Anzeige

Jack of all trades (STUZ 102, Jun. 08)

... bedeutet im Englischen soviel wie "Tausendsassa". So einer ist Jack Johnson. Der begeisterte Musiker, Filmemacher und Surfer engagiert sich bei allem was er tut für die Umwelt. Im Exklusiv-Interview der STUZ spricht der gebührtige Hawaiianer über Image, Kinder und die Zukunft unseres Planeten.

 

Es ist 9.30 Uhr morgens. Jack Johnson steht auf seiner Veranda und schaut aufs Meer, um zu sehen, wie gut der Surf an Oahu’s North Shore ist. Er packt sein Board aus und stellt mit Erschrecken fest, dass er fast einen Termin verschwitzt hätte. Pflichtbewusst greift er zum Telefon und wählt sich über den Atlantischen Ozean hinweg in das Hauptquartier der STUZ -Redaktion ein.

 

STUZ: Aloha Jack! Guten Morgen nach Hawaii! Wie geht es dir?

Jack:Aloha! Mir geht es sehr gut, danke der Nachfrage.

 

Wie gehst du mit dem Hype um Deine Person um?

Ich versuche einfach das Ganze langsamer angehen zu lassen und gebe zum Beispielzurzeit nur wenige Interviews, um vor unseren Gigs in Deutschland über das neue Album zu sprechen.

 

Was sind die Nachteile Deiner wachsenden Bekanntheit?

Manchmal bringt es meine Gedanken aus der Ruhe.Nicht immer habe ich Lust zum Flughafen oder zu einem Fototermin zu müssen. Erst später erkenne ich dann, dass es mein eigener Fehler ist, wenn ich in einer Fernsehshow mitmache, oder mein Gesicht auf der Titelseite einer Zeitung auftaucht.

 

Hast du noch genügend Zeit für Freunde, Frau und deine zwei Kinder?

Meine Familie ist beim Touren ja fast immer mit dabei. Tagsüber machen wir ’Sightseeing’ und können etwas zusammen unternehmen. Es läuft aber nicht immer perfekt mit der Zeiteinteilung und manchmal wissen wir erst hinterher, daß wir bestimmten Dingen im Leben mehr Zeit widmen sollten.

 

Was gibt dir den Ausgleich, um entspannt und bodenständig zu bleiben?

Auszeiten. Wir sind für einige Monate beschäftigt und dann gehen wir heim und nehmen uns einige Monate frei. Dazu kommt, dass die Crew, mit der ich auf Tour gehe, aus langjährigen Freunden besteht. Das hilft dir dabei, der zu bleiben, der du bist.

 

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Leben aus?

Wenn ich richtig viel Zeit habe und zu Hause bin, versuche ich zu surfen oder gehe mit meinen beiden Kids an den Strand. Das Surfen ist mir wichtig, weil es mir Spaß macht und weil ich nie etwas anderes gelernt habe, um mich körperlich fit zu halten. Daher gehe ich auch nicht gerne lange auf Tour, weil ich einfach sehr schnell aus der Form gerate.

Sonst bringe ich meinen Ältesten morgens in die Vorschule und gehe auch manchmal selbst in die Schulen, um den Kids einige Songs vorzuspielen oder mit ihnen über die Umwelt zu sprechen. Oft sind es auch einfache Campingtrips mit der Familie.
Meistens versuche ich immer, mich irgendwie zu beschäftigen und produktiv zu sein: Das kann ein Musikprojekt sein, ein Surffilm oder ganz was anderes.

 

Was wünschst du dir für deine Kinder? Sollen sie auch Surfer, Filmemacher oder Musiker werden?

Wenn ich es mir aussuchen könnte, würden meine Kinder Meeresbiologen werden, denn Mathematik und Naturwissenschaften sind Fächer, mit denen wir Antworten auf viele Herausforderungen unserer Zeit finden können. Ich wollte meinen Hochschulabschluss eigentlich auch darin machen. Dann bin ich aber doch beim Film gelandet. Ich bin zwar glücklich darüber, wie die Dinge für mich gelaufen sind, aber oft habe ich die Entscheidung bereut, es nicht studiert zu haben.
Ich hoffe natürlich, dass die Kids auch Spaß am Surfen und an der Musik haben werden. Zur Meeresbiologie werde ich sie ermutigen. Was sie aber letzten Endes machen wollen, können nur sie selbst irgendwann mal entscheiden.

 

Deine Frau und du seid engagierte Umweltaktivisten. Wie wichtig ist dir Umweltschutz und Umwelterziehung?

Der wichtigste Schritt zu einem guten Umweltbewusstsein ist der, die nächsten Generationen zu bilden. Nur so können wir sicherzustellen, dass die einen besseren Job machen als wir.

Das ist eine schwierige Aufgabe und ich kann nicht sagen, besser als jemand anderes zu sein. Aber ich versuche aus meinen Fehlern zu lernen.
Im Kleinen kann man bei den Kids sehr gut mit Umweltthemen anfangen. Man kann Ihnen zum Beispiel zeigen, daß man sein Obst und Gemüse nicht nur im Supermarkt bekommt, sondern es auch selbst anbauen kann, indem man mit ihnen Pflanzungs-Projekte durchführt. In diesen Projekten können Kinder intensive Begegnungen mit der Natur erleben und so Wissen generieren. Die nächste Generation ist unsere Hoffnung.

 

Was machst du selbst, um den Schadstoffausstoß beim Touren zu reduzieren?

Wir versuchen schon vor dem Produzieren von Umweltbelastungen Lösungen zur Reduktion dieser zu finden. Dabei arbeiten wir mit Umweltgruppen am jeweiligen Ort zusammen. Natürlich können wir unsere Emissionsspuren nie vollkommen verwischen, aber wir versuchen so ökologisch wie möglich zu arbeiten. Dazu gehört Recycling und Kompostierung auf Konzerten oder das Umstellen unserer Tour-Busse auf Biodiesel.
Trotz allem bin ich nicht ganz damit zufrieden, weil so eine Tour natürlich ihre negativen Spuren hinterlässt. Eine radikale Variante wäre das Touren komplett einzustellen, aber ich denke der bessere Weg ist der, sich den Umweltproblemen in der Musikindustrie zu stellen und nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. Wir können einen größeren Effekt auf lange Sicht erreichen, indem wir versuchen die Shows „grüner“ zu gestalten und mit Musikern zu kooperieren, denen die Umwelt so wichtig ist wie uns.

 

Du sagst selbst von dir oft ‘faul und unorganisiert’ zu sein. Schaut man sich aber deine Veröffentlichungsliste an, erscheinst du eher wie ein Workaholic. Wie siehst du dich?

Als ein Workaholic sehe ich mich nicht. Ich liebe es einfach Songs zu schreiben, und aufzunehmen, an Projekten zu arbeiten und Surffilme zu machen. Ich arbeite aber auch nie alleine. Meine Frau und mein Manager unterstützen mich wo sie können. Wenn ich diese Menschen nicht um mich herum hätte, wäre keines meiner Projekte beendet worden.

 

Es sieht so aus, als hättest du es geschafft deine Träume zu verwirklichen: Du lebst auf Hawaii, hast im sonnigen Kalifornien Film studiert, hast Europa schon in jungen Jahren mit deiner heutigen Frau im VW-Bus durchkreuzt, kannst als Filmemacher und Musiker leben, bringst Menschen für gute Zwecke zusammen und bist ein ausgeglichener junger Familienvater. Was kannst du den Menschen mit auf den Weg geben, die mit der Realisierung ihrer Träume etwas schwerer vorankommen?

Oft wird von mir ein übertrieben positives Image projiziert, das so nicht der Wahrheit entspricht und die Leute bekommen den Eindruck, dass mir alles zufällt. Dabei unterscheidet sich mein Leben nicht viel von dem ihren. Auch ich habe hart für meine Ziele arbeiten müssen und hatte eine Menge Nebenjobs, etwa in einem Pizzaladen oder als Tellerwäscher. Jeden Sommer musste ich meinem Vater, einem Bauarbeiter helfen und Gräben für Fundamente ausheben. Und auch wenn es um die Musik geht, fliegt einem nichts zu. Man startet ja nicht von Anfang an eine glamouröse Karriere. Im Studio, bei den Proben oder auf den Konzerten mussten wir jede Menge ordentlicher Arbeit leisten, bevor wir überhaupt gutes Feedback bekamen.
Ich bin natürlich sehr zufrieden wie die Dinge gelaufen sind, aber das alles ist kein Muss, um wirkliches Glück zu erleben. Das Beste, was ich habe, ist immer noch meine Familie. Alles andere sind gute und spaßige Erfahrungen nebenbei. Und eine Familie kann man überall auf der Welt haben, dazu muss man nicht auf Hawaii leben und Musik machen.

Autor: 
Christian Wittlich
Facebook:
Artikel bewerten:

Dies bewerten

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.5 (2 Bewertungen)

Flattr