zum Opfer gefallen.
Das heißt?
Das heißt... Samples Clearing, also das Kaufen von Beats von anderen Leuten, wenn man deren Betas verwenden will. Aber Clearen ist feige. Also nimmt man die Beats einfach so, oder gar nicht. Ein Sample aus Deutschland zu clearen zu versuchen, ist so schwierig, das geht gar nicht. Wenn du in Übersee bei den Labels, die die Rechte haben, etwas clearen willst, dann sagen die dir garantiert, dass Texte und Musik ihnen gehören. Das ist einfach viel zu politisch. Deswegen scheiß ich drauf und benutz die Sachen so; bisher gab’s auch noch keinen Stress deswegen.
Wie beurteilst du deutschen HipHop momentan?
Ich hab deutschen HipHop immer für etwas gemocht, was ihm leider abhanden gekommen ist: Und zwar für seine „Deutschheit“. Das heißt dann eben manchmal, dass es funky und sperrig ist; aber es war zumindest eigen, und das waren eben wir. Und jetzt ist es nicht mehr hip. Alle haben plötzlich das Gefühl, dass sie nicht mehr deutsch sind. Und alle denken, man könnte sich ja so ähnlich fühlen wie in den USA, wenn man nur aus einer schlechteren Gegend kommt. Aber das kann man einfach nicht vergleichen. Da drüben rappt jeder und seine Mudder. Das ist keine Entscheidung zu einer bestimmten Musikrichtung, sondern die Luft, die sie dort atmen. Was die Jungs hier machen ist dagegen ein post-pubertäres Game. Manche Leute sagen: Weißte, solange da HipHop draufsteht, kann uns das doch nur gut tun. Selbst wenn das AGGRO Berlin oder sonst was ist. Und inzwischen tendiere ich dazu, dass das vielleicht gar nicht so wahr ist. Zu der Zeit nämlich, als ich richtig erfolgreich war, wurde deutscher HipHop von ganz anderen Leuten gehört als jetzt. Und auf einmal bin ich die Alternative zu dem, was gerade deutscher HipHop ist.
Ist deutscher Gangsterrap also eigentlich gar nicht möglich?
Doch! Nur der Gangster, der Zeit zum Rappen hat, der nicht in der gleichen Zeit, wie er eine Strophe schreibt, zehnmal soviel Kohle auf der Straße gemacht hat, ist kein Profi. Der ist auch kein Gangster! Entweder schafft es jemand, illegal auf der Straße seine Scheine zu machen, mit all den Mitteln, die er glaubt, dafür benutzen zu müssen oder er rappt. Und wenn man in dem ersten gut ist, dann ist es schwieriger, mit Rap reich zu werden. Dann sollte man beim Gangstersein bleiben. Ich hab halt den Gangster, der gut rappt, noch nicht getroffen. Ich träume davon!
Braucht HipHop denn auch nackte Frauen in den Musikvideos?
Unbedingt ...
... um viele schlechte Texte zu kaschieren?
Nee, viele Videos sind viel schlechter als manche Texte. Guck dir doch mal manche Videos ohne Ton an. Da wird dir auffallen, dass an manchen solchen Clips die besten Regisseure der Welt gesessen haben. Und es ist trotzdem so verheerend, was da für eine Hilflosigkeit zu erkennen ist. Wie die Bilder so aneinander geklatscht sind, in der Hoffnung, irgendeine Dramaturgie zu erzeugen. Die haben halt nur das Material, was sie an zwei Tagen aufgenommen haben, und jetzt soll da ein Rapvideo draus werden. Die Basis ist da: Ärsche und Titten, ok. Aber dass man damit Erfolg hat, daran sind die Leute schuld, die es gucken. Jeder der meint, 73 SMS-Votings für irgendwen abgeben müssen, ist schuld daran, was wir sehen; genauso wie der Sender, der es ihnen anbietet.
Andere Musikrichtungen kommen doch auch mit anderen Inhalten durch.
Es ist alles eine Frage des Images. Wenn Green Day solche Videos drehen würden, würden sie die Hälfte ihrer Fans verlieren. Sie haben nun mal im Gegensatz zu uns das vermeintlich sympathischere Image. Mehr nicht, ansonsten läuft’s doch genauso.
Bietet HipHop dir ein Forum für sozialkritische Meinungen, oder bleibst du weiterhin locker-spaßig?
Also, das nehm ich jetzt persönlich. Ich rap ja eher zwischen den Zeilen. Ich versuche meine Raps mit Wortwitz zu füllen, die dann durchaus auch soziale Kritik beinhalten. Die Kritik ist natürlich nicht ganz so offensichtlich nach außen gebrüllt; doch es steckt schon immer mehr dahinter, als das eigentlich Gesagte. Vielleicht kommt auch nicht immer alles an, was ich den Leuten mit auf den Weg geben möchte. Doch man findet auf jeden Fall Sozialkritik in meinen Texten.















