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DrogenK.O.cktail (STUZ 122, Apr. 10)

Ein netter Abend mit Freunden und dann – Blackout. Verbrechen mit K.O.-Tropfen sind leider keine Seltenheit, auch nicht in Mainz. Gefährdet sind Frauen und Männer jeden Alters, weiß Eva Jochmann vom Mainzer Frauennotruf.

 

Verletzt kommen zwei Frauen nach einem Blackout auf einem Parkplatz wieder zu sich. Nur bruchstückhaft können sie sich an das Geschehene erinnern – der Wirt einer Kneipe hatte ihre Getränke mit K.O.-Tropfen versetzt und sie anschließend gemeinsam mit einem Freund die ganze Nacht vergewaltigt. Aus Scham und Angst, dass ihnen niemand glaubt, erstatten sie keine Anzeige.

Stoffkunde
K.O.-Tropfen sind Mixturen verschiedener narkotisierender Mittel, die dazu benutzt werden, Andere in einen hilf- und willenlosen Zustand zu versetzen, auszurauben oder zu missbrauchen. Häufig wird der Stoff GHB (Gamma-Hydroxibuttersäure) benutzt, der in Getränke gegeben wird. Es ist farb-und geruchlos und hat einen leicht seifig-salzigen Geschmack. Je nach Dosierung wirken K.O.-Tropfen enthemmend, aphrodisierend und bewirken einen komatösen Zustand. Eine zu hohe Dosis kann tödlich sein.
Eindeutige Zahlen von Delikten unter GHB-Einfluss gibt es nicht. Das hat laut Eva Jochmann vom Mainzer Frauennotruf – Fachstelle für Beratung für Frauen und Mädchen mehrere Gründe. Der Stoff ist nach Einnahme nur etwa sechs Stunden im Blut und zwölf Stunden im Urin nachweisbar. Ausgehend von einem mehrstündigen Blackout ist es für eine Untersuchung oft zu spät. Je nach Haarlänge ist der Stoff laut der Rechtsmedizin Mainz noch nach Monaten feststellbar, aber nur wenige Labors in Deutschland können den Test durchführen. Viele schwiegen aus Angst, unglaubwürdig zu sein, wollen nicht wahrhaben, dass sie Opfer einer Straftat wurden oder sind unsicher, ob der Blackout alkoholbedingt war. Eine vom Bundesverband der Frauennotrufe durchgeführte Umfrage ergab, dass im Jahr 2006 bei bundesweit 118 Verdachtsfällen nur eine Verurteilung möglich war.
    
Schutz
Eigentlich sind Schutzmaßnahmen, wie sein Getränk nie unbeobachtet zu lassen, sich um Freunde zu kümmern, die offenbar oder eben nur scheinbar zu viel getrunken haben und im Zweifelsfall Hilfe zu holen, bekannt. Dennoch sei es wichtig, auf sie hinzuweisen, so Jochmann. Des Weiteren ist es wichtig zu wissen, dass die Tropfen auf Betriebs- oder Privatfeiern ebenso häufig benutzt werden wie auf Partys oder in Clubs. Gefährdet sind Frauen jeden Alters und nicht selten auch Männer.

Symptome
•    Übelkeit
•    Schwindelgefühl
•    Atemnot und Krampfanfälle
•    Kopf- und Unterleibsschmerzen
•    Verwirrtheit und Konzentratrionsstörungen
•    Gefühl, in Watte gepackt zu sein, Koma
•    mehrstündiger Gedächtnisverlust
•    Zweifel, dass Blackout durch den Alkoholkonsum bedingt ist
•    psychovegetative Auffälligkeiten wie Panik- oder Angstanfälle

Autor: 
Isa Sterzel
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