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Sommer, Sonne: Far’ in Urlaub! (STUZ 70, Aug. 05)

Er ist nicht der Junge mit der Mundharmonika, sondern Frontmann der „besten Band der Welt“. Gerade hat Farin Urlaub sein zweites Soloalbum herausgebracht und tourt zur Zeit, was das Zeug hält. Der Hobby-Soziologe ließ sich an einem sonnigen Nachmittag in seiner spanischen Finca auf ein STUZ Frage-Antwort Spiel ein. Lest selbst, was der Oldie des Deutschrock über Schizophrenie, Tanzschritte und Fotogenität zu sagen hat.

 

Was war dein schönstes/unschönstes Urlaubserlebnis?

 

Die sind eigentlich alle schön (auch die unangenehmen – die sind schön durch Interessantheit) – aber alle privat.

 

Wohin fährst du am liebsten in Urlaub?

 

In sonnige Gegenden.

 

Du fährst leidenschaftlich gerne Motorrad. Könntest du dir vorstellen, einer Rockerbande anzugehören oder bist du lieber eine One Man Army?

 

Weder noch. Ich fahre gerne, mit Krieg hat das nix zu tun...

 

Für was würdest du Werbung machen?

 

Für nichts (außer meine Musik, natürlich – aber da auch nur Interviews). Und aufmerksam machen würde ich Leute höchstens gerne auf Amnesty International, MSF etc.

 

Was magst/hasst du an Deutschland besonders?

 

Meine Freunde/das Wetter.

 

Gibt es einen Lieblingstanzschritt?

 

Nö: Bei den meisten Ladies sieht alles gut aus.

 

Du bist ein wissbegieriger Mensch. Wenn du die Möglichkeit hättest, an der Uni einen Professorenstuhl zu besetzen, für welches Fach würdest du dich entscheiden?

 

Moment: Ich will doch selbst lernen!

 

Das System Schule hat dich nie besonders gereizt, könnte das mit der Uni anders aussehen, oder lernst du lieber für dich selbst?

 

Kommt drauf an: Sprachen gerne in der natürlichen Umgebung (sprich im Land); sonst lieber für mich.

 

Was stört dich an dieser Art des Wissenstransfers?

 

Dass da vorne jemand steht, der qua Titel recht hat.

 

Wie lässt sich Rock’n’Roll und Bildung miteinander vereinen?

 

Keine Ahnung – gehört das nicht zusammen wie Pech und Natriumsulfat?

 

Hast du während dem Touren Zeit, deinem Wissensdurst nachzugehen?

 

Klar; ich bin ja nicht spezialisiert. Die Bühne, zum Beispiel, ist ein guter Ort für kleine soziologische Experimente.

 

Wie kompensierst du das, falls das nicht geht?

 

Sex.

 

Bist du der Mr. Oberschlau der Ärzte?

 

Nö; aber ich wär es gerne. (Rod weiß viel mehr als ich)

 

Du bist in den letzten Jahren reifer geworden. Gibt es eine Erkenntnis für dich, die du als Dogma vertreten könntest, ein neues Leitmotiv?

 

Carpe diem et cerebellum.

 

In nahezu allen Bereichen deines Aktionsradius bist du dir deiner Arbeit äußerst sicher und davon überzeugt, immer den richtigen Weg zu gehen. Ist das Positivismus in seiner Reinform oder gibt es auch bei dir Momente der Selbstzweifel?

 

Natürlich gibt es die, aber da geht es mehr um unwichtige Dinge.

 

Hat Farin U. zwei scharf abgegrenzte Seiten: Der lustige Bühnenclown versus den ernsten, „konservativen“ Jan Vetter?

 

Hmm. FU ist ein Element von mir; aber er vertritt schon karikaturenhaft dieselben Interessen – ich bin nicht besonders ernsthaft. (Und auch nicht so ichbezogen, wie dieses Interview und ähnliche vermuten lassen.)

 

Sind Reisen für dich auch ein Weg zu dir selbst, weg vom „Bühnen-Über-Ich“ und eine Art Flucht vor nervenden „Zeitdieben“ oder quengelnden Fans?

 

Wichtiger ist mir, die Welt zu sehen; das andere ist ein angenehmer Nebeneffekt.

 

Warum zeigst du dich auf Solopfaden, zumindest im Booklet deiner Platten, immer so gerne „kurz vorm Ausrasten?“ Ist Ausrasten eine Befriedigung für dich, oder was macht dabei soviel Spaß?

 

Die Wahrheit ist: Ich bin so unfotogen und langweilig, dass die Fotografen mich am liebsten so ablichten, damit sie nicht beim fotografieren einschlafen.

 

Wie viel Kontrollfreak muss man sein, um ein ganzes Album derartigen Ausmaß – ich spreche von „Am Ende der Sonne“ – in völliger Eigenregie einzuspielen und zu produzieren?

 

Keine Ahnung. Das hat Spaß gemacht.

 

Hätte man das neue Album auch „The ego has landed“ nennen können?

 

Nö, den Titel gab’s doch schon..., außerdem gehts eigentlich nur darum, ‘ne schöne Vorlage fürs Racing Team zu schaffen.

 

Wieviel Platz und Zeit brauchst du für dich ? Ist das mehr als andere brauchen?

 

Gute Frage. Ich nehme mir beides; ob andere weniger brauchen, weiß ich nicht.

Wie siehst du die Entwicklung innerhalb der Punkszene? Gibts die noch?

 

Was bedeutet Punkrock für dich?

 

Tu, was du willst!

 

Wie wichtig ist dir Obszönität und Sarkasmus, vor allem in Bezug zu deinen Texten?

 

Ersteres gar nicht (mehr; das war mit 16 natürlich anders), zweiteres... hmm, Ironie ist mir lieber.

 

Drei Dinge, die du abgrundtief hasst?

 

Intoleranz. Die mündet in all die anderen Dinge, die ich nicht ausstehen kann.

 

Wenn es in deiner Macht stehen würde, die Welt zu verändern, was würdest du tun?

 

Hirn verteilen. (Auch viel an mich!)

 

Last words an unsere Leser?

 

Genießt!

Autor: 
Christian Wittlich
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