Anzeige

Jemand ze Hage? oder: Und täglich grüßt der Maulwurf (STUZ 109, Feb. 09)

René Marik ist gelernter KFZ-Mechaniker und studierter Mathematiker. Doch statt diesen schönen Tätigkeiten nachzugehen, machte er lieber sein Hobby zum Beruf und steckt seine Finger in Handpuppen.

 

STUZ: Können Sie mal unseren Lesern kurz Ihren Charakter beschreiben?
René Marik: Also, meine Hobbies sind… Nein, ich kann meinen Charakter nur schwer selbst beschreiben.

Versuchen wir es doch mal so: Erst Hauptschulabschluss, dann KFZ-Lehre, gefolgt von Realschule und Abitur, einem Mathestudium, Gitarre spielen in einer Punkband, Hausbesetzer, dann ein Puppenspiel-Studium - würden Sie sich selbst als einen zielstrebigen Menschen bezeichnen?
Offensichtlich nicht, ich glaube für den Moment bin ich zielstrebig, ich lasse mich aber leicht ablenken, es passieren ständig Dinge, die mich in andere Bahnen lenken können.
 

Das Puppenspiel kam erst nach ihrem Mathestudium und dem Umzug nach Berlin. Hat Sie die Großstadt mit ihren Möglichkeiten dazu bewegt, Puppenspieler zu werden oder lag Ihnen das schon immer im Blut und Sie würden es als Berufung bezeichnen?
Ich hatte nie etwas mit Theater am Hut. Das Ganze fing also erst in Berlin an. Dort habe ich in einer Theatergruppe gespielt und habe eine Mitspielerin gehabt, die schon länger Puppenspiel studierte, und da ich auch nicht mehr so recht wusste, was ich mit meinem Mathestudium anfangen soll, habe ich mich dort beworben. Und das hat dann geklappt. Aber ich glaube schon, dass das Puppenspiel etwas ist, dass mir besonders liegt, aber es ist nicht so, dass ich das jetzt immer machen muss, um meine Brötchen zu verdienen.

 

Wie ist es für Sie als Puppenspieler eine Puppe zu sehen, die nach oder vor der Show irgendwo am Bühnenrand liegt? Ist die Puppe dann einfach nur eine Puppe oder hat sie trotz allem ein Leben in sich?
Nee, natürlich hänge ich an meinen Eumeln, aber ich bin da nicht so esoterisch veranlagt und ich nehme die Puppen auch nicht abends mit ins Bett. Sie werden nach der Show in den Koffer gequetscht und dann ist gut. Sie sind doch eher Arbeitsmaterial.

 

Hätten Sie ein paar Tipps für Laien? Zum Beispiel für einen Vater, der seinen Kindern ein Puppentheater aufführen möchte oder für eine Aufführung auf einem Familienfest?
Da haben wir wieder das „Ein Vater der seinen Kindern ein Puppenspiel aufführen möchte“. Was ich mache hat nichts mit Kindertheater zu tun. Diese Verbindung Puppenspiel gleich Kindertheater finde ich ganz unselig! Das ist so einbetoniert in den Köpfen der Menschen. Als ich einmal eine Aufführung bei Kurt Krömer hatte, da stand überall drin: „Der Puppenspieler René Marik, der mit seinem ungeschickten Rapunzel-Maulwurf nicht nur Kinder fesselt“, das ist die absolut falsche Deutung.
Aber was ich einem Laien mit auf den Weg geben kann: Nicht so viel zappeln, lieber klare Gesten und Bewegungen, ne?

 

Ihr Erfolg kam ziemlich schnell und überraschend übers Internet nachdem jemand ein Video von Ihnen auf YouTube hochgeladen hatte. Haben Sie manchmal Angst, dass der Erfolg so schnell wie er kam auch wieder vorbei sein könnte?
Angst habe ich keine, aber ich rechne damit, dass so etwas passieren kann. Wenn das in einem Jahr wieder vorbei sein sollte, und mich keiner mehr sehen möchte, dann werde ich mich nicht aufhängen und auch nicht verhungern. Ich kann ja auch wieder Theater spielen oder wieder mehr an Schulen unterrichten. Ich sehe dem relativ entspannt entgegen. Im Moment ist es sehr schön, dass so viele Leute mich sehen wollen. Wenn das länger geht, muss ich mir etwas überlegen wie ich damit umgehe.
 

Schmieden Sie schon Pläne für die Zukunft oder warten Sie eher was passiert?
Natürlich gibt es Pläne, im Herbst soll ein neues Programm raus kommen und dann wollen wir im Winter einen Film drehen. Es gibt schon sehr schöne Ideen, aber es ist noch nichts in trockenen Tüchern, wer dort mit einsteigt. Fest steht nur, dass wir den Film machen werden und zwar noch diesen Winter.

 

Wird es im nächsten Programm neue Charaktere geben oder wird Ihre Show vielleicht sogar komplett anders aussehen?
Es wird eine neue Figur eingeführt, ein Bösewicht, den hatten wir bisher noch nicht. Aber es bleibt bei dem Aufbau der Show wie sie jetzt ist. Viele Leute, die zum Beispiel die DVD gekauft haben, fragen, warum ich nicht nur Puppenspiel mache oder eine komplette Show nur darauf aufbaue, aber ich glaube, dass ein Abend nur mit Puppenspiel nicht funktionieren würde. Außerdem würden meine  Arme das nicht mitmachen.

Autor: 
Kim Sasse
Facebook:
Artikel bewerten:

Dies bewerten

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)

Flattr