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"Ich fände es fatal, nichts zu unternehmen"

Drei Jahre lang hat Andreas Kissel – unabhängiger Finanz- und Versicherungsmakler/ Honorarberater in Mainz – regelmäßig über Finanzthemen geschrieben. Nun endet seine Kolumne im Heft. Wir haben abschließend mit ihm gesprochen: über Krisen, den Crash und Versicherungsverträge. 

 

STUZ: Andreas, es wird wieder viel über die Krise geredet, diesmal die sogenannte Eurokrise. Spürst du als Finanzberater dadurch Zurückhaltung bei deinen Kunden?
Andreas Kissel: Die Krise hält ja schon seit 2008 an – mal mehr, mal weniger. Bei meinen Kunden spüre ich keine Verunsicherung, was die bestehenden Verträge angeht. Bei der Entscheidung zu neuen Sparprozessen ist die Verunsicherung und Zurückhaltung aber durchaus spürbar. Die Krise zeigt, dass erhöhter Beratungsbedarf besteht.

 

Was also tun? Sind die Renten sicher, um mal plakativ zu fragen?
Jeder Einzelne sollte sich frühzeitig mit dem Thema Sparen und Absicherung beschäftigen und unabhängig informieren. Gar nichts tun, ist sicherlich der falsche Weg, zumal es verschiedene Varianten zur Altersvorsorge gibt, nicht nur Rentenversicherungen. Die Entscheidung für ein Altersvorsorgeprodukt ist sehr komplex – das sollte sich auch in einem Beratungsgespräch widerspiegeln. Dass jemand kommt und sagt: „Ich möchte gerne 100 Euro im Monat sparen“ und nach einer Viertelstunde einen Antrag unterzeichnet der dann dreißig, vierzig Jahre läuft, kann nicht sein.

 

Ein langer Zeitraum. Was würde denn passieren, wenn der „Crash“ kommt?
Was auch immer das bedeutet. (lacht) Keine Ahnung. Ich glaube, dass weiß keiner so genau, auch die vermeintlichen Experten nicht. Oder wer von denen hat schon einen miterlebt? Meiner Einschätzung nach werden gewisse Staaten aus dem Euro ausscheiden müssen.

 

Griechenland?
Mit Sicherheit an erster Stelle zu nennen, aber gegebenenfalls werden oder müssen auch andere südeuropäische Staaten aus dem Euro ausscheiden. Aktuell wird das „große Schuldenproblem“ weginflationiert – niedrige Guthabenzinsen bei (noch) mäßiger Inflationsrate. Die Frage, die wir uns stellen müssen ist, inwiefern wir unsere Anlageentscheidungen davon abhängig machen. Ich fände es fatal, gar nichts zu unternehmen. Meine grundsätzliche Empfehlung: diversifizieren! Risikostreuung mittels kurz-, mittel- und langfristiger Anlageprodukte, unterschiedlicher Anlageklassen und Währungen, bei verschiedenen Anbietern.

 

Wie ist die Stimmung derzeit bei deinen Kunden? Sicherheit vor hoher Rendite?
Zurückhaltend. Allerdings verfolge ich grundsätzlich eine andere Philosophie. Mir geht es nicht um den schnellen Produktverkauf. Mein Ansatz ist langfristig ausgerichtet. Der Bedarfsermittlung, Quantifizierung von Zielen und Wünschen, der zeitlichen Einordnung, folgen Lösungsansätze zur Zielerreichung. Welche Produkte dabei in Frage kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

 

Nehmen wir an, ich sage: Andreas, hier sind 20.000 Euro, mach mir daraus in einem Jahr 30.000.
Das geht nicht. Dann gehst Du lieber gleich ins Spielkasino.

 

Das wäre dann Absicherung mit maximalem Risiko. Anderes Thema: Welche Versicherungen sollte man haben?
Eine Privathaftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Neben diesen sollte man aber auch über die Absicherung bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit, einem Unfall und im Todesfall nachdenken. Was im Einzelfall wirklich notwendig und ratsam ist, ist individuell zu klären. Bei sich verändernden Lebensumständen ändert sich auch der Absicherungsbedarf. Ein regelmäßig wiederkehrender Check-up ist daher zu empfehlen.  

 

Bestehende Verträge müssen also unter Umständen geändert oder gekündigt werden. Ist das nicht schwierig?
Eigentlich nicht. Im Sachversicherungsbereich – bei Haftpflicht-, Hausrat-, Unfall-, Rechtsschutz- und Kfz-Versicherung – empfehle ich grundsätzlich nur Einjahresverträge. So kann man flexibel reagieren und zeitnah Veränderungen einleiten, sofern notwendig. Neue Tarifgenerationen, bieten oftmals bessere Leistungen oder günstigere Prämien.    

 

Was empfiehlst du ganz allgemein?
Ich empfehle jedem Einzelnen, sich – mit der vielleicht ungeliebten Thematik von Versicherungen, Altersvorsorge und Co. – frühzeitig zu beschäftigen. Die Themengebiete sind miteinander verflochten, die Produktlösungen zum Teil hochkomplex und daher erklärungsbedürftig. Ein unabhängiger Berater hilft, auch ohne immer ein Produkt verkaufen zu müssen.

Autor: 
Ingo Bartsch
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